A Bola
+++ Sportzeitung für Portugal +++

Gondomar verspielt Führung - Setubal dreht das Spiel in 37 Minuten

Ein lauer Februarabend, Flutlicht, 29.140 Zuschauer - und ein Spiel, das in zwei völlig verschiedene Hälften zerfiel. CD Gondomar führte zur Pause komfortabel 1:0, baute diese Führung kurz nach Wiederanpfiff sogar auf 2:0 aus - und ging am Ende doch mit hängenden Köpfen vom Platz. Vitoria Setubal, die Gäste aus dem Süden, zeigten, warum Fußball manchmal mehr mit Psychologie als mit Statistik zu tun hat: Sie drehten die Partie mit einer Mischung aus Wut, Wille und Wucht zum 3:2-Auswärtssieg.

Schon nach acht Minuten bebte das Estádio de Gondomar. Außenverteidiger Karolos Kalitzakis, sonst eher der Mann für rustikale Grätschen als für filigrane Kunst, schlich sich in den Strafraum, nahm den Ball von Luís Maniche direkt und zimmerte ihn aus spitzem Winkel in den Winkel. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Kalitzakis später, "aber er hat mich wohl selbst überrascht." Gondomar führte 1:0 - und hatte das Spiel zunächst im Griff.

Die Gastgeber kombinierten gefällig, hatten mit 53 Prozent Ballbesitz die bessere Kontrolle und ließen Setubal zunächst kaum Luft zum Atmen. Jordi Forque zog im Mittelfeld die Fäden, und Torhüter Ezequiel Eximenonis hatte bis zur Pause mehr Zeit, die Zuschauer im Block hinter ihm zu grüßen, als Bälle zu halten. "Wir hätten das zweite Tor machen müssen, dann wäre alles ruhiger geworden", seufzte Gondomar-Coach Manuel Keeper in der Pause - ein Satz, der später prophetisch klingen sollte.

Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da schien alles in geordneten Bahnen: Thomas Eliot, der englische Mittelstürmer mit der Präzision eines Uhrwerks, verwertete in der 46. Minute eine Vorlage von Forque und stellte auf 2:0. Die Gondomar-Fans jubelten, einige begannen schon, den Sieg zu feiern.

Doch wer Setubal kennt, weiß: Totgesagte stürmen am gefährlichsten. Nur zwei Minuten später schlug Arnau Iniguez zurück - nach einem feinen Zuspiel von Louis Primes. 2:1. Und plötzlich war das Stadion still. "Ab da haben wir gespürt, dass Gondomar nervös wird", sagte Setubal-Trainer Ramon Seidel später mit einem kaum verhohlenen Lächeln.

Vier Minuten später war der Ausgleich perfekt: Charlie Stewart traf in der 50. Minute nach Vorarbeit von Gianni Di Calabria. Zwei Tore in vier Minuten - und Gondomar taumelte. Die Defensive, eben noch souverän, wirkte nun wie ein Kartenhaus im Wind. Keeper Eximenonis brüllte, wedelte, dirigierte - vergeblich.

Setubal, angeführt vom unermüdlichen Di Calabria, übernahm nun die Kontrolle. 15 Torschüsse verzeichneten die Gäste insgesamt, fast doppelt so viele wie Gondomar (8). Di Calabria selbst krönte seine Leistung in der 83. Minute, als er nach einem Pass des eingewechselten Jorge Delgado den Ball humorlos unter die Latte drosch - 3:2 für Setubal, und diesmal jubelten nur noch die grün-weißen Fans in der Ecke des Stadions.

"Ich hatte das Gefühl, wir könnten noch zehn Minuten dranhängen, und Setubal würde immer noch rennen", stöhnte Gondomars Kapitän Jordi Forque nach dem Abpfiff. Eine gelbe Karte für Gregor Vandermark (87.) war dann nur noch eine Randnotiz in einem Spiel, das längst entschieden war.

Trainer Keeper suchte nach Worten - und fand schließlich den Klassiker: "Wir haben das Spiel in vier Minuten verloren." Sein Kollege Seidel dagegen genoss den Moment. "Ich habe in der Kabine gesagt: Jungs, das ist noch nicht vorbei. Offenbar haben sie mir ausnahmsweise zugehört."

Taktisch blieb es interessant: Beide Teams starteten offensiv, Gondomar ohne Pressing, Setubal mit aggressivem Vorwärtsdrang. Doch während die Heimelf in der zweiten Hälfte an Intensität verlor, blieb Setubal hartnäckig - fast stur. 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe sprechen für sich.

Als Schiedsrichter Duarte nach 94 Minuten abpfiff, stand auf der Tafel ein 2:3, das man in Gondomar so schnell nicht vergessen wird. Die Fans verließen das Stadion mit einer Mischung aus Unverständnis und höflichem Applaus - ein portugiesischer Ausdruck für "Das war nix".

Ein kleiner Junge mit blauem Schal fragte seinen Vater: "Papa, warum haben sie aufgehört zu spielen, als es 2:0 stand?" Der Vater zuckte mit den Schultern. Vielleicht, dachte er, weil Fußball manchmal eine Lektion in Demut ist.

Und so ging ein Spiel zu Ende, das Gondomar verloren, Setubal aber gewonnen - nicht nur in Zahlen, sondern auch im Selbstbewusstsein. "Wir haben gezeigt, dass wir immer an uns glauben", sagte Matchwinner Di Calabria, "auch wenn uns keiner glaubt."

Ein Satz, der vielleicht auf den nächsten Gegner wirkt wie ein Warnsignal. Denn wer Vitoria Setubal unterschätzt, hat spätestens seit diesem Abend ein Problem.

22.09.643990 17:23
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