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Feuerwerk in einer Halbzeit: Graz und Waidhofen trennen sich 2:2

Es war ein Spiel, das in den ersten 35 Minuten so viel bot wie andere Begegnungen in ganzen Monaten. 33.197 Zuschauer im Grazer Stadion bekamen beim 2:2 zwischen dem SV Graz und dem SV Waidhofen ein torreiches Halbzeit-Feuerwerk geboten - und danach 55 Minuten gepflegten Leerlauf mit gelegentlichem Aufbäumen.

"Ich überlege ernsthaft, bei 35 Minuten abpfeifen zu lassen, wenn’s so weitergeht", witzelte Grazer Trainer Matt Steu nach der Partie. Und tatsächlich: Nach einer halben Stunde war der Puls des Publikums auf Champions-League-Niveau, danach eher auf Sonntagsausflug eingestellt.

Graz begann mit leichtem Übergewicht im Ballbesitz (am Ende 51,3 Prozent) und legte früh los. Schon in der vierten Minute prüfte James Besserer mit einem Distanzschuss Waidhofens Keeper Rui Costinha, der sich strecken musste. Dann folgten einige Schüsse von José Bordalás, der offenbar beschlossen hatte, den Ball persönlich ins Tor zu hypnotisieren - vier Versuche zwischen Minute 12 und 15, keiner drin. Doch in der 22. Minute platzte der Knoten: Hanns Heuer flankte präzise von links, und Miguel Bauza drosch den Ball kompromisslos in die Maschen. 1:0 - das Stadion tobte.

Da hatte man noch kaum Zeit, den Jubel zu verdauen, als Waidhofen zurückschlug. Nur drei Minuten später, in der 25. Minute, vollendete Isidoro Arrieta einen schnellen Angriff über Duarte Castano zum 1:1. Zwei Minuten darauf setzte Joshua Carsley sogar noch einen drauf - Waidhofen drehte das Spiel mit einem strammen Schuss aus 16 Metern. "Wir wollten Graz den Spaß verderben - wenigstens kurz", grinste Gästetrainerin Brigitte Temmel später.

Aber Graz reagierte wütend. Wieder dauerte es nur fünf Minuten, ehe José Bordalás nach schöner Vorarbeit von James Besserer den Ball in die linke Ecke schlenzte - 32. Minute, 2:2. Vier Tore in zehn Minuten, und die Fans wussten gar nicht mehr, ob sie lachen, jubeln oder Bier nachbestellen sollten.

Dann jedoch: Funkstille. Die zweite Halbzeit bot zwar 17 weitere Torschüsse - Waidhofen hatte mit 17 insgesamt leicht die Nase vorne -, doch keiner fand den Weg ins Tor. Graz’ Goalie Michel Bergen zeigte einige starke Paraden gegen Arrieta (71., 75.) und Carsley (92., 93.), während auf der anderen Seite Bauza in der 70. Minute die Latte traf. Das kollektive Raunen im Stadion war fast lauter als die Torjubel zuvor.

In der 55. Minute sah Hanns Heuer Gelb, nachdem er den Ball mit mehr Leidenschaft als Präzision gespielt hatte - in die Beine seines Gegners. "Ich war einfach zu motiviert", meinte er achselzuckend. Trainer Steu dazu: "Hanns wollte wohl ein Zeichen setzen - leider auf dem Schienbein des Gegners."

Taktisch blieb Graz während der gesamten Partie im ausgewogenen Modus, spielte mit sicherem Passspiel, während Waidhofen von Beginn an eine offensive Haltung einnahm und auf jede Gelegenheit zum Abschluss lauerte. Das sah man auch in den Zahlen: 17 Schüsse der Gäste, 14 der Hausherren, kaum Unterschied im Zweikampfverhalten (49,7 zu 50,3 Prozent). Es war ein Spiel auf Augenhöhe - mit beidseitiger Großzügigkeit in der Defensive.

In der Schlussphase versuchten beide Trainer, durch Gesten und Rufe von der Seitenlinie das Unvermeidliche doch noch zu verhindern: das Remis. Temmel schrie "weiter, weiter!", während Steu abwechselnd die Hände über dem Kopf zusammenschlug und Richtung Himmel blickte. Doch der Fußballgott blieb neutral.

"Ein Punkt ist besser als keiner, aber nach dem Start hätten wir mehr verdient", sagte Miguel Bauza, der Mann des Abends auf Grazer Seite. Waidhofens Doppeltorschützen Arrieta widersprach charmant: "Wir hatten die besseren Chancen - wenn mein letzter Schuss reingeht, reden wir hier über drei Punkte."

So aber blieb es beim 2:2, das bereits zur Pause feststand - ein Ergebnis, das man nach dieser wilden ersten halben Stunde beinahe vergessen hatte.

Und während die Zuschauer auf dem Heimweg noch über die irrwitzigen Minuten zwischen der 22. und 32. diskutierten, blieb Trainer Steu beim Thema Gelassenheit: "Wir haben heute gelernt, dass man auch ohne zweite Halbzeit ein gutes Spiel machen kann."

Ein Satz, der vielleicht in die Kabinenchronik eingeht - gleich unter die Überschrift: "Kurz, knackig, kurios - das 2:2 von Graz."

19.01.643994 22:57
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