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65216 Zuschauer brüllten, pfiffen und stöhnten - aber am Ende half alles nichts: Bull Bay verlor am 6. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit 0:1 gegen die cleveren Gäste von Fire‑House FC. Ein einziger Treffer, früh erzielt, entschied ein Spiel, das an Intensität kaum zu überbieten war. Schon vor dem Anpfiff roch es nach Spektakel. Trainer Sports Mann von Bull Bay hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, "voll auf die Flügel, volle Kanne nach vorne", wie er es später mit einem müden Grinsen zusammenfasste. Dottore Caballero, der exzentrische Coach von Fire‑House FC, konterte trocken: "Wir spielen offensiv, aber intelligent - nicht mit der Brechstange." Das Publikum ahnte noch nicht, dass er damit den Abend treffend zusammengefasst hatte. In der 18. Minute war es soweit: Rafael Da Cru, der schnelle Rechtsaußen aus São Paulo, vollendete nach einem langen Diagonalball von Innenverteidiger Louis Nagel. "Ich hab’ ihn einfach fliegen lassen", erklärte Nagel später lachend, "Rafa ist wie ein Düsenjet - gib ihm den Raum, und er trifft." Da Cru nahm den Ball mit der Brust, ließ Bull‑Bay‑Keeper Henri Carriere stehen und schob lässig zum 0:1 ein. Danach begann ein wilder Schlagabtausch, der allerdings nur in den Statistiken ausgeglichen wirkte. Bull Bay hatte mit 50,9 % hauchdünn mehr Ballbesitz, gab 13 Torschüsse ab, doch keiner wollte den Weg ins Netz finden. "Wir hätten noch Stunden spielen können", knurrte Stürmer Hugo Manu, der allein fünfmal gefährlich abschloss. "Vielleicht war das Tor zu klein heute." Fire‑House FC verteidigte mit Leidenschaft und einer Portion Glück. Besonders Torwart Sergio Fortun wuchs zwischen den Pfosten über sich hinaus. In der 36. Minute fischte er einen wuchtigen Kopfball von Manu aus dem Winkel - zur Begeisterung von Trainer Caballero, der an der Seitenlinie eine theatralische Verbeugung andeutete. "Sergio hat heute die Sonne verdeckt", schwärmte er später. Bull Bays Trainer Sports Mann reagierte noch vor der Pause mit einem kuriosen Wechsel: Torhüter Andrew Gayheart kam in der 40. Minute für den angeschlagenen Carriere. "Reine Vorsichtsmaßnahme", beteuerte Mann, "Henri hat beim Abschlag gespürt, dass die Banane nicht perfekt war." Gayheart hielt sich wacker, musste aber kaum eingreifen - denn Fire‑House FC beschränkte sich nach der Führung aufs Kontern. In der zweiten Halbzeit drückte Bull Bay weiter, brachte Robert Broderick für Timm Klaus, doch selbst Brodericks wuchtiger Schuss in der 69. Minute zischte knapp über die Latte. Die Gäste setzten Nadelstiche: Georg Kirchner prüfte Gayheart mehrfach (55., 71., 88., 91.), doch der neue Keeper bestand seine Feuertaufe. Gelbe Karten gab’s auch: Fire‑House‑Linksverteidiger David Jemez sah in der 32. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, Kollege Guillermo Diez folgte in der 49. Minute - laut eigener Aussage "nur, weil ich zu leidenschaftlich verteidige". Auf Bull‑Bay‑Seite wurde Innenverteidiger Julian Kaufmann in der 78. Minute verwarnt, nachdem er Kirchner resolut an die Eckfahne begleitet hatte. Die Schlussphase war ein einziger Sturmlauf der Gastgeber, begleitet von einem ohrenbetäubenden Chor aus 65 000 Kehlen. "Wir haben alles versucht, sogar den Ball angebettelt", witzelte Bull‑Bay‑Mittelfeldmann Dominique Mills. Doch Fire‑House FC stand wie eine Mauer aus Beton und Zeitspiel. Bei jedem Abstoß nahm Fortun sich mehr Zeit, als eine Teekanne zum Ziehen braucht. Als Schiedsrichter Mendez nach 94 Minuten abpfiff, jubelten die Gäste, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Dottore Caballero genoss es sichtlich, mit seinem typischen verschmitzten Lächeln: "Ein Tor, drei Punkte, keine grauen Haare - was will man mehr?" Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 13 zu 9 Torschüsse, fast identischer Ballbesitz, aber eben das eine Tor Unterschied. Fire‑House FC bewies, dass Effizienz manchmal schöner ist als Spektakel. Bull Bay hingegen blieb der Lohn für ihren Aufwand verwehrt - doch das Publikum dankte mit Applaus. "Wenn wir so weiterspielen, machen wir bald aus Chancen Tore", versprach Sports Mann zum Abschied und zog sich mit einem Augenzwinkern die Mütze tief ins Gesicht. Vielleicht war das der Moment, in dem er sich schon den Spielplan für die nächste Woche vornahm - und ein bisschen Trost fand in der Gewissheit, dass Fußball manchmal einfach kein gerechtes Spiel ist. Oder, wie es Rafael Da Cru nach dem Match formulierte: "Manchmal reicht ein Schuss, um ein Stadion zum Schweigen zu bringen." Und genau das tat Fire‑House FC an diesem heißen Abend von Bull Bay. 17.03.643987 21:27 |
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