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Es war ein Abend, an dem der Funke früh übersprang - leider nicht für die Heimmannschaft. Vor 60.999 Zuschauern im ausverkauften Greenstars-Stadion legte Fire-House FC los wie ein brennendes Streichholz und gewann das Duell des 16. Spieltags der 1. Liga Jamaica mit 3:1. Die "Feuerwehrmänner" aus der Ferne löschten alle Hoffnungen der Greenstars GSC auf Punkte im eigenen Haus - und das mit einer Mischung aus Effizienz, Leidenschaft und, nun ja, einem Hauch Pyromanie. Schon in der 7. Minute war das Feuer entfacht: Duarte Gama, der quirlige Mittelfeldmotor der Gäste, zog nach einem feinen Zuspiel von Gunnar Carlsen ab - trocken, präzise, unhaltbar. "Ich habe einfach draufgehalten. Wenn du zu lange nachdenkst, ist der Moment weg", grinste Gama später, als hätte er gerade ein Kunstwerk aus dem Fuß geschüttelt. Greenstars-Keeper Laurent Boulanger streckte sich vergeblich - und die Fans der Gäste zündeten metaphorisch die erste Rakete. Doch die Greenstars antworteten, wie man es von einem Team mit "Stern" im Namen erwartet: leuchtend. In der 34. Minute flankte Routinier Pedro Puerta butterweich in den Strafraum, wo Rechtsverteidiger Henri Monroe (!) auftauchte und das Leder per Direktabnahme in die Maschen drosch. 1:1 - der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich wusste gar nicht, dass Henri überhaupt so weit nach vorne laufen darf", witzelte Trainer Ostkurve Berlin später in der Pressekonferenz. Kaum hatten die Greenstars den Ausgleich bejubelt, schlug Fire-House wieder zu. Nur vier Minuten später, in der 38. Minute, war es der wendige Wouter Brill, der nach einem langen Ball von Innenverteidiger Louis Nagel durchstartete und eiskalt vollendete. Brill, der nach dem Treffer die Eckfahne umarmte, sagte danach schmunzelnd: "Ich wollte eigentlich zu meiner Mutter winken, aber die Eckfahne war näher." Mit 1:2 aus Sicht der Gastgeber ging es in die Pause - und trotz 56 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüssen und der besseren Zweikampfquote (52,5 Prozent) wollte das Runde einfach nicht mehr ins Eckige. Greenstars spielte gefällig, ja, fast elegant, aber Fire-House FC spielte zielstrebig, bissig - und manchmal auch ein bisschen zu hart. Der rustikale Ignacio Alcazar holte sich zwei Gelbe Karten (70. und 77. Minute) und durfte vorzeitig duschen. "Er hat wohl gedacht, Gelb steht ihm so gut, dass er’s zweimal tragen wollte", kommentierte ein Fan trocken auf der Tribüne. Bis dahin hatten die Gäste das Spiel allerdings längst entschieden. In der 69. Minute machte Rafael Da Cru den Deckel drauf. Nach einem Ballgewinn von Louis Nagel zog der bullige Rechtsaußen von der Strafraumkante ab - 3:1. "Ich hab gesehen, dass der Torwart ein bisschen zu weit links stand", erklärte Da Cru, "und dann dachte ich mir: warum nicht?" Warum nicht, in der Tat - sein Schuss zischte ins rechte Eck, und die Greenstars sahen nur noch Rauch. Trainer Dottore Caballero, im weißen Anzug und mit der Ruhe eines Mannes, der gerade eine Zigarre genießt, fasste das Spiel nüchtern zusammen: "Wir wollten brennen, aber nicht verbrennen. Heute war das Feuer kontrolliert." Sein Gegenüber Ostkurve Berlin wirkte dagegen angezündet: "Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen. Aber wenn du vorne die Dinger nicht machst, dann… na ja, dann macht sie halt der Gegner." Die letzten Minuten waren geprägt von Emotionen, kleinen Rangeleien und einer Schrecksekunde, als Fire-House-Mittelfeldmann Guillermo Diez in der 89. Minute verletzt ausgewechselt werden musste. "Er hat sich wohl mehr wehgetan beim Jubeln als beim Spielen", mutmaßte ein Mitspieler augenzwinkernd. Diez wurde durch Kobe Van Gheem ersetzt, der immerhin noch zwei Pässe spielte und einmal freundlich in die Kamera winkte. Am Ende blieb den Greenstars nur der Trost, das schönere Spiel gemacht zu haben. Ballbesitz, Pässe, Laufleistung - alles sprach für sie. Nur das eine, entscheidende Kriterium nicht: Tore. Vielleicht fasste es der Stadionsprecher am besten zusammen, als er nach dem Schlusspfiff bemerkte: "Greenstars hatte die Sterne, Fire-House das Feuer - und Feuer schlägt Sterne." Ein augenzwinkerndes Schlusswort zum Abend? Vielleicht dieses: Wenn Greenstars GSC beim nächsten Spiel die gleiche Energie in Präzision statt in Poesie steckt, könnten sie bald wieder leuchten. Bis dahin dürfen die Fire-House-Spieler weiter lodern - aber bitte mit Feuerlöscher in der Nähe. 11.07.643987 15:54 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
Oliver Kahn zum Wangenbiss gegen Heiko Herrlich