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Ein lauer Montagabend in Kingston, 20 Uhr Ortszeit, 48.840 Zuschauer im Stadion - und nach 93 Minuten rieben sich viele von ihnen ungläubig die Augen: Fire-House FC hatte gerade Duhaney Park mit 8:0 (4:0) vom Platz gefegt. Die einen jubelten, die anderen suchten Trost in der Stadionwurst. Schon nach zwei Minuten deutete sich an, dass dies kein gewöhnlicher Fußballabend werden würde: Julian Arredondo traf nach Vorarbeit von Ignacio Alcazar - und eröffnete damit das, was man später ein regelrechtes Offensivmassaker nennen durfte. "Ich dachte, es wäre ein Training", grinste Arredondo hinterher, "aber dann merkte ich: Nein, die Punkte zählen wirklich." Nur drei Minuten später erhöhte Rafael Da Cru auf 2:0, nachdem Duarte Gama den Ball mustergültig aufgelegt hatte. Duhaney Park wirkte da bereits wie eine Mannschaft, die geistig noch beim Anstoß ist. Trainerin Elisa Fernanda gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "Kompakt bleiben!", doch ihre Spieler schienen das Wort "kompakt" mit "komatös" verwechselt zu haben. Fire-House kombinierte sich mit chirurgischer Präzision durch die gegnerische Abwehr. In der 20. Minute durfte auch Tiago Santos jubeln - nach Pass von Pauel Bleecker, der danach lachend meinte: "Ich hab den Ball einfach dorthin gespielt, wo Tiago meistens steht, wenn er Tore schießt." Kurz vor der Pause machte Manuel Vaz mit dem 4:0 (41.) den Deckel auf die erste Halbzeit - ein strammer Schuss nach Vorlage von Innenverteidiger Niklas Lustig, der offenbar beschlossen hatte, dass Verteidigen an diesem Abend überbewertet war. Zur Halbzeitpause herrschte auf der Duhaney-Bank betretenes Schweigen. Nur ein paar Jugendliche auf der Tribüne hielten noch tapfer ihre "Go Park!"‑Schilder hoch. Die Statistik sprach Bände: 4 Torschüsse für Duhaney, 25 für Fire-House. Und obwohl der Ballbesitz mit 50,4 zu 49,6 Prozent nahezu ausgeglichen war, fühlte sich das Spiel an, als hätten die Gäste den Ball abonniert. Nach dem Seitenwechsel änderte sich - nichts. Fire-House blieb im Angriffsmodus, Duhaney Park im Schockzustand. In der 51. Minute traf erneut Tiago Santos. "Ich wusste gar nicht, dass man hier so viel Platz bekommt", sagte er nach dem Spiel. "Fast wie auf dem Trainingsplatz, nur lauter." In der 68. Minute folgte sein dritter Streich - diesmal flankte Innenverteidiger Samuel Bosworth präzise auf den Kopf des Portugiesen. Eine Minute später durfte sich auch der eingewechselte Marcel Girard in die Torschützenliste eintragen, ehe Rafael Da Cru in der Nachspielzeit mit seinem zweiten Treffer das 8:0-Endergebnis besiegelte. Zwischenzeitlich gab es auch ein paar gelbe Farbtupfer: Lustig (59.) und Bosworth (63.) sahen Gelb für rustikale Zweikämpfe, Duhaneys Severin Schmidt (70.) ebenso - wohl aus purer Frustration. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass wir auch noch da sind", erklärte Schmidt später mit einem schiefen Lächeln. Ein kleiner Schreckmoment ereignete sich in der 72. Minute, als Fire-House-Verteidiger Ignacio Alcazar verletzt vom Platz musste. Trainer Dottore Caballero nahm’s gelassen: "Ignacio hat sich mehr wehgetan beim Jubeln als beim Verteidigen." Ersatzmann David Jemez fügte sich nahtlos ein - schließlich war das Spiel da längst entschieden. Die Gäste präsentierten sich über 90 Minuten als taktisch disziplinierte, offensiv ausgerichtete Maschine. Ihre Aufstellung wirkte wie eine Symphonie aus Pressing, Passspiel und purem Selbstvertrauen. Duhaney Park dagegen versuchte es mit Kurzpassspiel und gelegentlichen Kontern - allerdings eher mit dem Ergebnis, dass der Ball zuverlässig beim Gegner landete. Nach Abpfiff fasste Elisa Fernanda die Stimmung der Heimmannschaft zusammen: "Wir haben den Ball manchmal gut laufen lassen - nur leider immer weg vom Tor." Neben ihr schüttelte Torhüter Rene Payne den Kopf: "Acht Stück? Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen." Fire-House-Coach Caballero hingegen schwärmte: "Das war Fußball, wie ich ihn liebe. Direkt, frech, effektiv. Wir hätten sogar noch mehr machen können." Und tatsächlich: Angesichts der 25 Torschüsse und der unermüdlichen Offensivwellen war das 8:0 fast schmeichelhaft für Duhaney Park. Am Ende blieb das Publikum beeindruckt, wenn auch nicht unbedingt glücklich. Einige Fans von Duhaney Park verließen das Stadion schon zur 70. Minute - andere klatschten ironisch, als ihre Mannschaft den ersten Eckball bekam. Wer diesen Abend miterlebt hat, weiß: Fire-House FC hat nicht nur gewonnen, sie haben eine Lektion in Sachen Effizienz und Spielfreude erteilt. Und irgendwo in Kingston wird man noch lange über Tiago Santos’ Dreierpack, Da Crus Kaltschnäuzigkeit und Caballeros süffisantes Grinsen sprechen. Oder, um es mit den Worten eines sichtlich mitgenommenen Duhaney-Fans zu sagen: "Wir wollten Feuer machen - aber Fire-House hatte schon das ganze Benzin." 15.08.643987 09:10 |
Sprücheklopfer
Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich