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Es war ein Abend, an dem in Ioannina nicht nur der Ball, sondern auch die Emotionen rollten. Vor 27.000 Zuschauern im stimmungsvollen Stadion setzte sich Giannina am 10. Spieltag der 1. Liga Griechenlands mit 3:2 gegen AEL Athen durch - ein Spiel, das Trainer Kai Häntsch später als "eine Achterbahnfahrt mit offenen Türen" beschrieb. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Giannina trotz nur 41 Prozent Ballbesitz das Spiel in die Hand nehmen wollte - oder besser gesagt: in die Füße von Gerasimos Choutos. Der quirlige Linksaußen, von manchen Fans liebevoll "die Klinge von Ioannina" genannt, prüfte den Athener Keeper Dimitrios Dantamis gleich mehrfach. In der 30. Minute landete die Kugel dann tatsächlich im Netz - Choutos hatte nach feiner Vorarbeit von Albentosa eiskalt abgeschlossen. Doch wer dachte, Athen würde den Kopf hängen lassen, der unterschätzte die Hartnäckigkeit der Männer von Jorge Gutierrez. Nur vier Minuten später rappelte es auf der anderen Seite - und das ausgerechnet durch einen Verteidiger: Evripidis Dellas, der linke Außenverteidiger, wuchtete den Ball nach einer Flanke von Basinas zum 1:1 ins Tor. "Ich weiß gar nicht, was ich da vorne gesucht habe", grinste Dellas später. "Aber wenn man schon mal da ist …" Giannina ließ sich davon nicht beirren. Noch vor der Pause hämmerte Choutos aus spitzem Winkel das 2:1 unter die Latte. Ein Tor, das so laut bejubelt wurde, dass selbst die Schafe auf den Bergen ringsum kurz erschraken. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Choutos später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Trainer Häntsch lachte: "Wenn alle Flanken so enden, soll er ruhig weiter flanken." Nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste stärker auf. 58 Prozent Ballbesitz, aber wenig Zählbares - das war das Dilemma der Athener. Zwar traf Evangelos Choutos (vermutlich ein entfernter Cousin des Giannina-Doppeltorschützen) in der 67. Minute zum 2:2-Ausgleich, doch der Jubel hielt kaum drei Minuten. Denn dann trat Luca Wolf auf den Plan - Innenverteidiger, Gelbsünder, und an diesem Abend auch Matchwinner. Wolf nutzte in der 70. Minute das Chaos nach einer Ecke, nahm Maß und drosch den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins rechte obere Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", brummte der Deutsche trocken nach dem Spiel. "Und dann hab ich mich erschrocken, dass er wirklich drin war." Danach wurde es wild. Giannina wechselte dreifach, um die Führung zu sichern: Hamlin für Rochefort, Günther für Schlüter, und Bosingwa kam für Ramsay. Athen drückte, aber ohne Fortune. Die Gastgeber hielten mit Zähnen und Klauen dagegen - und gelegentlich auch mit gelben Karten. Innerhalb von zwei Minuten sahen Wolf und Sutherland Gelb. "Das war keine Absicht, das war Leidenschaft", erklärte Häntsch später mit einem Augenzwinkern. In der 71. Minute dann der Schreckmoment: Linksverteidiger Joris Vandenhoff blieb nach einem Zweikampf liegen, hielt sich das Knie und musste behandelt werden. Das Publikum hielt kurz den Atem an, dann klatschte das ganze Stadion, als er humpelnd weitermachte. Die letzten Minuten gehörten den Nerven. Athen warf alles nach vorn, Giannina konterte. Glenn Verbeke prüfte den Keeper dreimal in zehn Minuten, doch das Netz blieb stumm. "Ich hab den Ball gesehen, hab gezielt - und dann hat er sich einfach umentschieden", seufzte Verbeke. Als Schiedsrichter Ioannis Papastathis nach 94 Minuten abpfiff, riss Trainer Häntsch die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Das war heute ein Sieg des Willens", sagte er. "Und vielleicht auch des Zufalls." Auf der anderen Seite schüttelte Gutierrez nur den Kopf: "Wir hatten mehr Ball, mehr Kontrolle - aber Giannina hatte mehr Herz. Und leider auch mehr Tore." Statistisch gesehen war es ein Paradox: Athen dominierte das Spiel mit knapp 58 Prozent Ballbesitz, während Giannina 19 Torschüsse abfeuerte - mehr als dreimal so viele wie der Gegner. Es war ein Spiel, in dem sich Taktik und Chaos die Hand gaben. Zum Schluss meinte Stadionsprecher Nikos Petropoulos lakonisch: "Wer heute kein Herzklopfen hatte, war wahrscheinlich der Schiedsrichter." Und das Publikum? Es ging zufrieden nach Hause - mit heiserer Stimme, aber dem Gefühl, ein echtes Spektakel erlebt zu haben. Vielleicht fasste es Luca Wolf am besten zusammen: "Manchmal gewinnt nicht der, der schön spielt, sondern der, der nicht aufhört zu rennen." Und genau das tat Giannina an diesem Abend - bis zum letzten Schlusspfiff. 03.05.643987 08:32 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler