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Ein kalter Januarabend, 20:30 Uhr, Flutlicht über Gondomar - und 23.848 Zuschauer, die gekommen waren, um sich warm zu jubeln. Am Ende hatten sie allen Grund dazu: CD Gondomar zerlegte Machico Madeira im zweiten Durchgang mit 3:0 und zeigte, dass Offensivfußball auch ohne Zaubertrank funktioniert. In der ersten Halbzeit allerdings war Geduld gefragt. Gondomar begann forsch, mit fast 60 Prozent Ballbesitz und einer ganzen Batterie an Torschüssen - 19 am Ende des Spiels, aber gefühlt doppelt so viele in den ersten 30 Minuten. Diego Djaló prüfte schon in der ersten Minute den gegnerischen Keeper Carlos Manu, der mit einer Glanztat parierte. "Da hab ich gedacht: Na gut, dann eben später", grinste Djaló nach der Partie. Madeira versuchte, das Spiel langsam zu machen, die Defensive tief zu halten und mit Silvestre Morais und Alexander Turay auf Konter zu hoffen. Doch was nach stabiler Ordnung aussah, war im Grunde ein verzweifeltes Bollwerk. Trainer Manuel Keeper von Gondomar gestikulierte an der Seitenlinie wild, schlug mit der Hand auf seine Notizen und brüllte: "Mehr Mut im letzten Drittel!" - ein Satz, der auch auf jedem Motivationsposter stehen könnte. Zur Pause stand es 0:0, und man hörte die Leute auf der Tribüne murmeln: "Wenn das so weitergeht, fällt das Tor erst im Februar." Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, zeigte Gondomar, dass sie nicht nur den Ball, sondern auch das Timing beherrschen. In der 47. Minute legte Ricardo Frechaut mustergültig quer auf Djaló, der aus kurzer Distanz einschob - 1:0. Der Jubel war so laut, dass selbst der Stadionsprecher kurz schwieg. Nur zehn Minuten später wiederholte sich das Schauspiel: Vincent Jorge, der zentrale Antreiber, spielte Djaló frei, und der 34-Jährige traf erneut - 2:0. "Ich hab ihn angeschaut und gedacht: Wenn du den jetzt nicht machst, läufst du heim", lachte Jorge später in der Mixed Zone. Djaló nickte neben ihm zufrieden: "Ich wollte einfach Spaß haben. Und Tore machen macht immer Spaß." Machico Madeira hingegen wirkte spätestens jetzt wie ein Team, das lieber in den Urlaub geflogen wäre. Die Angriffe verpufften, sieben kümmerliche Schüsse aufs Tor - keiner davon wirklich gefährlich. Trainer der Gäste, dessen Name in den Unterlagen erstaunlicherweise fehlt, stand mit verschränkten Armen da wie ein Mann, der schon ahnt, dass die Wochenzeitung Fragen stellen wird. Als dann in der 88. Minute Verteidiger Noe Mocana verletzt vom Platz musste und Vicente Futre eingewechselt wurde, war das Schicksal endgültig besiegelt. Den Schlusspunkt setzte Filipe Alves in der Nachspielzeit. Eine butterweiche Vorlage von Fabio Moutinho, ein kurzer Haken, dann zappelte der Ball im Netz - 3:0. Der Jubel kannte keine Grenzen, und irgendwo auf der Tribüne tanzte ein älterer Herr mit einem Plastikbecher Bier, der erstaunlich lange voll blieb. "Das war einfach wunderschön", sagte Coach Manuel Keeper später. "Ich hab selten so ein konzentriertes und gleichzeitig freies Spiel meiner Jungs gesehen. Und Djaló? Der hat heute gespielt wie 24, nicht 34." Die Zahlen unterstreichen den Eindruck: 58 Prozent Ballbesitz für Gondomar, eine Zweikampfquote von gut 55 Prozent, 19 Torschüsse gegen Madeiras 7. Hätte die Latte eine Strichliste geführt, sie wäre wohl überfordert gewesen. In der Kabine nach dem Spiel soll Djaló übrigens augenzwinkernd gefragt haben, ob er den Matchball behalten dürfe. Keeper grinste: "Nur wenn du ihn putzt." Ein Satz, der wohl noch eine Weile nachhallen wird - genau wie dieser souveräne Sieg. Und so geht Gondomar mit breiter Brust in die kommenden Wochen, während Madeira dringend Antworten finden muss - oder zumindest eine neue Idee, wie man mehr als sieben Mal aufs Tor schießt. Kurz gesagt: Gondomar spielte, Madeira schaute zu. Und manchmal ist Fußball eben genauso einfach, wie es klingt. 20.04.643987 10:33 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer