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35808 Zuschauer im Athener Stadion hatten sich auf einen lauen Fußballabend gefreut - sie bekamen einen, der mit leisem Donner begann und in einem zähen, aber durchaus spannenden Ringen endete. AEL Athen unterlag am 32. Spieltag der 1. Liga Griechenland mit 1:2 gegen ein beherzt auftretendes Giannina, das die wenigen entscheidenden Momente einfach besser nutzte. Schon nach elf Minuten herrschte betretenes Schweigen auf den Rängen: Gianninas Linksaußen Gerasimos Choutos, sonst eher als Kunstliebhaber des gepflegten Querpasses bekannt, zog nach Zuspiel von Joris Vandenhoff einfach mal ab - und traf. Ein Schuss, halb Hoffnung, halb Überzeugung, aber voll Erfolg. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, als er reinging", gestand Athen-Trainer Ryan Mystery später mit einem schiefen Lächeln. Doch AEL Athen reagierte, wie man es von einer stolzen Heimelf erwartet: mit Wut, Druck und ein bisschen Chaos. Anthimos Athanasiadis, der rechte Flügelblitzer, versuchte es erst aus 39 Metern, dann aus 41 - und beim dritten Versuch in der 39. Minute machte er es richtig. Nach einem cleveren Pass von Alvertos Charisteas nahm Athanasiadis Maß und jagte das Leder ins Netz. 1:1, und das Stadion vibrierte. "Da war kurz alles möglich", schwärmte Charisteas, "selbst der Linienrichter hat kurz gejubelt - glaube ich zumindest." Die Halbzeitstatistik zeigte: 50,5 Prozent Ballbesitz für Athen, 49,4 für Giannina - also praktisch Gleichstand. Nur bei den Torschüssen lag Giannina mit 15:11 leicht vorn. Und vielleicht war es genau dieser kleine Unterschied, der am Ende zählte. Denn kurz nach Wiederanpfiff, in der 49. Minute, kam Giannina eiskalt zurück. Robert Ramsay, der ausgerechnet in der Kabine noch über das schlechte Flutlicht geschimpft hatte ("Ich seh ja kaum den Ball!"), wurde von Diego Albentosa bedient, nahm den Ball volley - und versenkte ihn. 2:1 für Giannina, diesmal war es der Gästeblock, der tanzte. Athen wirkte danach bemüht, aber fahrig. Trainer Mystery wechselte dreimal in kurzer Folge - Uwe Schubert kam für den müden Basinas, Evangelos Choutos ersetzte Lagonikakis, und der junge Jose Maria Costinha durfte für Athanasiadis ran. Drei Wechsel, die frischen Wind bringen sollten, aber eher wie ein laues Lüftchen wirkten. Giannina-Coach Kai Häntsch, der währenddessen stoisch an seiner Wasserflasche nuckelte, blieb ruhig. "Wir wussten, dass AEL irgendwann alles nach vorne wirft", erklärte er nach dem Spiel trocken. "Da hilft nur eins: beten, dass keiner unserer Innenverteidiger plötzlich Künstler wird." Nun, keiner wurde es - zumindest nicht auf der falschen Seite. In der Schlussphase drängte Athen noch einmal mit allem, was Beine hatte. Charisteas (68.) und Costinha (81.) prüften den stark parierenden Giannina-Keeper Alejandro Ronaldo, der seinem berühmten Nachnamen an diesem Abend alle Ehre machte. Doch das Tor blieb wie vernagelt. Die Gäste verteidigten leidenschaftlich, wenn auch nicht immer regelkonform. Drei Gelbe Karten - für Vandenhoff (33.), Wolf (72.) und den eingewechselten Günter Schlüter (90.) - zeigten, dass man in Giannina notfalls auch die rustikale Schule des italienischen Catenaccio beherrscht. "Fußball ist kein Ballett", knurrte Schlüter nach Abpfiff. "Obwohl wir manchmal tanzen mussten." Als der Schlusspfiff ertönte, sank Athen in sich zusammen: 1:2, und die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem, aber ernüchtertem Applaus. Statistisch hätte es ein Unentschieden sein können, emotional fühlte es sich für AEL wie eine Ohrfeige an. Trainer Mystery versuchte es mit Galgenhumor: "Wir wollten heute Geschichte schreiben - leider die falsche." Sein Kollege Häntsch grinste nur und meinte: "Ich schreibe die Geschichte gern um." So oder so: Giannina entführt drei Punkte aus der Hauptstadt, bleibt ein unangenehmer Gegner für jeden, der glaubt, Ballbesitz sei schon halber Sieg. Und AEL Athen? Muss sich fragen, warum 50 Prozent Ballbesitz zwar schön aussehen, aber keine Punkte bringen. Vielleicht, weil Fußball - wie das Leben - manchmal einfach unfair ehrlich ist. 24.09.643993 21:51 |
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