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Es war ein kühler Januarabend im Dreisamstadion, aber auf dem Rasen ging es heiß her: Vor 25.624 Zuschauern verlor der FC Freiburg am 4. Spieltag der 2. Liga Deutschland mit 1:2 gegen Magdeburg. Ein Spiel, das taktisch eher bodenständig, emotional aber durchaus gehaltvoll war - zumal die Gäste aus Sachsen-Anhalt mit jugendlicher Unbekümmertheit dem erfahrenen Freiburger Ensemble den Schneid abkauften. Dabei hatte alles so vielversprechend für die Hausherren begonnen. Schon in der 15. Minute ließ Finn Heise den Fans kurzzeitig vergessen, dass der Glühwein mittlerweile lauwarm war. Nach einem präzisen Steilpass von Vitorino Derlei stand der Mittelstürmer goldrichtig, schob den Ball eiskalt an Magdeburgs Keeper Knut Lemke vorbei und riss die Arme in den Himmel. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Platz nicht wieder einen Haken schlägt", grinste Heise später in die Mikrofone. Magdeburg schien kurz geschockt, sortierte sich aber schnell. Trainer Daniel Stoll, der an der Seitenlinie so ruhig blieb, als verfolge er ein Schachspiel, wusste offenbar, was er tat. In der 36. Minute wurde seine Geduld belohnt: Stephan Meyer, eigentlich Innenverteidiger, stapfte nach einer Ecke nach vorne und köpfte den Ball wuchtig zum 1:1 ins Netz - nach Flanke von Linksverteidiger Richard Wahl. "Ich wollte eigentlich nur blocken", gab Meyer nachher lachend zu, "aber wenn man schon da ist, kann man ja auch mal treffen." Die Partie entwickelte sich danach zu einem offenen Schlagabtausch. 12 Torschüsse Freiburgs standen 15 von Magdeburg gegenüber - Zahlen, die zeigen, dass beide Seiten den Weg nach vorn suchten, auch wenn die Präzision manchmal an die eines Silvesterböllers erinnerte. Freiburg hatte etwas weniger Ballbesitz (45 Prozent), machte aber mehr Druck über die Flügel, während Magdeburgs Mittelfeld clever die Räume zumachte. Freiburgs Trainer Eric Walter, selbst noch mit leichtem Sonnenbrand aus dem Wintertrainingslager, raufte sich in der zweiten Halbzeit mehrfach die Haare. "Wir haben gut begonnen, aber dann den Rhythmus verloren. Manchmal sah es aus, als hätten wir uns selbst in den Fuß getreten", sagte er später mit einem bitteren Lächeln. Tatsächlich wirkte sein Team nach der Pause bemüht, aber ideenlos. Und dann kam die 77. Minute - der Moment, der Freiburg endgültig auf die Verliererstraße brachte. Magdeburgs Youngster Jan Vencel, gerade einmal 19 Jahre jung, nutzte eine Unachtsamkeit in der Freiburger Hintermannschaft. Nach feinem Zuspiel von Niklas Breuer tauchte er frei vor Schlussmann Sascha Weis auf und versenkte den Ball mit einer Coolness, die man sonst nur bei Routiniers sieht. 2:1 für Magdeburg - und plötzlich war es im Gästeblock lauter als auf der gesamten Südtribüne. "Ich hab gar nicht so viel nachgedacht, einfach geschossen", meinte Vencel bescheiden. Sein Trainer Stoll kommentierte trocken: "Wenn der Junge so weitermacht, muss ich bald Eintritt zahlen, um ihn spielen zu sehen." Freiburg rannte in der Schlussphase zwar noch an - Heise prüfte Lemke in der 81. Minute mit einem satten Schuss, Patrik Pan verzog knapp zwei Minuten später - doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Die letzten Minuten waren dann eher eine Mischung aus Nervosität und Verzweiflung. Nachwuchsverteidiger Kurt Brandt sah in der 83. Minute Gelb, nachdem er Vencel etwas zu deutlich zeigte, dass im Profifußball Körperkontakt erlaubt ist. "Das war kein Foul, das war Erziehung", scherzte Brandt später - wobei Schiedsrichter und Gegenspieler das wohl anders sahen. Als der Schlusspfiff ertönte, reckten die Magdeburger Spieler die Fäuste gen Himmel. Ein Sieg, der nicht unverdient war. Sie hatten mehr Ballbesitz, leicht bessere Zweikampfwerte und am Ende das Quäntchen Mut, das Freiburg fehlte. Walter stapfte enttäuscht in die Kabine, während Stoll mit einem zufriedenen Nicken den Medienraum betrat. "Wir sind auf einem guten Weg", sagte der Magdeburger Coach. "Aber ich sag’s den Jungs: Wer jetzt abhebt, darf nächste Woche Tribüne sitzen." Freiburgs Trainer Walter hatte derweil eine andere Sorge: "Wir müssen wieder lernen, den Ball zu wollen - und nicht nur zu haben." So verließ man das Stadion mit dem Gefühl, ein ehrliches, intensives Zweitligaspiel gesehen zu haben - mit allem, was dazugehört: Torjubel, Frust, Gelb und ein paar ungewollt komischen Szenen. Und wer weiß - vielleicht war das 1:2 der Weckruf, den Freiburg brauchte. Für Magdeburg dagegen war es der Beweis, dass Jugend manchmal eben doch über Erfahrung siegt. Das Fazit des Abends? Fußball ist ein einfaches Spiel: 90 Minuten, zwei Tore, und am Ende gewinnt - manchmal - der, der weniger Fehler macht. 22.02.643987 20:03 |
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
Mario Basler