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Es gibt Fußballabende, an denen einem Team einfach alles gelingt - und dem anderen gar nichts. Der 25. Spieltag der 1. Liga Schweden brachte genau so einen Abend hervor: Der FC Nauco fegte den völlig überforderten Forward SK mit 4:0 (3:0) vom Platz. 16.000 Zuschauer sahen, wie Kurt Fröhlich seinem Namen alle Ehre machte - und gleich drei Tore erzielte. Schon in der 13. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz. Fröhlich, der Rechtsaußen mit dem Dauerlächeln, verwandelte eine Flanke von Björn Dahlin eiskalt. "Ich hab den Ball einfach getroffen, und dann war er drin", grinste Fröhlich nach dem Spiel, als hätte er gerade einen Apfelbaum gepflanzt statt ein Torfestival eröffnet. Sechs Minuten später folgte der nächste Stich: Martin Pfeiffer nahm eine butterweiche Hereingabe von Innenverteidiger Paul Simard volley - 0:2. Das Publikum auf der Heimtribüne murmelte etwas von Abseits, doch der Linienrichter blieb stoisch. Und kaum hatte Forward SK sich vom Schock erholt, war es wieder Fröhlich, der nach schöner Vorarbeit - erneut von Dahlin - zum 0:3 einschob (23.). Da waren keine 25 Minuten gespielt, und Coach Mr. Hawk von Nauco nickte zufrieden, als würde er gerade einen besonders gelungenen Schachzug bewundern. "Wir wollten über die Flügel kommen, das war der Plan", erklärte Hawk später mit britisch-trockenem Humor. "Und wenn man Flügel hat, sollte man auch fliegen." Seine Mannschaft flog - und zwar tief über den Rasen, während Forward SK meist den Kopf einzog. Dabei war der Ballbesitz sogar ausgeglichen: 50,2 Prozent für Forward SK, 49,8 für Nauco. Das sah auf dem Papier ordentlich aus, aber in Wahrheit war es ein Musterbeispiel dafür, dass Statistik nicht alles erklärt. Nauco schoss 22 Mal aufs Tor, Forward SK brachte es auf fünf halbherzige Versuche, von denen drei eher an Rückpässe erinnerten. Zur Halbzeit ging ein leises Pfeifkonzert durch das Stadion. Trainer von Forward SK - dessen Name in den offiziellen Unterlagen unauffällig fehlte, vielleicht wollte er lieber anonym bleiben - schien sichtlich ratlos. "Wir wollten offensiv spielen", murmelte er nach dem Spiel, "aber irgendwie war der Schalter auf ’Selbstzerstörung’ gestellt." In der zweiten Halbzeit schaltete Nauco einen Gang zurück, ohne die Kontrolle zu verlieren. Pfeiffer musste nach einer Verletzung in der 32. Minute raus - ein unglücklicher Zusammenprall im Strafraum, den sogar die gegnerischen Fans bedauerten. Für ihn kam der junge Mattias Nilsson, der sich sofort mit einem Distanzschuss einführte. Forward SK mühte sich redlich, brachte in der Schlussphase durch Vilhelm Bruhn und Sigmund Bendtsen noch zwei gefährliche Abschlüsse zustande, doch Torhüter Baltsar Dahlin - später durch den 19-jährigen Tiburtius Johansson ersetzt - blieb unbezwungen. Johansson feierte so ein Debüt ohne Gegentor, auch wenn er in den letzten Minuten wohl mehr frierend als schwitzend auf der Linie stand. In der Nachspielzeit setzte Fröhlich dann den Schlusspunkt: In der 94. Minute dribbelte er sich durch zwei Verteidiger, schaute kurz auf, grinste - und versenkte den Ball lässig ins rechte Eck. 0:4. Standing Ovations von den Gästefans, resigniertes Klatschen von den Heimzuschauern. "Ich wusste gar nicht, dass wir so gut sind", witzelte Fröhlich später in der Mixed Zone. "Vielleicht sollten wir öfter bei Auswärtsspielen bleiben." Sein Trainer Hawk ergänzte mit einem trockenen Lächeln: "Wenn Kurt glücklich ist, sind wir alle glücklich. Außer vielleicht die Gegner." Forward SK hingegen blickt auf einen Abend des Vergessens zurück. Fünf Torschüsse, kaum Durchschlagskraft, eine Zweikampfquote von 43 Prozent - das war zu wenig gegen ein Nauco, das mit spielerischer Leichtigkeit und kalter Präzision agierte. Der Stadionsprecher verabschiedete die Fans mit den Worten: "Das war’s für heute - bitte fahren Sie vorsichtig nach Hause." Manch einer mag sich gedacht haben: Schön wär’s, wenn Forward SK auch so sicher den Heimweg gefunden hätte. Am Ende blieb nur der Eindruck eines Gastes, der kam, sah und siegte - dreifach Fröhlich, einmal Pfeiffer, und ein Mr. Hawk, der den Abend wohl mit einem Glas Rotwein und einem zufriedenen Nicken ausklingen ließ. Kurzes Fazit: Forward SK spielte, als wäre der Ball ein heißes Eisen. FC Nauco dagegen zeigte, wie man mit kühlem Kopf und Flügelspiel eine ganze Mannschaft zerlegt. Ein Abend, der in Nauco als Lehrbuchbeispiel enden könnte - und in Forward als Albtraum. 05.07.643993 13:14 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund