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Ein lauer Samstagabend in Luque, rund 31.560 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, das übliche Chaos auf den Rängen - alles war angerichtet für den 23. Spieltag der 1. Liga Paraguay. Nur einer hatte offenbar vergessen, dass man die Gastgeber nicht vor eigenem Publikum vorführen sollte: Jose Enrique Galindo. Der 21-jährige Linksaußen von CF Taquari schoss Atletico Luqueno praktisch im Alleingang ab und krönte sich zum Mann des Abends. Es dauerte ganze 60 Sekunden, bis Galindo den ersten Stich setzte. Schon der erste Torschuss des Spiels zappelte im Netz - 1:0 für Taquari, Vorlage von Laurent Billet, der nach dem Spiel mit einem Grinsen sagte: "Ich habe ihm den Ball gegeben, weil er einfach schon so geguckt hat - dieser Blick, du weißt, der Ball will ins Tor." Während die Heimfans noch ihre Sitzkissen suchten, legte Taquari nach. In der 14. Minute machte Andre Maier das 2:0 - natürlich nach Vorarbeit von, richtig geraten, Galindo. Luqueno-Trainer (dessen Name in den Unterlagen leider verschollen blieb, man munkelt, er habe danach lieber untergetaucht) schien sich in dieser Phase mehr für die Qualität des Rasens zu interessieren als für die Abwehrarbeit seiner Mannschaft. "Wir waren irgendwie noch beim Einlaufen", murmelte Verteidiger Ricardo Lomban, der später als einziger Luqueno-Spieler eine Gelbe Karte kassierte - vielleicht, um wenigstens in der Statistik aufzutauchen. In der ersten Halbzeit war Atletico Luqueno schlicht chancenlos. CF Taquari hatte leichtes Übergewicht beim Ballbesitz (52 Prozent) und schoss doppelt so oft aufs Tor (17:9). Besonders auffällig: die linke Seite der Gäste, wo Galindo und Maier den überforderten Lomban wieder und wieder in die Defensive drückten. Zur Pause war das Spiel praktisch entschieden, nur die Stadionverkäufer hatten noch Hoffnung - auf Nachschub an Bier und Empanadas. Nach dem Seitenwechsel schien kurz so etwas wie Gegenwehr aufzukeimen. Xavi Longas prüfte den Taquari-Keeper Alf Abramson zweimal, andere Chancen folgten. Doch in der 55. Minute machte Galindo endgültig den Deckel drauf: sein zweiter Treffer, wieder nach Vorlage von Billet. 3:0 - das war’s. "Ich hab einfach draufgehalten", lachte Galindo hinterher in der Mixed Zone. "Und ehrlich gesagt, ich dachte, der Schiedsrichter pfeift ab, so viel Platz hatte ich gar nicht verdient." CF Taquari-Coach Tim Thaler, sonst eher wortkarg, fand nach dem Spiel überraschend poetische Töne: "Jose Enrique spielt, als hätte er den Wind in den Schuhen. Man kann das nicht trainieren, das ist pure Freude am Fußball." Atletico Luqueno versuchte in der Schlussphase, wenigstens den Ehrentreffer zu erzwingen. Patrik Reimann, bis dahin kaum zu sehen, nutzte in der 96. Minute eine schöne Flanke von Antonio Santos und traf tatsächlich noch zum 1:3. Ein Tor, das die Niederlage zwar nicht milderte, aber zumindest den Statistikern etwas zu notieren gab. "Besser spät als nie", grinste Reimann nach dem Abpfiff, "jetzt weiß ich wenigstens, wie sich das Tornetz von innen anfühlt." Trainer Thaler von Taquari nickte anerkennend: "So ein Treffer in der Nachspielzeit - das zeigt Charakter. Leider auf der falschen Seite." Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 17 Abschlüsse für Taquari, nur neun für die Gastgeber. 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste. Während Luqueno in einem fast schon stoisch "balancierten" System verharrte, zog Taquari spätestens nach der Pause das Spiel breit über die Flügel - und fand immer wieder Räume hinter der Defensive. In der 73. Minute gab’s dann noch das obligatorische "Frust-Gelb" für Lomban nach einem rustikalen Einsteigen. Das Publikum honorierte es immerhin mit einem ironischen Applaus - was bleibt einem auch übrig? Nach dem Spiel verließen die Fans mit gemischten Gefühlen das Estadio Feliciano Cáceres. Die einen schimpften, die anderen lachten - und einige fragten sich, ob Galindo eigentlich schon eine paraguayische Großmutter hat, um bald für die Nationalelf auflaufen zu dürfen. Atletico bleibt damit weiter im Tabellenmittelfeld, während CF Taquari mit diesem souveränen 3:1-Auswärtssieg den Anschluss an die obere Tabellenhälfte wahrt. Oder, wie es ein alter Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Wenn du in der ersten Minute triffst, ist der Rest nur noch Folklore." Und so klang der Abend aus - mit Samba-Rhythmen aus der Gästekurve, enttäuschten Gesichtern bei den Gastgebern und einem jungen Mann namens Jose Enrique Galindo, der den Ball wohl noch lange nicht aus den Händen gibt. 12.10.643987 06:12 |
Sprücheklopfer
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni