Diarios de Futbol
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Greenstars drehen das Spiel - spät, wild und wunderschön hässlich

75.000 Kehlen schrien sich am Mittwochabend im Greenstar-Stadion heiser, als Schiedsrichter Alvarez endlich abpfiff. Greenstars GSC hatte das Play-off-Hinspiel der Copa Libertadores gegen Les Milionaros mit 2:1 (0:1) gewonnen - ein Spiel, das man wohl in die Kategorie "dramatisch mit Schönheitsfehlern" einordnen darf.

Trainer Ostkurve Berlin - ja, der Mann heißt wirklich so - grinste nach dem Schlusspfiff verschmitzt: "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon spät dran seid, dann wenigstens stilvoll." Stilvoll war es am Ende tatsächlich, aber bis dahin mussten die Greenstars durch mehr als 70 Minuten Frust, Fehlpässe und lateinamerikanische Schlitzohrigkeit.

Denn Les Milionaros zeigten von Beginn an, warum sie gefürchtet sind. Aggressiv, technisch sauber, aber mit der feinen Note des Chaos. Schon nach einer Viertelstunde hatte Damian Miro zweimal gefährlich abgezogen, ehe Alex Vazquez in der 42. Minute den ersten Treffer erzielte - ein trockener Abschluss nach Vorlage von Amaury Pacos. Greenstars-Keeper Laurent Boulanger sah den Ball wohl erst, als er schon in den Maschen zappelte. "Der Wind hat ihn leicht abgefälscht", murmelte Boulanger später, während sein Trainer dezent die Augen verdrehte.

Bis zur Pause war das Publikum unruhig. Die Brasilianer - oder waren es Kolumbianer? - von Les Milionaros spielten, als wären sie auf einer Samba-Parade, während die Greenstars ihre Offensivversuche irgendwo zwischen Verzweiflung und Slapstick verorteten. Elf Torschüsse in der ersten Halbzeit, aber kein Tor - der Ballbesitz lag bei soliden 53 Prozent, doch das half wenig, wenn Jerome Bostwick seine Chancen eher als Schießübungen für die Tribüne verstand.

"Ich wusste, dass ich irgendwann treffe", sagte Bostwick später mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich - in der 72. Minute war es soweit: Nach feinem Zuspiel von Thierry Maurice drosch er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Ein Jubelorkan brandete auf, der selbst die Stadiontaube vom Flutlicht scheuchte.

Doch das war erst der Anfang. Die Greenstars, nun elektrisiert, spielten plötzlich Fußball. Jean-Pierre Jean-Pierre - ein Name, der klingt wie ein Scherz, aber keiner ist - legte in der 84. Minute traumhaft quer, und Guy Larocque schob eiskalt zum 2:1 ein. Der Franzose, sonst eher für seine Frisur bekannt, rannte jubelnd zur Eckfahne und küsste das Wappen, als hätte er gerade die Weltmeisterschaft entschieden.

"Ich dachte, der Ball kommt gar nicht mehr", lachte Larocque nach dem Spiel. "Aber Jean-Pierre hat ihn perfekt serviert - so wie ein guter Kellner eben."

Les Milionaros waren konsterniert. Trainer Rodrigo Rodriguez stapfte wütend über den Rasen, während seine Spieler Gelbe Karten sammelten wie Bonuspunkte: Barbosa in der 20., Meireles in der 68. - beide Male wegen übermotivierter Grätschen. Zu allem Überfluss verletzte sich Barbosa noch vor der Pause und musste durch den 33-jährigen Dimas Ximenes ersetzt werden.

Auch die Greenstars blieben nicht verschont: Der junge Bernard Browning, gerade eingewechselt, knickte in der 75. Minute unglücklich um. "Er wollte zeigen, dass er laufen kann - jetzt muss er zeigen, dass er sitzen kann", kommentierte Trainer Berlin trocken.

Die letzten Minuten waren ein einziger Nervenkitzel. Les Milionaros warfen alles nach vorne, Damian Miro prüfte Boulanger zweimal, doch der Keeper parierte spektakulär. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Greenstars in den Armen, während Rodriguez auf der Bank zusammensackte wie ein überkochender Espresso.

Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen: 13 Torschüsse für Greenstars, 7 für die Gäste, Ballbesitz 54 zu 46 Prozent. Aber Zahlen erzählen bekanntlich nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte bestand aus Adrenalin, Krämpfen und einer Menge Schweiß.

"Das war ein Sieg des Willens", sagte Ostkurve Berlin, der mit seinem Namen inzwischen Kultstatus bei den Fans genießt. "Wir haben nie aufgehört, an das Comeback zu glauben. Und Guy Larocque? Der hat heute nicht nur das Tor, sondern auch den Fön verdient."

Rodriguez hingegen sah das anders: "Wir waren besser, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Da hat er wohl recht - manchmal gewinnt eben nicht der Schönste, sondern der Hartnäckigste.

Das Rückspiel in Bogotá dürfte also ein heißer Tanz werden. Doch eines ist sicher: Wenn die Greenstars ihre Mischung aus Chaos, Charme und Chuzpe beibehalten, dann könnte sogar die Copa Libertadores ein kleines bisschen "Berlin-Style" bekommen.

Und falls nicht - immerhin war’s ein schöner Abend zum Schreien.

24.12.643990 01:20
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund
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