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71550 Zuschauer im ausverkauften "StarDome" erlebten ein Pokal-Achtelfinale, das sich vom gemütlichen Winterabend zum hitzigen Thriller entwickelte. Am Ende jubelte Fire-House FC über ein 2:1 nach Verlängerung - und die Greenstars GSC standen mit hängenden Köpfen im kalten Berliner Wind. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Die Greenstars, angeführt von Trainer Ostkurve Berlin (ja, das ist wirklich sein Name), spielten von Beginn an mutig, offensiv, fast schon übermotiviert. Bereits in der 3. Minute prüfte Rene Hartshorn den Fire-House-Keeper Sergio Fortun, der mit den Fingerspitzen klärte. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Angst vor großen Namen haben", sagte Hartshorn später mit trotzigem Lächeln. In der 33. Minute platzte der Jubel dann endgültig aus den Rängen: Linksverteidiger Ashton Carter - sonst eher für rustikale Grätschen als für filigrane Abschlüsse bekannt - donnerte nach einem präzisen Zuspiel von Rene Bridges den Ball unhaltbar ins rechte Eck. 1:0 für die Greenstars! Carter riss die Arme hoch, Bridges grinste: "Ich hab’ ihm eigentlich zugerufen, er soll flanken. Aber er versteht mich wohl besser, wenn ich nichts sage." Fire-House FC schien überrascht, ja fast schockiert. Trainer Dottore Caballero, ein Mann mit dem Temperament eines Espresso doppio, gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Ragazzi! Non dormire!", brüllte er, was frei übersetzt heißt: "Wacht endlich auf, ihr Schlafmützen!" Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Fire-House übernahm das Kommando, angefeuert von ihrem unermüdlichen Mittelfeldmotor Gunnar Carlsen. Der Ballbesitz kletterte auf 57 Prozent, die Schussstatistik auf beeindruckende 23 Versuche - während Greenstars zunehmend auf Konter hoffte. In der 51. Minute fiel der Ausgleich: Tiago Santos verwertete eine perfekte Flanke von Pierre Bach, elegant wie ein Tänzer, präzise wie ein Uhrwerk. 1:1 - und plötzlich roch das Stadion nach Wende. "Da wussten wir: Jetzt wird’s ein anderes Spiel", meinte Bach später mit einem Augenzwinkern. Ostkurve Berlin reagierte und brachte in der 59. Minute frische Beine: Bernard Browning und Thierry Maurice kamen, aber der Schwung verpuffte. Fire-House drückte, kombinierte, und nur Keeper Laurent Boulanger verhinderte Schlimmeres. In der 74. Minute tauschte Berlin verzweifelt Innenverteidiger gegen Innenverteidiger - ein symbolischer Wechsel, der mehr Ratlosigkeit als Strategie verriet. Die Verlängerung wurde dann zum Feuerwerk der Gäste. Zwischen der 96. und 107. Minute feuerten sie Schuss um Schuss ab, als wollten sie das Tor aus den Angeln heben. Greenstars verteidigten mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit dem, was keine mehr hatte. "Ich glaube, ich habe zweimal denselben Ball geklärt", japste Verteidiger Henri Monroe nach Abpfiff. Doch in der 101. Minute passierte, was in solchen Spielen fast zwangsläufig passiert: Fire-House traf. Der eingewechselte Wouter Brill, zuvor eher unscheinbar, drückte nach Pass von Carlsen aus kurzer Distanz ein. 2:1 - und diesmal jubelte der Espresso-Mann Caballero so wild, dass seine Brille quer im Gesicht hing. Greenstars versuchten alles, aber ihre 13 Torschüsse blieben am Ende nur kosmetische Statistik. In der 122. Minute zog Guy Larocque noch einmal ab, verfehlte um Zentimeter - sinnbildlich für einen Abend, an dem das Glück die Seiten wechselte. Nach dem Spiel zeigte sich Ostkurve Berlin gefasst: "Meine Jungs haben alles gegeben. Vielleicht zu früh zu viel. Aber lieber mit erhobenem Kopf raus als mit eingezogenem." Caballero grinste nur und sagte: "Wir haben gebrannt, bis der Schiri pfiff. So muss Fire-House spielen." Und so steht Fire-House FC im Viertelfinale, während die Greenstars ihre Sterne neu sortieren müssen. Das Publikum verabschiedete sie trotzdem mit Applaus - wohl auch, weil diese Mannschaft an einem kalten Januartag bewiesen hat, dass Mut nicht immer belohnt, aber immer bewundert wird. Ein sarkastischer Zuschauer meinte beim Hinausgehen: "Wenigstens haben sie nicht im Elfmeterschießen verloren - das hätte noch länger gedauert." Vielleicht der ehrlichste Kommentar des Abends. 19.09.643987 02:43 |
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Wir fahren hin, hau'n die weg und fahren wieder zurück.
Peter Neururer