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Wenn 71.845 Zuschauer an einem lauen jamaikanischen Abend in die Arena strömen, dann riecht es nicht nur nach gegrilltem Mais und Sonnencreme, sondern auch nach Spannung. Und wer am 27. Spieltag der 1. Liga Jamaica ins Fire-House-Stadion kam, bekam genau das: Drama, Tempo, Tore - und ein Heimteam, das seinem Namen alle Ehre machte. Schon nach acht Minuten loderten die ersten Flammen: Julian Arredondo, der bullige Mittelstürmer der Fire-House-Boys, verwandelte nach einem butterweichen Steilpass von Kobe Van Gheem zum 1:0. Während Trainer Dottore Caballero die Faust ballte, grinste Arredondo später: "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn du so triffst, denkst du kurz, du bist wieder 18." Doch die Kingston Blues ließen sich nicht einschüchtern. Trainer Kevin Tüllinghoff, gewohnt mit Sonnenbrille an der Seitenlinie, hatte sein Team auf Konter eingestellt - und einer davon saß. In der 31. Minute zimmerte Dominique Bettencourt nach Vorlage von Leon Marot den Ball ins lange Eck. 1:1 - und plötzlich summte das Stadion wie ein Bienenstock. "Wir hatten sie kurz am Haken", sagte Bettencourt nach der Partie, "aber dann… na ja, dann kam das Feuer zurück." Und wie! Nach der Pause riss Fire-House das Spiel an sich. Obwohl die Blues mit 52 Prozent Ballbesitz optisch überlegen wirkten, brannte die Heimmannschaft los wie ein tropischer Regensturm. In der 54. Minute traf Rafael Da Cru - nach wunderbarer Vorarbeit von Guillermo Diez - zum 2:1. Nur eine Minute später legte Gunnar Carlsen nach. Sein Schuss, halb Volley, halb Verzweiflungstat, schlug unhaltbar im Winkel ein. "Ich wollte eigentlich flanken", scherzte Carlsen später, "aber manchmal ist der Fußball eben romantisch." Die Blues wankten. Trainer Tüllinghoff brachte in der 57. Minute frische Offensivkräfte, doch das Spiel kippte endgültig in Richtung Fire-House. Statt eines Aufbäumens sah man verunsicherte Verteidiger, lange Bälle ins Nichts und einen Torwart, der mehr Handtücher als Bälle fing. In der 78. Minute setzte Duarte Gama den Schlusspunkt - und das mit Stil. Nach einem feinen Pass von Vidar Norgaard nahm er die Kugel mit der Brust an, ließ einen Gegenspieler stehen und schlenzte den Ball ins rechte Eck. 4:1. Das Stadion explodierte, und Caballero drehte sich zum Publikum, als wolle er sagen: "So sieht Feuer aus." "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten: aggressiv, mutig, mit Leidenschaft", erklärte der Trainer später auf der Pressekonferenz. "Und ja, vielleicht war der Kaffee vor dem Spiel etwas zu stark." Die Statistiken? Sie erzählen eine erstaunliche Geschichte: 11 Torschüsse Fire-House, 10 von den Blues - also kein Klassenunterschied, wenn man nur auf die Zahlen schaut. Doch der Unterschied lag im Willen. Fire-House spielte mit offenem Visier, während Kingston zwar den Ball laufen ließ, aber selten den Mut fand, ihn auch wirklich zu jagen. In der Schlussphase sahen die Zuschauer noch drei gelbe Karten - zwei für Fire-House (Van Gheem und Nagel) und eine für Blues-Verteidiger Brongniart, der nach einer rustikalen Grätsche sogar Beifall von den eigenen Fans bekam. "Das war kein Foul, das war ein Weckruf", grinste er hinterher. Und so endete ein Spiel, das eigentlich eng begann, mit einem klaren 4:1-Sieg für Fire-House FC. Die Blues fuhren mit hängenden Köpfen vom Platz, während die Heimfans in roten Shirts "Burn, baby, burn!" sangen - sinnbildlich, versteht sich. Im Presseraum noch ein letzter Dialog, der den Abend perfekt zusammenfasste. Ein Reporter fragte Caballero, ob sein Team jetzt Meister werden könne. Der Trainer schmunzelte, nahm einen Schluck Wasser und antwortete: "Wenn wir so weiterzündeln - warum nicht? Aber bitte schreiben Sie nicht, ich hätte das gesagt." Ein Spiel mit Feuer, Funken und ein bisschen Rauch - genau das, was die Fans in Kingston lieben. Und wer weiß: Vielleicht wird dieser 27. Spieltag später als der Abend in Erinnerung bleiben, an dem Fire-House FC endgültig zu heiß für die Liga wurde. 27.11.643987 12:14 |
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