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Es war ein kalter Abend in Lissabon, aber was auf dem Rasen geschah, ließ niemanden frieren - höchstens vor Ungeduld. 16.000 Zuschauer im stimmungsvollen Estádio Municipal sahen, wie der SC Lissabon mit allen Tugenden kämpfte, die man von einer Mannschaft erwarten darf - nur leider ohne das eine, das im Pokal zählt: Tore. Am Ende jubelte Vitoria Setubal, das durch ein frühes Tor von Callum Greaves mit 1:0 gewann und ins Halbfinale einzog. Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Schon nach zehn Minuten ließ Greaves, der flinke Rechtsaußen aus England, die Lissaboner Defensive wie eingefroren stehen. Nach einem langen Ball des 17-jährigen Nael Jorge - ja, der Junge, der noch letzte Saison in der U18 spielte - nahm Greaves den Ball mit der Brust an, schaute kurz, und schob ihn trocken ins rechte Eck. Torwart Tiago Tonel streckte sich vergeblich. "Ich hab gedacht, Nael will den Ball eigentlich nur klären", grinste Greaves später. "Aber gut, wenn die Jugend so zielt, kann man ja was draus machen." Von da an rannte Lissabon dem Rückstand hinterher - allerdings ohne Plan, Tempo oder Präzision. Trainer Hamudi Salman hatte seine Elf defensiv eingestellt, offenbar in der Hoffnung, dass sich das Spiel von selbst gewinnen würde. Das tat es aber nicht. Mit 42 Prozent Ballbesitz und nur sieben Torschüssen blieb der SC harmlos wie ein Stubentiger. Setubal dagegen kontrollierte das Geschehen, hatte 12 Abschlüsse und wirkte trotz der Führung erstaunlich entspannt. Besonders auffällig: Adriano Ze Castro, der rechte Flügel der Lissaboner, rannte, kämpfte, schoss - und verzweifelte. Gleich dreimal prüfte er Setubals Keeper Nelio Andrade, der aber einen Abend erwischte, an dem er wohl selbst einen Medizinball gefangen hätte. Nach der dritten Parade klatschte Andrade demonstrativ in die Hände und rief seinem Gegenspieler zu: "Heute nicht, Amigo!" - was sogar den Linienrichter zum Lächeln brachte. In der 33. Minute hatte Jorge Pauleta die große Chance zum Ausgleich. Nach einem schnellen Seitenwechsel zog er aus 16 Metern ab, doch wieder war Andrade da. "Ich hab mich gefragt, ob der Handschuhe mit Magneten trägt", murmelte Pauleta nach dem Spiel. Setubal blieb auch nach der Pause gefährlicher. Greaves hatte weitere Chancen (54., 72., 87.), Iniguez prüfte Tonel mit einem wuchtigen Kopfball (60.), und selbst Linksverteidiger Ryan Prentiss versuchte sich aus der Distanz - vermutlich, weil er dachte, wenn schon alle schießen, will er auch mal. "Ich hab’s mir vorgenommen, endlich mal aufs Tor zu schießen", lachte er später. "Dass ich dabei fast die Eckfahne treffe, war nicht Teil des Plans." Lissabon wehrte sich, aber ohne Ideen. Trainer Salman stand an der Seitenlinie, die Arme verschränkt, und wirkte, als überlege er, ob er nicht selbst eingewechselt werden sollte. Nach dem Spiel gab er sich kämpferisch: "Wir wollten kompakt stehen und dann Nadelstiche setzen. Leider hatten wir keine Nadeln." Ramon Seidel, der Trainer von Setubal, wirkte dagegen so gelassen, als hätte er gerade einen Spaziergang gewonnen. "Wir haben unser Spiel gespielt, ruhig, kontrolliert, diszipliniert. Greaves war heute der Unterschied. Und Nael - das war ein Pass, der in jedem Lehrbuch stehen dürfte. Wenn er jetzt noch seinen Schulabschluss schafft, haben wir einen neuen Star." Die letzten Minuten wurden ein einziger Lissaboner Sturmlauf. Uwe Fleischer prüfte in der 90. Minute noch einmal Andrade, doch der hielt auch diesen Versuch fest. Danach war Schluss, und die Spieler von Setubal fielen sich jubelnd in die Arme. Die Statistik sprach eine klare Sprache: mehr Ballbesitz (57,6 Prozent), mehr Abschlüsse, mehr Zielstrebigkeit. Lissabon hatte zwar Einsatz gezeigt, aber Spielwitz? Fehlanzeige. Vielleicht lag es an der taktischen Ausrichtung - "defensiv", wie das Trainerhandbuch vermeldet. In einem Pokal-Viertelfinale zu Hause mag das originell sein, zielführend war es nicht. "Wir haben’s versucht, aber manchmal will der Ball einfach nicht rein", sagte Ze Castro und zuckte mit den Schultern. Ein Satz, der sinnbildlich für den Abend stand. So zieht Vitoria Setubal verdient ins Halbfinale ein, während der SC Lissabon seine Pokalträume begraben muss - diesmal schon im Viertelfinale. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Stolz. Oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne süffisant bemerkte: "Wir sind Lissabon. Wir leiden schön." Und schöner lässt sich ein 0:1 wohl kaum verlieren. 04.11.643987 06:10 |
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Mario Basler