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Wenn der Januarwind über Larissa pfeift, bekommt selbst der härteste Verteidiger kalte Füße. 29.511 Zuschauer hatten sich am 5. Spieltag der griechischen Superliga in Mäntel und Schals gehüllt, um zu sehen, wie AU Larissa das vermeintlich formstarke Giannina empfängt. Am Ende mussten sie frierend zusehen, wie die Gäste mit einem 2:1-Sieg den Platz verließen - und das, obwohl die Statistik eigentlich den Gastgebern schmeichelte. Larissa hatte 59 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse und den unerschütterlichen Glauben, dass Kontrolle irgendwann belohnt wird. Giannina dagegen brachte es auf zehn Torschüsse, weniger Spielanteile, aber eben die entscheidenden Momente. "Wir wollten den Ball gar nicht so lange haben", grinste Gästetrainer Kai Häntsch nach dem Spiel. "Manchmal reicht’s, wenn er einmal im Netz zappelt - oder zweimal." Die Partie begann mit einer frühen Duftmarke von Louis Bloomfield, der in der zweiten Minute bereits den Gästetorwart Alejandro Ronaldo prüfte. Larissa kombinierte elegant, setzte Marco Caneira und Savvas Anagnostou auf den Flügeln in Szene, doch die Präzision im Abschluss blieb Mangelware. Und so kam, was im Fußball meist kommt, wenn man das Tor nicht trifft: der Gegner tut es. In der 28. Minute nahm Gianninas Mittelfeldstratege Diego Assis Maß und platzierte den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der schon seit 34 Jahren genau weiß, wo das Tor steht. Larissas Keeper Javi Ximenes streckte sich vergeblich - 0:1. "Er hat mich auf dem falschen Fuß erwischt", seufzte Ximenes später. "Und zwar auf beiden." Doch kaum hatten die Gäste ausgejubelt, stand es auch schon wieder unentschieden. Zwei Minuten später brachte der junge Savvas Anagnostou von links eine scharfe Flanke, die Rechtsverteidiger Simeon Kamaras volley nahm - ein Treffer, bei dem man kurz vergaß, dass Kamaras eigentlich hinten verteidigen sollte. 1:1, und das Stadion explodierte vor Freude. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Kamaras nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner lacht, wenn der Ball auf die Tribüne geht." Niemand lachte - es war der schönste Moment des Abends für die Gastgeber. Nach der Pause bot sich ein ähnliches Bild: Larissa mit dem Ball, Giannina mit dem Plan. In der 50. Minute legte der bullige Mittelstürmer Franck Rochefort mustergültig quer auf den schnellen Gerasimos Choutos, der zum 2:1 einschob. Wieder war Ximenes chancenlos, und wieder jubelten die Gäste in Weiß und Blau, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war einstudiert", erläuterte Coach Häntsch mit einem Augenzwinkern. "Also, zumindest sah es so aus." Larissa rannte an, kombinierte, schoss - Caneira (53.), Katsouranis (58.) und Anagnostou (79.) versuchten es nacheinander, doch Gianninas Abwehr, angeführt vom kompromisslosen Luca Wolf, hielt stand. Selbst als der erfahrene Günter Schlüter in der 72. Minute verletzt vom Platz humpelte, geriet das Defensivkonstrukt nicht ins Wanken. "Ich hab mir nichts Ernstes getan", beruhigte Schlüter nach Abpfiff, "nur der Stolz tut weh, weil ich den Rasen mehr gesehen hab als den Ball." In der Schlussphase wurde es ruppiger: Rochefort kassierte noch Gelb (84.), nachdem er versuchte, den Ball samt Gegenspieler ins Tor zu tragen. "Das war Leidenschaft", verteidigte ihn Trainer Häntsch. "Vielleicht ein bisschen zu viel Leidenschaft." Larissa-Coach - dessen Name an diesem Abend wohl lieber ungenannt bleiben möchte - verzweifelte an der Ineffizienz seiner Mannschaft. "59 Prozent Ballbesitz und neun Schüsse - das klingt gut, aber auf dem Papier gibt’s keine Punkte", knurrte er in die Mikrofone. Ein Journalist fragte, ob er wenigstens mit der Einstellung zufrieden sei. "Mit der von den Balljungen, ja", kam die trockene Antwort. Als der Schlusspfiff ertönte, blieb Larissa nur der Applaus der eigenen Fans - höflich, aber frostig. Giannina jubelte ausgelassen, während Häntsch seinem Team zurief: "Und jetzt schnell in die Kabine, bevor wir erfrieren!" So geht Fußball in Griechenland: heißblütig, unberechenbar, mit einem Schuss Ironie. Giannina nimmt drei Punkte mit, Larissa die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Siege kauft. Und wer im Januar in Larissa spielt, sollte sich warm anziehen - vor allem, wenn Diego Assis und Gerasimos Choutos in Torlaune sind. 06.03.643987 10:26 |
Sprücheklopfer
Mark Hughes ist ein typich briticher Stürmer. Weder Fich noch Fleich.
Jupp Heynckes