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Kingston - 72.585 Zuschauer im National Stadium bekamen am 23. Spieltag der 1. Liga Jamaica ein Fußballfest serviert, das seinem Namen alle Ehre machte: Fire-House FC legte gegen die Kingston Blues ein Feuerwerk hin - zumindest in der ersten Halbzeit. Am Ende stand ein 4:2 (3:0) auf der Anzeigetafel, das gleichermaßen für Begeisterung, Stirnrunzeln und ein paar Schweißperlen bei den Trainern sorgte. "Ich habe meinen Jungs gesagt: Wenn ihr schon Fire-House heißt, dann brennt bitte auch!", grinste Dottore Caballero nach dem Spiel, der charismatische Coach der Heimelf, mit einem Espresso in der Hand und dem Stolz eines Mannes, dessen Plan perfekt aufging - zumindest 45 Minuten lang. Von Beginn an presste Fire-House FC hoch, aggressiv und mit dem Mut derer, die glauben, das Runde gehöre ihnen. Schon in der 23. Minute brach Tiago Santos den Bann - nach mehreren verpassten Chancen drosch der linke Flügelstürmer den Ball in bester Samba-Manier in die Maschen. Der Jubel war kaum verklungen, da kam Benjamin Armstrong ins Rollen. Der bullige Mittelstürmer, den sie in Kingston nur "The Tank" nennen, traf in der 42. und 45. Minute doppelt - beide Male nach präziser Vorarbeit von Lucas Satchmore, der im Mittelfeld das Spiel diktierte, als hätte er einen Dirigentenstab in der Hand. "Zweimal der gleiche Pass, zweimal der gleiche Laufweg - das war fast unheimlich", staunte ein Zuschauer in der dritten Reihe. Armstrong selbst nahm es mit Humor: "Ich dachte, Lucas hat Déjà-vu. Aber wenn’s zweimal klappt, beschwer ich mich nicht." 3:0 zur Pause - die Blues schauten konsterniert drein. Trainer Kevin Tüllinghoff wirkte in der Kabine angeblich so ruhig, dass man die Fliege auf seiner Wasserflasche hätte husten hören können. Doch seine Halbzeitansprache muss gesessen haben: Mit Beginn der zweiten Hälfte schickte er gleich drei frische Kräfte aufs Feld - Dubois, Bengtsson und Beaupre - und stellte auf Offensive um. Plötzlich wirkte Kingston wie verwandelt. Robert Bonald verkürzte in der 58. Minute nach Vorarbeit von Thierry Neville auf 3:1. Nur fünf Minuten später revanchierte sich der junge Neville und hämmerte den Ball selbst ins Netz - 3:2! Das Publikum raunte, Fire-House wackelte, und Caballero gestikulierte wild am Spielfeldrand. "Da dachte ich kurz, wir verlieren hier die Kontrolle", gab er später zu. "Aber dann kam Ignacio." Gemeint war Linksverteidiger Ignacio Alcazar, der in der 78. Minute das Spiel endgültig entschied. Nach einem feinen Zuspiel von Vidar Norgaard zog der Spanier aus vollem Lauf ab - 4:2! Ironischerweise war es genau die Minute, in der Kingstons Verteidiger Alfonso Rocha wegen einer roten Karte vom Platz musste. "Ich wollte nur zeigen, dass ich kämpfe", rechtfertigte sich Rocha, während Tüllinghoff daneben seufzte: "Leider hat er das etwas zu wörtlich genommen." Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 52 Prozent Ballbesitz für Fire-House, 48 für die Blues. Doch in puncto Effizienz war der Unterschied eklatant: 16 Torschüsse der Gastgeber, 7 der Gäste. Besonders in der ersten Hälfte prasselten die Angriffe wie Tropenregen auf Torwart Dimas Hermenegildo herab. Für eine kleine Schrecksekunde sorgte in der 70. Minute Fire-House-Verteidiger Danil Alenitschew, der nach einem Zweikampf verletzt raus musste. "Er hat sich beim Jubeln der Fans erschreckt", witzelte Caballero, bevor er ernsthaft anfügte: "Wir hoffen, dass es nichts Schlimmes ist." Sadun Korkmaz ersetzte ihn und brachte wieder Ruhe in die Defensive. Nach dem Abpfiff feierten die Fans ihre Helden mit bengalischen Feuern und Trommeln, als ginge es um die Meisterschaft. Armstrong wurde zum Spieler des Abends gewählt - und obwohl er längst geduscht hatte, roch er noch nach Toren. "Zwei Treffer, drei Punkte, und meine Mutter hat zugeschaut - besser geht’s nicht", grinste er. Kingston dagegen verließ das Feld mit gesenkten Köpfen, aber erhobenem Selbstbewusstsein. "Wir haben Moral gezeigt", betonte Tüllinghoff. "Wenn wir so weiterspielen wie in der zweiten Hälfte, wird uns keiner mehr unterschätzen." Ein Reporter fragte Caballero schließlich, ob er mit dem Endergebnis zufrieden sei. Der Trainer lachte: "Ich hätte gern ein 5:2 gehabt - aber mein Espresso war auch nur halbvoll. Man kann nicht alles haben." So endete ein Abend voller Tempo, Emotionen und Pyrotechnik - im wahrsten Sinne des Wortes. Und irgendwo zwischen der Hitze des Spiels und dem Lächeln des Trainers blieb der Eindruck, dass Fire-House FC derzeit nicht nur Tore schießt, sondern Funken sprüht. Vielleicht ist das ja das Geheimrezept des Erfolgs: ein bisschen Chaos, ein bisschen Charme - und jede Menge Feuer. 02.06.643993 10:57 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic