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Es war einer dieser Abende in Florianópolis, an denen die Luft nach Meer, Spannung und leicht angebranntem Popcorn roch. 36.000 Zuschauer drängten sich im Estádio Orlando Scarpelli, um den FC Figueira gegen Capibaribe Recife zu sehen - ein Duell, das schon vor Anpfiff nach Drama schmeckte. Am Ende stand ein 1:1 auf der Anzeigetafel, aber das Ergebnis sagt wenig über die 90 Minuten, die dazwischen lagen. Beide Mannschaften starteten mit klaren taktischen Ansagen: Figueira-Trainer Felix Treffer ließ defensiv und kontrolliert spielen, während Opa Jokel - ja, so nennt er sich wirklich - sein Recife-Team mit offensiver Grundhaltung losschickte. "Wir wollten sie von Anfang an vorne festnageln", erklärte Jokel später mit einem Grinsen, das so breit war wie seine Viererkette hoch stand. Die ersten Minuten gehörten dann auch den Gästen. Bereits nach zwei Minuten prüfte Ivan Delgado den Figueira-Keeper Olivier Fouquet, der den Ball mit einer artistischen Flugeinlage parierte und danach seine Handschuhe küsste - vielleicht aus Dankbarkeit, dass sie ihren Job erledigt hatten. Kurz darauf folgte ein Fernschuss von Teixeira, der laut einem Fan "mehr Richtung Strand als Richtung Tor" ging - aber immerhin, der Wille war da. Figueira kam erst nach einer Viertelstunde besser ins Spiel. Jan Nilsson, der rechte Wirbelwind im Angriff, sorgte mehrfach für Unruhe, während Bruno Carvalho und Vicente Sousa im Mittelfeld zunehmend Kontrolle gewannen. Sousa war es auch, der in der 68. Minute mit einem traumhaften Pass die Abwehr Recifes spaltete - Filip Bruhn nahm den Ball mit der Sohle, verzögerte kurz und schob eiskalt zum 1:0 ein. Ein Tor aus dem Nichts, aber vielleicht gerade deshalb so schön. "Ich hab’ einfach gespürt, dass der Moment da ist", sagte Bruhn danach lächelnd. "Und wenn Vicente dir so einen Ball serviert, musst du einfach Danke sagen - am besten mit einem Tor." Doch die Freude der Heimfans hielt kaum vier Minuten. In der 72. Minute zeigte Capibaribe, warum sie in dieser Saison so schwer zu knacken sind. Delgado legte elegant auf Yannik Boyer ab, und der drosch den Ball aus spitzem Winkel ins Netz - 1:1. Fouquet streckte sich vergeblich, und Trainer Treffer raufte sich die Haare. "Ich wollte eigentlich wechseln, aber dann dachte ich: Vielleicht schießt er drüber", gestand der Coach später mit einem ironischen Schulterzucken. "Tja, hat er nicht." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Recife drückte, Figueira konterte - und das Publikum schwankte zwischen Nervenzusammenbruch und Begeisterung. In der 79. Minute gab es einen Schreckmoment: Linksverteidiger Nevio Travassos blieb nach einem Zweikampf liegen und musste verletzt raus. Felix Treffer brachte den jungen Franck Gady, der prompt mit einem beherzten Sprint die Fans aufmunterte. Kurz darauf sah Dimitar Todorow Gelb, nachdem er den Ball zwar traf, aber eben auch alles andere in Reichweite. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", grinste der Bulgare nach dem Spiel. Die letzten Minuten gehörten klar den Gästen. Boyer und Teixeira feuerten noch zwei gefährliche Schüsse ab, doch Fouquet hielt, was zu halten war. In der Nachspielzeit prüfte sogar Innenverteidiger Forsythe mit einem Kopfball die Nerven aller Anwesenden - zum Glück für Figueira blieb der Ball auf der Linie liegen. Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Duell: Recife mit leicht mehr Ballbesitz (53 Prozent) und 13 Torschüssen, Figueira mit 11 Abschlüssen, aber der besseren Effizienz. "Ein gerechtes Unentschieden", sagten alle - und meinten vermutlich: Jeder fühlt sich ein bisschen betrogen. Trainer Jokel fasste es am treffendsten zusammen: "Ich bin zufrieden, aber nicht glücklich. Und das ist im Fußball meistens ein gutes Zeichen." Figueira-Kapitän Vicente Sousa sah es pragmatischer: "Wir sind schwer zu schlagen - manchmal vielleicht auch für uns selbst." Als die Flutlichter erloschen und die Fans in die laue Nacht strömten, blieb das Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, das alles hatte: Tempo, Emotionen, ein bisschen Chaos und ein Ergebnis, das niemandem weh tat - aber auch niemanden wirklich glücklich machte. Vielleicht war dieses 1:1 gar kein gerechtes Resultat, sondern einfach Fußball in seiner reinsten Form: unberechenbar, dramatisch und menschlich. Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "War doch klar - wenn einer trifft, muss der andere auch." Und irgendwie hatte er recht. 06.06.643987 22:29 |
Sprücheklopfer
Ja gut, ich sag mal so: Woran hat's gelegen? Das ist natürlich die Frage und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer!
Olaf Thon auf die Frage nach dem Grund einer Niederlage