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Ein lauer Abend in Kingston, 64.363 Zuschauer, und bei Anpfiff roch es nach Zuckerrohr, frisch gemähtem Rasen - und Offensivfußball. Die Greenstars GSC luden zum dritten Spieltag der 1. Liga Jamaica ein, und die Gäste von Bull Bay kamen mit großem Namen, aber löchriger Abwehr. Am Ende stand ein 5:3 (2:0) auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das so wild klang, wie das Spiel tatsächlich war. Schon ab der ersten Minute war klar: Hier wird nicht lange gefackelt. Bull Bays Juanito Mendez prüfte den Greenstars-Keeper Laurent Boulanger nach gerade einmal 60 Sekunden - ein Warnschuss, der die Gastgeber offenbar nur anstachelte. "Da wusste ich: Heute müssen wir Gas geben", grinste Greenstars-Coach Ostkurve Berlin nach dem Spiel, als hätte er selbst noch die Stollen geschnürt. Und seine Jungs hörten auf ihn. In der 10. Minute zog Didier Hoskins aus der zweiten Reihe ab, nachdem Jean-Pierre Jean-Pierre den Ball mit einem eleganten Hackenpass durch die Gasse geflankt hatte. 1:0 - und das Stadion bebte. Nur zwei Minuten später drehte Jean-Pierre selbst auf, tanzte einen Verteidiger aus und traf zum 2:0. "Ich habe einfach gemacht, was mir Henri Monroe zugerufen hat - irgendwas auf Französisch, das nach ’Mach ihn rein!’ klang", lachte der Doppelnamige später. Zur Pause schien alles klar: Greenstars führte 2:0, hatte 52 Prozent Ballbesitz und spielte wie eine Samba-Truppe mit deutschem Taktgefühl. Bull Bay dagegen wirkte wie eine Strandmannschaft, die plötzlich merkte, dass Fußball tatsächlich 90 Minuten dauert. Doch wer die Gäste abschrieb, kannte ihre Sturmlust nicht. Nach dem Wechsel kam Bull Bay mit frischem Wind - oder vielleicht einfach mit mehr Kaffee im Blut - zurück. Zwar erhöhte Guy Larocque in der 48. Minute nach einer Kopfballvorlage von Pascal Carter auf 3:0, aber dann legten die Gäste los. Joao del Rio (56.) nutzte ein Durcheinander im Strafraum zum Anschlusstreffer, Lionel Ronaldo (61.) traf nach feinem Zuspiel von Rene Couture - und plötzlich stand es nur noch 4:2. Dazwischen hatte Julien Prentiss (60.) das 4:1 markiert, mit einem wuchtigen Schuss, der so trocken war wie ein jamaikanischer Rum im Hochsommer. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand der Mittelstürmer danach, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Das Spiel war jetzt ein Feuerwerk. Greenstars antwortete in der 65. Minute mit dem 5:2 durch Jerome Bostwick, der eine butterweiche Vorlage von Hoskins verwertete - sein Jubel tanzte irgendwo zwischen Capoeira und Stepptanz. Bull Bay, tapfer bis zum Schluss, setzte in der 70. Minute noch einen drauf: Jordi Roy schloss eine sehenswerte Kombination zum 5:3-Endstand ab. "Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben", sagte Bull-Bay-Trainer Sports Mann mit professioneller Gelassenheit. "Nur leider hat der Glaube nicht verteidigt." Seine Miene verriet, dass er die Defensive wohl noch im nächsten Training in den Gebetskreis aufnehmen wird. Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - jeweils 12 Torschüsse, fast identische Zweikampfquoten (Greenstars 48,8%, Bull Bay 51,1%) -, aber die Greenstars waren schlicht effizienter. Und aggressiver: Ashton Carter holte sich in der 67. Minute noch eine Gelbe ab, "weil ich dem Schiri erklären wollte, wie man fair tackelt", wie er mit einem Grinsen erklärte. Kurz vor Schluss wechselte Trainer Berlin noch dreifach - vermutlich, um die letzten Minuten in Ruhe zu genießen. Jay Dunn bekam im Tor ein paar Sekunden Erstliga-Luft, der 18-jährige Benjamin Barrymore durfte links außen ran. "Ich wusste gar nicht, dass mein Trikot überhaupt fertig war", sagte der Youngster nach seinem Debüt. Und während Bull Bays Ersatzkeeper Andrew Gayheart in der Nachspielzeit noch zwischen den Pfosten durfte - vielleicht eine symbolische Geste von Coach Mann -, feierten die Greenstars bereits mit ihren Fans. "Das war Werbung für den Fußball", meinte Ostkurve Berlin mit einem Augenzwinkern. "Wenn auch ein bisschen teuer für die Nerven." Fazit: Ein Spiel mit acht Toren, drei Gelben Karten (na gut, nur einer), unzähligen Chancen und einer Atmosphäre, die man nicht simulieren kann. Die Greenstars tanzen weiter oben mit, Bull Bay bleibt offensiv gefährlich, aber defensiv wackelig. Nächste Woche geht’s weiter - vielleicht wieder mit acht Toren, vielleicht auch nur mit sieben. In dieser Liga scheint jedenfalls eines sicher: Langeweile hat hier keine Spielberechtigung. 14.12.643993 06:54 |
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Mario Basler