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Frederic Prentiss schießt Real Caracas zum Arbeitssieg in Zulia

Es war ein lauer Freitagabend in Maracaibo, 26.468 Zuschauer drängten sich ins Estadio José Encarnación "Pachencho" Romero, um zu sehen, ob Deportivo Zulia endlich wieder einmal die großen Jungs aus der Hauptstadt ärgern könnte. Nach 90 Minuten wussten sie: Sie konnten - aber nur ein bisschen. Real Caracas gewann mit 1:0, ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber ein Spiel beschreibt, das alles andere als langweilig war.

Von Beginn an versuchte Zulia, die Gäste mit beherztem Pressing zu überraschen. Filipe Deco feuerte schon in der vierten und fünften Minute zwei Schüsse auf das Tor von Helmut Ackermann ab, die allerdings eher den Balljungen als dem Tornetz gefährlich wurden. "Ich wollte den Keeper warmhalten", grinste Deco nach dem Spiel und zuckte mit den Schultern.

Caracas dagegen spielte, als hätten sie eine Kanne Espresso zu viel erwischt - 21 Torschüsse in 90 Minuten, das sagt alles. Besonders der unermüdliche Francisco Gallardo sorgte über die linke Seite für Wirbel, flankte, schoss, rannte - und verfluchte wohl innerlich den Pfosten, der ihm in der 47. Minute den verdienten Treffer verweigerte.

Es dauerte bis zur 68. Minute, ehe ausgerechnet ein Verteidiger die Entscheidung brachte. Frederic Prentiss, sonst auf der rechten Abwehrseite zuhause, nahm sich aus gut 20 Metern ein Herz, nachdem Innenverteidiger Tomas Fritz den Ball rustikal nach vorne geschlagen hatte. "Ich wollte eigentlich nur flanken", gestand Prentiss später mit einem Grinsen, "aber manchmal muss man dem Ball einfach sagen, wo’s langgeht." Der Ball verstand - und segelte unhaltbar für Zulias Keeper Fabio Fernan ins rechte Eck.

Danach wurde das Spiel ruppiger. Matias Hermenegildo, der Abwehrchef der Hausherren, sah zunächst in der 19. Minute Gelb und in der 80. dann Gelb-Rot, nachdem er Gallardo etwas zu deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass man in seiner Zone nicht einfach spazieren geht. "Ich hab den Ball gespielt", verteidigte sich Hermenegildo energisch - allerdings war der Ball zu diesem Zeitpunkt schon längst im Seitenaus.

Trainer Eiko Henke von Real Caracas stand derweil erstaunlich ruhig an der Seitenlinie. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte er später. "Zulia hatte mehr Ballbesitz, aber wir hatten die klareren Chancen. Am Ende zählt, dass wir das Ding nach Hause bringen." Tatsächlich: 52,6 Prozent Ballbesitz für Zulia, aber 21:5 Torschüsse für Caracas - die Statistik spricht eine deutliche Sprache.

In der Schlussphase spielten die Gäste das Ergebnis clever herunter. Der eingewechselte Tiago Bauza brachte mit jugendlichem Elan noch einmal Frische auf die rechte Seite, während Prentiss hinten dichtmachte. Auf der Tribüne diskutierten die Fans schon über den Torschützen - "Der Prentiss, ist der nicht Verteidiger?" fragte ein älterer Herr seinem Sitznachbarn. Der zuckte nur und antwortete trocken: "Heute nicht."

Zulias Trainer - dessen Name die Vereinsleitung wohlweislich nicht preisgab - soll nach dem Spiel in der Kabine deutlich geworden sein. "Wir hatten das Spiel im Griff und verlieren durch einen Sonntagsschuss", schimpfte er gegenüber Journalisten, bevor er sich eine Cola aufriss. "Aber wenigstens haben wir mehr Ballbesitz. Vielleicht gibt’s dafür ja demnächst Punkte."

Während die Heimelf nach der Gelb-Roten Karte defensiv völlig auseinanderfiel, drehte Caracas in den letzten Minuten noch einmal auf. Der junge Agemar Manuel probierte es gleich dreimal aus allen Lagen (58., 60., 74.), aber Fernan im Tor zeigte, dass er trotz der Niederlage zu den Besten des Abends gehörte.

Am Ende jubelten die Gäste, während Zulia mit hängenden Köpfen vom Platz schlich. Frederic Prentiss wurde zum unerwarteten Helden - ein Rechtsverteidiger, der das Toreschießen neu erfand. "Vielleicht stell ich ihn nächste Woche in den Sturm", witzelte Trainer Henke, "aber nur, wenn er mir verspricht, wieder so zu treffen."

So bleibt Real Caracas mit diesem Arbeitssieg weiter oben dran, während Deportivo Zulia sich fragen muss, wie man mit mehr Ballbesitz, mehr Pässen - und weniger Toren trotzdem leer ausgeht.

Ein Zuschauer auf der Pressetribüne brachte es zum Schluss auf den Punkt: "Zulia hatte den Ball, Caracas das Tor - und das ist im Fußball immer noch das Wichtigste."

Und so endete ein Spiel, das keinen Schönheitspreis gewann, aber zeigte, dass auch ein 1:0 eine Menge Geschichten erzählen kann - vor allem, wenn der Held aus der Abwehr kommt.

30.09.643987 18:13
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Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni
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