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Ein kalter Januarabend, 20:30 Uhr in Gondomar. 24.141 Zuschauer füllten das kleine Stadion bis auf den letzten Platz, um Zeuge eines jener Abende zu werden, bei denen Fußballromantiker ins Schwärmen geraten. CD Gondomar, der mutige Underdog, empfing den großen FC Benfica - und schickte ihn mit einem 2:0 nach Hause. Zwei Treffer in der ersten Halbzeit genügten, um den Favoriten aus Lissabon in Ratlosigkeit zu stürzen. Schon die ersten Minuten machten klar, dass Gondomar keine Ehrfurcht kannte. Filipe Alves prüfte Benficas Keeper Christiano Pacos in der 3. Minute mit einem satten Linksschuss, der so scharf war, dass mancher Fan in der ersten Reihe reflexartig den Kopf einzog. "Ich wollte nur mal testen, ob er wach ist", grinste Alves später. Der Test fiel wohl positiv aus - aber auch kurzlebig. Denn Gondomar spielte weiter mit offenem Visier. Trainer Manuel Keeper hatte seine Elf klar offensiv ausgerichtet, und die Statistik liest sich wie eine Belagerung: 23 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Benfica dagegen - fünf müde Versuche aufs Tor. Das sah weniger nach dem stolzen Traditionsklub aus, mehr nach einem Team, das mit Jetlag aus der Hauptstadt kam. In der 23. Minute dann der Dosenöffner: Christian Kurz, der lauffreudige Mittelfeldmotor, fasste sich ein Herz. Nach einem präzisen Zuspiel von Vicente Fernandes zog er aus gut 20 Metern ab - und der Ball zischte flach ins linke Eck. 1:0 für Gondomar. "Ich hab einfach draufgehauen", lachte Kurz später, "und gehofft, dass keiner was dagegen hat." Hatte keiner - nicht einmal der Torwart. Benfica wirkte geschockt, und Gondomar roch Blut. Nur 14 Minuten später legte Ricardo Frechaut nach. Der 36-jährige Stoßstürmer, den manche schon in Rente wähnten, zeigte, dass Erfahrung manchmal mehr wert ist als jugendlicher Überschwang. Nach feiner Vorarbeit von Kurz drückte er den Ball eiskalt über die Linie. 2:0 - und das Stadion bebte. "In dem Moment dachte ich: Jetzt bloß nicht aufwachen, das ist zu schön", erzählte Trainer Keeper lachend. Auf der Gegenseite hingegen war die Stimmung frostig. Benficas Coach, der sich kurz vor dem Spiel noch optimistisch gegeben hatte, verschwand zur Halbzeit wortlos in der Kabine. Gerüchteweise soll er dort die Taktiktafel neu erfunden haben - geholfen hat’s nicht. Die zweite Halbzeit war ein Lehrstück in kontrollierter Offensive. Gondomar blieb gefährlich, ohne sich zu verausgaben. Filipe Alves schoss weiter, als wolle er sich in die Geschichtsbücher ballern, während Benfica kaum ins letzte Drittel kam. Der junge Vicente Costinha versuchte es in der 65. Minute, doch Keeper Ezequiel Eximenonis fischte den Ball aus dem Winkel wie ein Mann, der das schon hundertmal getan hat. Zwei Gelbe Karten gegen Fabio Moutinho (75.) und Jose Enrique Costa (78.) brachten kurz Aufregung, aber mehr auch nicht. "Die Jungs haben wohl gedacht, Gelb passt besser zu unseren Trikots", kommentierte Trainer Keeper trocken. Die letzten Minuten verstrichen ohne nennenswerte Spannung - Gondomar hatte alles im Griff. Als Schiedsrichter Duarte die Partie abpfiff, kannte der Jubel keine Grenzen. Die Spieler fielen sich in die Arme, die Fans sangen, und selbst einige Benfica-Anhänger applaudierten anerkennend. "Manchmal ist Fußball eben gerecht", sagte Torschütze Frechaut später in der Mixed Zone. "Wir haben gekämpft, gespielt, gelitten - und am Ende einfach mehr gewollt." Benficas Kapitän Rui Eusebio hingegen wirkte zerknirscht: "Wir waren nicht wir selbst. Vielleicht hat uns Gondomar überrascht. Oder wir uns selbst." So endet ein Abend, der in Gondomar wohl noch lange erzählt wird. Der kleine Klub, der sich traut, groß zu träumen, besiegte den Riesen - nicht mit Glück, sondern mit Leidenschaft, Mut und einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. Und irgendwo zwischen den jubelnden Fans und den ratlosen Gästen stand Trainer Manuel Keeper, die Hände in den Taschen, das Grinsen breit: "Ich sag’s ungern, aber das war fast schon Taktik." Ein Satz, der in den kommenden Tagen sicher oft zitiert wird - und vielleicht dem großen Benfica noch eine Weile im Ohr bleibt. 28.03.643987 04:38 |
Sprücheklopfer
Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon