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Wenn 27 000 Zuschauer an einem kühlen Januarabend in Ioannina ihre Mannschaft anfeuern, dann erwarten sie Leidenschaft, Tempo - und wenigstens einen Sieg. Bekommen haben sie an diesem 17. Spieltag der 1. Liga Griechenlands allerdings ein 1:1, das irgendwo zwischen Drama und gepflegtem Gleichmut pendelte. Giannina und OFE Kreta trennten sich leistungsgerecht, aber nicht ohne Geschichten, die man in der Kabine noch lange erzählen wird. Das Spiel begann, wie es sich für Gastgeber gehört: mit forschen Angriffen, lautem Publikum und zwei frühen Torschüssen - Salvador Dominguez in der 2. Minute und Robert Ramsay gleich danach versuchten ihr Glück. Beide Male rauschte der Ball vorbei, und vielleicht auch ein Stück Zuversicht mit ihm. "Da dachte ich mir schon: Das wird heute wieder so ein Abend", murmelte Trainer Kai Häntsch später halb lachend, halb seufzend. Denn Kreta nutzte seine erste echte Gelegenheit eiskalt. In der 16. Minute kombinierte sich Duarte Caneira elegant über rechts durch, legte quer, und der 22-jährige Jose Couto donnerte den Ball aus spitzem Winkel ins Netz - 0:1. Ein Tor, so klar und schnörkellos, dass selbst die Heimfans kurz klatschten, bevor sie sich wieder an ihr Pfeifkonzert erinnerten. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht das Publikum bespaßen", erklärte Kretas Coach Jeff Johnson später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen englischem Sarkasmus und mediterraner Gelassenheit lag. Tatsächlich hatte Kreta das Geschehen weitgehend im Griff: 56 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, eine stabile Defensive. Giannina wirkte bemüht, aber ideenlos - ein bisschen wie ein Künstler, dem man die Farben weggenommen hat. Kurz vor der Pause wurde es immerhin kämpferisch. Amaury Figo prüfte Kianas Boutin im Kretaner Tor mit einem wuchtigen Schuss (38.), doch der Keeper lenkte den Ball spektakulär über die Latte. "Da war mehr Show als Notwendigkeit drin", flachste Boutin danach. "Aber man will ja auch auf den Fotos gut aussehen." Nach dem Seitenwechsel kam Giannina mit frischer Energie - und endlich mit Zählbarem. In der 51. Minute stand Jose Enrique Rivilla, der bullige Linksaußen, goldrichtig und schob einen Abpraller zum 1:1 über die Linie. Das Stadion explodierte, und Häntsch brüllte etwas, das nach "Na also!" klang - oder nach einem Fluch, schwer zu sagen. "Rivilla war heute unser Anker", meinte der Trainer später. "Er riecht Tore - manchmal sogar, bevor sie passieren." Danach entwickelte sich ein offenes Spiel, das weniger von Präzision als von Leidenschaft lebte. Figo, Rochefort und später der eingewechselte Veteran Reece Hamlin hatten Chancen, doch immer war ein Abwehrbein oder Boutins Handschuh dazwischen. Auf der anderen Seite blieb Kreta gefährlich - besonders Guillermo Yanez, der gleich dreimal (30., 35., 94.) knapp scheiterte. Dramatik gab es in Minute 67, als Kretas Mittelfeldmotor Manuel Da Cru verletzt vom Platz musste. Der junge Ktesias Salpingidis kam für ihn und brachte frischen Wind, während Giannina defensiv umstellte: Der 18-jährige Emmanouil Photopoulos ersetzte den erfahrenen Luca Wolf - eine Entscheidung, die Mut verriet und vermutlich auch Nerven kostete. "Der Junge hat gezittert wie ein Espenblatt", sagte Häntsch später, "aber er hat keinen Fehler gemacht. Ich hätte in dem Alter wahrscheinlich einen Eigentorrekord aufgestellt." In der Schlussphase nahm die Intensität zu. Kreta schaltete auf volles Pressing, Giannina hielt mit einem letzten Aufbäumen dagegen. In der 80. Minute köpfte Hamlin knapp drüber, in der Nachspielzeit verzog Maurice Bergeron für Kreta aus 20 Metern. Als Schiedsrichter Papadakis schließlich abpfiff, sanken beide Teams auf den Rasen - weniger aus Erschöpfung als aus Erleichterung. Statistisch war das Remis kaum zu beanstanden: 8 zu 9 Torschüsse, 44 Prozent Ballbesitz für Giannina, 56 für Kreta - eine Partie auf Augenhöhe, auch wenn die Brille manchmal beschlagen war. "Wir hätten in der ersten Halbzeit nachlegen müssen", haderte Johnson. "Aber dann hätten wir ja nichts Spannendes mehr zu erzählen gehabt." Die 27 000 Zuschauer gingen zufrieden nach Hause, zumindest die mit Humor. Denn wer Giannina kennt, weiß: Hier ist jedes 1:1 ein kleines Drama mit Happy End. Und Trainer Häntsch grinste beim Rausgehen: "Ein Punkt ist besser als ein gebrochener Fuß - und davon hatten wir heute ja schon genug gesehen." Vielleicht fasst das den Abend am besten zusammen: Kein großes Spektakel, aber ein ehrlicher Kampf zweier Mannschaften, die sich nichts schenkten - außer einem Punkt. Und manchmal ist genau das der schönste Beweis, dass Fußball noch immer Herz hat. 23.07.643987 07:32 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund