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Ein lauer Frühlingsabend, Flutlicht, 17.313 Zuschauer im Stadion an der Oder - und ein Spiel, das eigentlich schon entschieden schien. Am Ende aber trennten sich Einheit Frankfurt und der TSV Rosenheim 1:1, und die Gastgeber fragten sich, wie sie dieses Spiel nicht gewinnen konnten. 20 Torschüsse, fast 49 Prozent Ballbesitz, eine halbe Stunde Dauerbelagerung - und doch nur ein Punkt. Trainer Oliver Steinke stand nach dem Schlusspfiff minutenlang mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, der Blick irgendwo zwischen Ratlosigkeit und stiller Wut. "Wenn du so viele Chancen hast und dann so einen Konter kassierst - da musst du dich schon fragen, ob der Fußball nicht manchmal ein ziemlich zynischer Kerl ist", knurrte er später in die Mikrofone. Dabei begann alles nach Plan. Schon in der ersten Minute prüfte Rosenheims Stürmer Pattrick Runge Frankfurts Keeper Fernando Mendez, aber das war’s dann auch erstmal von den Gästen. Danach spielte nur noch Einheit. Volker Brenner feuerte in der 7., 10. und 27. Minute aufs Tor, als wolle er persönlich die Rosenheimer Defensive mürbe schießen. Der 17-jährige Robin Stoll, Frankfurts Sturmhoffnung, rackerte, rannte, rief - und scheiterte zunächst dreimal knapp. "Ich dachte, irgendwann muss der Ball doch mal reingehen", grinste Stoll später, immer noch leicht ungläubig. In der 47. Minute war es dann soweit: ein Abpraller, ein kurzer Antritt, ein trockener Schuss ins rechte Eck - 1:0 für Frankfurt. Das Stadion tobte, und der Teenager verschwand in einem Knäuel aus jubelnden Mitspielern. "Da dachte ich, jetzt läuft’s", meinte Steinke. Tat es aber nicht. Frankfurt blieb zwar am Drücker, kombinierte gefällig, aber der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Tom Lee prüfte den Rosenheimer Torwart Maniche in der 59. Minute, Bram Sleeper setzte einen Freistoß an den Pfosten. Und wie es im Fußball eben so ist, kam es, wie es kommen musste. In der 73. Minute konterte Rosenheim nach einem Frankfurter Ballverlust im Mittelfeld. Carsten Rauch schickt Pattrick Runge steil, der bleibt cool und schiebt den Ball flach ins lange Eck - 1:1. Ein Stich ins Herz der Frankfurter Fans, die eben noch "Aufstiegsträume" sangen und nun kollektiv die Köpfe in die Hände legten. "Das war unser einziger richtiger Angriff in der zweiten Halbzeit", gestand Rosenheims Trainer mit einem Schmunzeln. "Aber wenn du so einen Runge vorne hast, brauchst du halt manchmal nicht mehr." Tatsächlich war Runge, 26 Jahre alt und mit der Ruhe eines Sonntagsausflüglers ausgestattet, der einzige Rosenheimer, der regelmäßig gefährlich wirkte. Frankfurt drängte in der Schlussphase noch einmal mit allem, was sie hatten. Innenverteidiger Caio Deco (!) zog aus 20 Metern ab, Brenner hämmerte in der 88. Minute drüber, und in der Nachspielzeit zirkelte Sleeper den Ball haarscharf am Pfosten vorbei. "Ich hab schon gejubelt", sagte Torwart Mendez später trocken, "bis ich gemerkt hab, dass er nicht drin war." Rosenheim verteidigte das Remis mit Zähnen, Klauen und gelegentlichen Zeitspiel-Einlagen. In der 94. Minute sah Rechtsverteidiger Tim Bender Gelb, als er den Ball einfach mal in Richtung Bierstand drosch - sehr zur Freude der Gästefans, die das als "clevere Spielverzögerung" bezeichneten. Am Ende stand ein 1:1, das Frankfurt wie eine Niederlage schmeckte und Rosenheim wie ein Sieg feierte. Steinke fasste es mit einem bitteren Lächeln zusammen: "Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen - außer vielleicht, dass sie vergessen haben, das Ding zuzumachen." Auf der Tribüne kommentierte ein älterer Fan kopfschüttelnd: "Früher hätten wir so was 3:0 gewonnen. Heute fehlt uns der Killerinstinkt. Aber wenigstens sind die Jungs sympathisch." So verabschiedete sich Einheit Frankfurt mit einem Punkt aus einem Spiel, das sie hätten dominieren, kontrollieren und entscheiden müssen. Der Teenager Stoll war trotz allem der Held des Abends - zumindest bis Runge auftauchte. Und während die Rosenheimer Spieler grinsend in den Bus stiegen, blieb in Frankfurt das Gefühl, dass der Fußball wieder einmal seine eigene, leicht sadistische Logik ausgespielt hatte. Oder, wie Mendez es beim Hinausgehen murmelte: "Manchmal ist ein 1:1 schlimmer als eine Niederlage - weil du weißt, dass du besser warst." Und so ging ein Spiel zu Ende, das eigentlich kein Unentschieden verdient hatte - aber genau deshalb typisch Fußball war. 20.01.643994 00:01 |
Sprücheklopfer
Heute habe ich sicher so viel Unterstützung wie Leonid Breschnew früher bei den Sowjet-Wahlen!
Jan-Aage Fjörtoft nachdem er das Siegtor gegen Bayern München geschossen hatte