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Wenn man am Valentinstag ein Fußballspiel mit der Leidenschaft einer griechischen Tragödie erleben wollte, war das Duell zwischen Giannina und OFE Kreta am 8. Spieltag der 1. Liga Griechenland genau das Richtige. 27.000 Zuschauer im Stadion von Ioannina bekamen alles geboten: Drama, Emotionen, gelbe Karten - und fünf Tore, die den Abend würzten wie ein zu scharf geratener Souvlaki. Schon in der 14. Minute brachte Minos Theodoridis die Gäste von Kreta in Führung. Ein Schuss aus spitzem Winkel, halb Flanke, halb Eingebung - und ganz plötzlich stand es 0:1. Gianninas Keeper Alejandro Ronaldo sah dem Ball nur hinterher, als wolle er ihn freundlich auf einer Reise verabschieden. "Ich dachte, er fliegt vorbei", seufzte der Torwart später, "aber Theodoridis hat wohl andere Pläne gehabt." Giannina schüttelte sich kurz, kam dann immer besser ins Spiel. Besonders der Belgier Glenn Verbeke zog im Mittelfeld die Fäden, suchte ständig den Ball und bekam ihn auch - manchmal sogar freiwillig. In der 37. Minute wurde er für seine Mühe belohnt: Nach schöner Vorarbeit von Joao Morte zimmerte er den Ball aus 18 Metern trocken ins rechte Eck. 1:1, und die Tribünen bebten. Trainer Kai Häntsch klatschte an der Seitenlinie mit den Händen, als wolle er eine Mücke erschlagen. "Da war Leidenschaft drin", grinste er später, "und endlich mal kein Pfostenschuss." Doch Kreta ließ sich nicht beeindrucken. Nach der Pause kam das Team von Jeff Johnson aggressiver und direkter heraus - so, als hätten sie in der Kabine nicht nur Orangen, sondern Espresso serviert bekommen. In der 62. Minute war es Blagoj Karaslawow, der nach feinem Zuspiel von Theodoridis eiskalt vollstreckte. 1:2, und die rund 200 mitgereisten Fans hüpften wie Zikaden im Hochsommer. Giannina antwortete prompt. Fünf Minuten später (67.) traf der erfahrene Jose Enrique Rivilla nach Vorarbeit von Thijs Schermerhorn zum 2:2 - ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Flanke, Direktabnahme, Jubel. Rivilla, 34, grinste anschließend: "Ich hab dem Ball gesagt, er soll einfach gehorchen. Diesmal hat er’s getan." Doch die Freude währte kurz. Nur sieben Minuten später (74.) schlug wieder Karaslawow zu, diesmal nach Pass von Ktesias Salpingidis. Ein trockener Abschluss, keine Chance für Ronaldo - 2:3. Kreta spielte nun clever, lauerte auf Konter und hielt den Ball lange genug, um Giannina den Nerv zu rauben. Statistisch sah es gar nicht so schlecht aus für die Gastgeber: 16 Torschüsse, 46 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 52 Prozent. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Schüssen, sondern nach Toren entschieden - ein Umstand, den Gianninas Fans an diesem Abend nur zu gut verstanden. In der 55. Minute musste Diego Albentosa verletzt raus, ersetzt von Salvador Dominguez. "Das war ein Knick für uns", sagte Häntsch nach dem Spiel. "Diego ist unser Taktgeber - ohne ihn fehlte die Balance." Auch Schiedsrichterentscheidungen sorgten für Gesprächsstoff: Zwei Gelbe für Giannina (Ramsay 27., Vandenhoff 83.) und eine für Kreta (Christou 23.) hielten die Emotionen hoch, ohne dass das Spiel entglitt. Kretas Coach Jeff Johnson zeigte sich nach Abpfiff zufrieden - und ein wenig verschmitzt: "Wenn man auswärts drei Tore schießt, darf man ruhig lächeln. Auch wenn mein Blutdruck jetzt wohl auf Santorini Urlaub macht." Im Stadion herrschte nach dem Schlusspfiff eine seltsame Mischung aus Applaus und Frustration. Giannina hatte gekämpft, geackert, geschossen - aber Kreta hatte die Tore. "Wir haben das Herz, aber heute fehlte das letzte Quäntchen Glück", meinte Rivilla beim Gang in die Kabine, während ein Balljunge hinter ihm den Spielball in die Höhe hielt, als wäre er ein Relikt aus besseren Zeiten. Am Ende stand ein 2:3, das Kretas offensive Marschroute bestätigte: OFFENSIVE, STRONG, LONG - so stand es wortwörtlich im Taktikbogen, und so sah es auch aus. Giannina dagegen spielte gepflegt, aber manchmal zu brav. Vielleicht fasste es ein älterer Fan auf der Tribüne am besten zusammen, als er beim Verlassen des Stadions in seinen Schal murmelte: "Wir haben gut gespielt - aber Kreta hat einfach frecher gelächelt." Ein Satz, der wohl auch Trainer Häntschs Stimmung traf. Denn an diesem Abend war Giannina nicht schlecht, nur eben nicht genug. Und so blieb vom Valentinstagsspiel vor allem eines: Herzblut, Dramatik - und die bittere Erkenntnis, dass Liebe allein keine Punkte bringt. 19.08.643990 00:00 |
Sprücheklopfer
Ich habe ihn liquidiert. Wenn er etwas will, soll er sich vorher seinen Ausweis anhängen, damit seine Mutter ihn nicht nur an der Blutgruppe erkennt.
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