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Ein tropischer Samstagabend in Kingston, 52.260 Zuschauer, feuchte Luft, laute Trommeln - und ein Spiel, das erst in der Schlussphase richtig Feuer fing. Barbican FC wollte zu Hause ein Zeichen setzen, doch Fire-House FC kam, sah und siegte: 3:1 hieß es am Ende, und das Ergebnis spiegelt eine Mischung aus Abgezocktheit, Geduld und ein bisschen Pyrotechnik im Sturm wider. Die Gastgeber von Trainer Peter Heinze begannen kontrolliert, fast schon vorsichtig. 55 Prozent Ballbesitz, viele Kurzpässe, wenig Risiko - eine Art tropischer Ballbesitzfußball mit Reggae-Rhythmus. Fire-House dagegen: aggressiv, offensiv und immer wieder gefährlich über die Flügel. Schon nach zwei Minuten prüfte Oscar Zahinos den Barbican-Keeper Christophe Martineau mit einem Schuss, der eher eine freundliche Begrüßung als eine echte Drohung war. Doch man spürte: Die Gäste wollten früh die Kontrolle übernehmen. In der 36. Minute war es dann soweit. Alexander La Barre schickte mit einem präzisen Pass durch die Schnittstelle Marcel Girard, der sich nicht zweimal bitten ließ. Eiskalt schob der Franzose den Ball ins lange Eck - 0:1. Während Fire-House jubelte, winkte Heinze nur ab. "Wir wussten, dass sie über Girard kommen würden. Nur leider wussten es meine Innenverteidiger offenbar nicht", knurrte er später süffisant. Barbican zeigte jedoch Charakter. Nur sieben Minuten nach dem Gegentreffer spielte Andrew Forsythe einen Pass, der so präzise war, dass man ihn am liebsten einrahmen würde. Harry Bethune nahm den Ball, drehte sich elegant - und schloss trocken ab. 1:1. Das Stadion bebte, Kinder kletterten auf die Zäune, und ein Verkäufer verlor vor Freude fast sein Tablett mit Patties. "Ich hab’ einfach gespürt, dass der Moment kommt", sagte Bethune nach dem Spiel. "Und wenn du spürst, dass er kommt, musst du ihn nehmen - sonst nimmt ihn der Gegner." Poetisch, fast philosophisch. Man merkte: Barbican war wieder im Spiel. Nach der Pause wurde es zäher. Heinzes Mannschaft hielt den Ball, aber Fire-House lauerte. Ihre Statistik verriet, dass sie lieber taten, als redeten: 12 Torschüsse gegenüber nur 5 von Barbican. Besonders Zahinos und Wouter Brill beschäftigten die Abwehr permanent. Dottore Caballero, der charismatische Coach der Gäste, trommelte währenddessen ununterbrochen an der Seitenlinie. "Ich bin kein Trainer, ich bin Dirigent", sagte er lachend nach dem Spiel. "Und heute hat mein Orchester endlich die richtigen Töne getroffen." In der 74. Minute fiel die Entscheidung. Ausgerechnet Ignacio Alcazar, der schon in der siebten Minute Gelb gesehen hatte, drosch den Ball nach einer Hereingabe von Louis Nagel in die Maschen. Ein Linksverteidiger-Tor aus 20 Metern, mit dem linken Fuß, halb Volley - nicht schön, aber effektiv. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Alcazar später zu. "Aber wenn’s so reingeht, sage ich das natürlich nicht meinem Trainer." Barbican versuchte es noch einmal, Jean-Pierre Bosworth prüfte Keeper Sergio Fortun mit einem Schlenzer (84.), aber Fire-House blieb cool. In der Nachspielzeit, als die Heimmannschaft alles nach vorne warf, konterte Fire-House eiskalt. Vidar Norgaard startete über links, legte quer, und Oscar Zahinos machte den Deckel drauf - 1:3 in der 93. Minute. "Wir wollten die drei Punkte, und wir haben sie geholt. Manchmal ist Fußball einfach", meinte Zahinos nach dem Abpfiff, während Coach Caballero ihm liebevoll auf die Schulter klopfte. Statistisch gesehen hätte Barbican mehr verdient: mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Kontrolle. Nur leider zählen im Fußball keine Passquoten, sondern Tore. Fire-House hatte davon drei, Barbican nur eins - und so einfach ist manchmal die Welt. Als die Spieler vom Platz gingen, grinste Caballero breit. "Ich sage meinen Jungs immer: Wer Feuer spielt, muss wissen, wie man sich nicht verbrennt." Heinze dagegen stand noch eine Weile auf der Linie, die Hände in den Taschen. Vielleicht überlegte er, ob Ballbesitz wirklich alles ist. Oder er wartete einfach, bis der Regen aufhörte. Ein Spiel mit Energie, Emotion - und einer Lehre: Wer Fire-House unterschätzt, bekommt verbrannte Finger. 10.06.643990 13:17 |
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