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Es war ein Abend, an dem die 43.500 Zuschauer im Estadio de Durango sich wohl mehr versprochen hatten als das, was sie dann bekamen - nämlich eine Lehrstunde in gnadenloser Effizienz. Die Diablos Guadalajara kamen, sahen und siegten - und zwar mit einem deutlichen 4:1. Die Alacranes Durango wirkten phasenweise wie ein Team, das vergessen hatte, dass Fußball auch Verteidigung beinhaltet. Dabei fing alles so verheißungsvoll an: In der 20. Minute schickte Aitor Mocana einen präzisen Pass auf Nelson Santos, der den Ball eiskalt im langen Eck versenkte. 1:0 für die Gastgeber - das Stadion bebte, und mancher Fan raunte schon vom "großen Abend der Alacranes". Doch kaum hatte der Stadionsprecher den Torschützen fertig verkündet, zündeten die Diablos ihr Feuerwerk. Nur eine Minute später stürmte Cameron Cabell auf der linken Seite in den Strafraum, bekam den Ball von Laurent Billet serviert und versenkte ihn zum Ausgleich. "Wir wussten, dass sie nach dem Führungstor kurz unaufmerksam sein würden", grinste Cabell später - ein Grinsen, das man ihm nach seinem Dreierpack an diesem Abend kaum verübeln konnte. Denn der Engländer in mexikanischen Diensten war nicht zu bremsen. In der 34. Minute drückte er nach Vorarbeit von Nelson Figo das Leder erneut über die Linie, und ehe Durango überhaupt begriff, was passiert war, erhöhte Antonio Pascual in der 41. Minute auf 3:1. Spätestens da war klar, wer hier die Hölle auf Erden entfacht hatte. Zur Halbzeit versuchte Durangos Trainer - dessen Name das Protokoll mysteriöserweise verschweigt - sein Team wachzurütteln. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Sinn dafür, was man damit anfangen kann", soll er in der Kabine gewettert haben. Tatsächlich standen am Ende 52 Prozent Ballbesitz für Durango zu Buche, doch was nützt das, wenn der Gegner 22 Torschüsse hat und man selbst nur acht? Die zweite Hälfte brachte keine Wende. Eher im Gegenteil: Die Diablos kontrollierten das Geschehen, spielten mit der Lässigkeit eines Teams, das genau wusste, dass der Sieg ihnen nicht mehr zu nehmen war. In der 55. Minute machte Cameron Cabell seinen Hattrick perfekt - ein strammer Schuss nach Pass von Alberto Matamoros, unhaltbar für Keeper Javi Cruz. Danach war endgültig der Stecker gezogen. Durango versuchte es noch mit langen Bällen, gelegentlichen Flanken und viel gutem Willen, aber die Diablos spielten weiter, als hätten sie noch einen fünften Treffer im Sinn. "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts das Spiel diktieren können", erklärte Trainer Ralf Mr nach dem Spiel mit stoischer Ruhe. "Die Jungs haben das fantastisch umgesetzt. Besonders Cabell - der war heute einfach on fire." Cabell selbst gab sich bescheiden: "Ich hatte gute Zuspiele, der Rest war Instinkt." Dass dieser Instinkt offenbar teuflisch gut funktioniert, dürfte Durangos Verteidigung bestätigen. Martin Betz etwa, der sich in der 42. Minute eine Gelbe Karte abholte, gestand später mit einem gequälten Lächeln: "Ich dachte, ich hätte ihn - stattdessen hatte er mich. Und den Ball. Und das Tor." Einziger Lichtblick für Durango blieb die kämpferische Haltung. Auch wenn das Ergebnis klar war, rannten sie bis zum Schluss, angefeuert von einem Publikum, das trotz allem nicht verstummte. Der junge Ricardo Espriu versuchte in der 62. Minute noch einen Distanzschuss, aber selbst das schien an diesem Abend mehr symbolisch als gefährlich. Guadalajara dagegen wechselte in der Schlussphase locker durch - Nachwuchsmann Marco Verratti (18) durfte in der 76. Minute ran, Torwart Nestor Andrade bekam in der 84. noch ein paar Minuten Erstliga-Luft. Alles in allem ein Spiel, das man in Durango wohl schnell vergessen möchte und das in Guadalajara mit einem Augenzwinkern gefeiert werden dürfte. "Wir sind Teufel, keine Touristen", witzelte Pascual nach dem Abpfiff, während Cabell mit dem Spielball unter dem Arm Richtung Kabine verschwand. Am Ende blieb ein 1:4, das deutlicher kaum ausfallen konnte, und die Erkenntnis, dass Ballbesitz noch nie ein Tor geschossen hat. Durango hat den Ball, Guadalajara hat die Tore - und das Publikum hatte immerhin einen spektakulären Abend. Schlusswort? Vielleicht dies: Wenn man gegen den Teufel spielt, sollte man besser keine Angst vor der Hölle haben. 06.03.643987 06:14 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand