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Es gibt Abende, an denen Fußball keine taktische Wissenschaft, sondern reine Pyrotechnik ist. Der gestrige 19. Spieltag der 1. Liga Jamaica im Fire-House-Stadion war so einer. 68.223 Zuschauer sahen, wie Fire-House FC mit 4:1 (2:0) den Barbican FC abfackelte - im besten Sinne. Trainer Dottore Caballero, sonst ein Mann für nüchterne Analysen, grinste nach dem Schlusspfiff nur und sagte: "Heute war’s wie Grillparty - alle hatten Feuer, nur Barbican hat das Wasser vergessen." Schon nach wenigen Minuten war klar, dass die Hausherren trotz nur 46 Prozent Ballbesitz das Kommando übernahmen. Wouter Brill, der linke Wirbelwind, schoss sich warm wie ein Schmied am Amboss - erst in Minute 1, dann 21, bis es in der 24. endlich krachte: Nach Zuspiel von Manuel Vaz drosch Brill den Ball unter die Latte. Vier Minuten später das gleiche Bild, nur diesmal flankte Pauel Bleecker. Brill stand wieder goldrichtig und nickte zum 2:0 ein. "Ich wollte eigentlich querlegen", gestand Brill hinterher lachend, "aber dann dachte ich, ach komm, wenn’s läuft, dann läuft’s." Und wie es lief: Fire-House kombinierte mutig, aggressiv und mit auffällig viel Spielfreude. Caballero hatte seine Offensive auf "Volldampf" gestellt - eine Taktik, die so riskant wie erfolgreich war. Barbican FC, trainiert von Peter Heinze, kam nach der Pause etwas frischer aus der Kabine. Heinze hatte offenbar an seine Jungs appelliert, "endlich mal so zu spielen, als wollten sie das Spiel nicht nur sehen, sondern gewinnen". Und tatsächlich: In der 49. Minute verkürzte Michel Baskin nach feinem Solo auf 2:1. "Da dachte ich kurz, jetzt kippt’s", meinte Fire-House-Kapitän Alexander La Barre. "Aber dann hat Benji zugeschlagen, wie er’s immer tut." Gemeint war Benjamin Armstrong, der Mittelstürmer, der kurz zuvor für Marcel Girard eingewechselt worden war. Keine fünf Minuten nach seiner Einwechslung verlängerte er einen Pass von Vaz lässig ins Netz - 3:1 in der 60. Minute. Später, in der 88., setzte er mit einem trockenen Rechtsschuss sogar noch das 4:1 obendrauf, nach Vorlage von Kevin Hafner. Der Rasen dampfte da schon, so heiß war die Partie geworden. Statistisch gesehen hätte Barbican mehr verdient: 53 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse, einige sehenswerte Aktionen vom 21-jährigen Baskin und seinem Kollegen Marc Grenier. Aber Fire-House war an diesem Abend schlicht effizienter - elf Schüsse aufs Tor, vier Treffer. "Wir haben gespielt, als ob’s um alles geht", bilanzierte Armstrong, die Haare noch feucht vom Siegerschweiß. "Ich liebe solche Spiele, wenn du merkst, dass das Stadion hinter dir steht und du das Feuer spürst." Heinze hingegen stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen da, den Blick irgendwo zwischen enttäuscht und resigniert. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", knurrte er. "Ballbesitz ist keine Währung, wenn du vorne das Tor nicht triffst." Dann drehte er sich um und verschwand in die Kabine, bevor noch jemand nach dem "Warum" fragen konnte. Auf der Tribüne feierten die Fire-House-Fans derweil ihre Helden. Kinder hielten Pappschilder mit der Aufschrift "Brill-issimo!" und "Benji - unser Bomber" hoch, während ein älterer Herr im Trikot des Vereins rief: "So spielt man Fußball, Jungs!" Selbst die Stadionkatze, so berichtete ein Ordner später, sei vor Freude einmal quer über den Rasen gesprintet. Fire-House FC steht nach diesem Sieg wieder mitten im Rennen um die oberen Tabellenplätze. Dottore Caballero bleibt gelassen: "Wir schauen von Spiel zu Spiel - und wenn’s wieder so läuft, schauen wir halt ein bisschen länger." Ein Abend voller Energie, Leidenschaft und einer Prise Wahnsinn - so, wie Fußball sein soll. Und irgendwo in der Kabine summte Brill leise vor sich hin: "Feuer frei, die nächste Runde geht auf uns." Da konnte selbst der nüchterne La Barre nur schmunzeln: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald einen Feuerwehrmann als Maskottchen." Denn eines ist sicher: Im Fire-House brennt’s - und diesmal lichterloh vor Begeisterung. 04.01.643991 18:35 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund