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Es war ein frostiger Januarabend im Ullevi-Stadion, doch die 12.294 Zuschauer dürften die Kälte schnell vergessen haben. Sie bekamen Tore satt, Emotionen pur - und ein Ersboda BK, das nach wackligem Start plötzlich spielte, als hätte jemand den Turbo gezündet. Am Ende hieß es 2:4 (2:2) aus Sicht von Göteborg AS, und die Heimfans rieben sich verwundert die Augen. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da schlug Göteborg zu. In der zweiten Minute sprintete Valborg Carlsson, der flinke Linksaußen, durch eine Lücke in der Ersboda-Abwehr, legte sich den Ball noch einmal zurecht - und zimmerte das Leder unhaltbar ins rechte Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er war einfach zu schön, um ihn zu stoppen", grinste der bediente Innenverteidiger Gudmund Hanson später selbstironisch. Doch die Freude währte kurz. Nur fünf Minuten später antwortete Ersboda über den rechten Flügel: Carl Nuno flankte butterweich, Paulus Ohlson rauschte heran und köpfte zum 1:1 ein. Trainer Piel Juergen, ein Mann, der Emotionen sonst dosiert zeigt, ballte diesmal die Faust. "Da war Leben drin, endlich!", rief er in Richtung seiner Bank. Die Partie blieb wild. Göteborg hatte mehr Ballbesitz - am Ende satte 59,6 Prozent - und versuchte, das Spiel zu beruhigen. Doch was nützt das schönste Passspiel, wenn der Gegner einfach häufiger aufs Tor schießt? Ersboda kam auf zwölf Torschüsse, Göteborg auf gerade mal fünf. Und in der 30. Minute drehte sich das Spiel endgültig: Julio Sancho tanzte auf dem linken Flügel, passte quer auf Kevin Engel, und der traf trocken zum 1:2. Das Stadion schwieg - aber nur kurz. Eine Minute später schlug Göteborg zurück: Larry Closson, der Routinier auf der rechten Seite, zog aus 18 Metern ab. Der Ball fälschte leicht ab, segelte über Torwart Dahlin hinweg und landete im Netz. 2:2 - Halbzeitstand, und ein Spiel, das in alle Richtungen hätte kippen können. "In der Kabine sagte ich den Jungs: Macht einfach weiter, aber bitte ohne Herzinfarkte", lachte Ersboda-Coach Juergen nach dem Spiel. Offenbar hatten sie zugehört - und gleichzeitig vergessen, was Defensive bedeutet. Denn nur 60 Sekunden nach Wiederanpfiff, in der 46. Minute, traf Julio Sancho selbst: eine butterweiche Hereingabe von Mikael Uggla, Sancho mit dem rechten Fuß - 2:3. Göteborg wirkte geschockt. Zwar mühten sie sich, das Spiel wieder zu kontrollieren, aber Ersboda blieb eiskalt. In der 69. Minute war es der eingewechselte Sigmund Eriksson, der nach Vorarbeit von Gerard Grenier das 2:4 erzielte. Er lief jubelnd zur Eckfahne, formte mit den Händen ein Herz - und rief in Richtung Tribüne: "Mama, das war für dich!" Ein Moment, der selbst einige Göteborg-Fans zum Schmunzeln brachte. Danach wurde es ruppiger. Zwei Gelbe Karten für Ersboda - Rudolf Uggla (75.) und Alfred Abelson (86.) - unterstrichen, dass der Sieg nicht ohne Kratzer errungen wurde. Göteborg hatte zwar weiter mehr Ballkontakte, aber kaum Ideen. Die Fans pfiffen, die Kälte kroch zurück in die Knochen, und auf der Trainerbank der Gastgeber herrschte betretenes Schweigen. In der Nachspielzeit humpelte Mikael Uggla nach einem harten Zweikampf vom Platz - "nur eine Prellung", wie Juergen später versicherte. Seine Mannschaft feierte trotzdem ausgelassen vor der Gästekurve. "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts mutig sind", sagte Doppeltorschütze Sancho. "Und ehrlich - hier zu gewinnen fühlt sich verdammt gut an." Göteborgs Coach, der sich nach Abpfiff lange in sein Notizbuch vertiefte, kommentierte das Geschehen mit nordischer Trockenheit: "Vier Gegentore bei 60 Prozent Ballbesitz - das ist wohl eine neue Art, das Spiel zu kontrollieren." Ersboda BK hat mit diesem Sieg eindrucksvoll bewiesen, dass Effizienz manchmal mehr wert ist als Schönheit. 40 Prozent Ballbesitz, vier Tore - eine Bilanz, die Statistikfreunde erschaudern lässt, aber Fußballromantiker begeistert. Und Göteborg? Die müssen sich fragen, warum sie trotz frühem Feuerwerk am Ende in der Asche standen. Vielleicht hilft ein bisschen Humor, wie Stürmer Valborg Carlsson später meinte: "Wir sind eben gute Gastgeber - wir schenken gern ein." Ein Satz, der ganz gut zu diesem Abend passt. Denn während Ersboda jubelnd in den Bus stieg, blieb Göteborg mit der bitteren Erkenntnis zurück, dass Ballbesitz keine Tore schießt - und Timing manchmal alles ist. 30.06.643987 06:40 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer