Jamaica News Bulletin
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Feuer, Flügel und vierfacher Wahnsinn - Fire-House FC und Spanish Town trennen sich 4:4

Wer braucht eigentlich Verteidigung, wenn man auch einfach Tore schießen kann? Diese Frage stellten sich am Dienstagabend wohl beide Teams im Fire-House-Stadion von Kingston. Vor 66.570 begeisterten Zuschauern lieferten sich Fire-House FC und Spanish Town ein 4:4-Spektakel, das eher an ein Karnevalsspiel als an den 19. Spieltag der 1. Liga Jamaica erinnerte.

Schon nach fünf Minuten brannte die "Feuerwache" lichterloh. Charles Chamberlain, der bullige Mittelstürmer der Hausherren, donnerte eine Hereingabe von Kobe Van Gheem unter die Latte - 1:0, und der Stadionsprecher hatte kaum Luft geholt, da musste er schon wieder schreien. "Wir wollten Druck machen, aber nicht gleich die Sirenen einschalten", grinste Fire-House-Trainer Dottore Caballero später sarkastisch.

Doch Spanish Town zeigte, dass auch sie mit Benzin im Blut angereist waren. In der 20. Minute zirkelte Dominique Merz, nach feiner Vorarbeit von Göran Ohlson, den Ball präzise ins lange Eck. Nur zehn Minuten später drehte Ohlson selbst auf - ein trockener Schuss aus 18 Metern, 1:2. "Ich dachte, ich hab ihn zu fest getroffen", lachte der 35-Jährige später, "aber offenbar war der Ball der Meinung, er will rein."

Kurz vor der Pause tobte das Stadion erneut, als Fire-House’ Oscar Zahinos eine Flanke von Pierre Bach per Dropkick versenkte. 2:2 zur Halbzeit - und das Publikum hatte schon mehr Unterhaltung bekommen als in mancher gesamten Spielzeit.

In der Kabine muss Caballero wohl die Worte "konzentriert bleiben" benutzt haben. Doch kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, war’s wieder vorbei mit der Ordnung. Philippe Benoi brachte Spanish Town in der 51. Minute erneut in Führung. Der Routinier jubelte mit ausgestreckten Armen Richtung Gästeblock, als wolle er sagen: "Na, wer ist hier alt?"

Ab der 55. Minute begann das große Wechselspiel. Fire-House brachte mit Rafael Da Cru und Marcel Girard frische Kräfte - ein Schachzug, der sich später als goldrichtig erweisen sollte. Spanish Town konterte mit jugendlicher Frische: Lewis Deschanel und später Pedro da Costa kamen.

Und dann kam der Moment, in dem Fire-House kurz davor war, das Feuer zu löschen - oder sich selbst zu verbrennen. In der 73. Minute traf erneut Ohlson, diesmal nach Pass des eben eingewechselten Lewis Deschanel. 2:4, und die Fans der Gäste sangen sich heiser. Caballero ballte nur die Faust und murmelte: "Noch ist das Feuer nicht aus."

Er sollte recht behalten. Denn was dann folgte, war ein Schlussakt, der selbst Shakespeare gefallen hätte. In der 90. Minute sprintete Rafael Da Cru, zuvor wegen einer Gelben Karte noch angefressen, in den Strafraum und bugsierte den Ball nach Pass von Van Gheem über die Linie - 3:4. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Da Cru später grinsend.

Und als alle dachten, das war’s, trat Linksverteidiger Ignacio Alcazar auf den Plan. Ja, der Linksverteidiger! In der 92. Minute drosch er nach Vorlage von Pierre Bach den Ball aus 20 Metern unter die Latte. 4:4! Das Stadion explodierte, Bier duschte von den Rängen, und Caballero riss sich beinahe das Hemd vom Leib. "Ignacio hat in der ganzen Saison nicht einmal aufs Tor geschossen", lachte der Trainer nach Schlusspfiff, "vielleicht sollten wir ihn künftig als Mittelstürmer aufstellen."

Statistisch gesehen hatte Fire-House mehr vom Spiel: 20 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, 51 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Doch Spanish Town, von Coach Ioannis Exis gewohnt offensiv eingestellt, zeigte enorme Effizienz und Moral. "Wir haben gegen das Feuer gespielt - und nicht verloren", kommentierte Exis trocken.

Ein kleiner Disput sorgte kurz für Komik: In der 3. Minute hatte Fire-House-Verteidiger Danil Alenitschew Gelb gesehen, weil er, laut Schiedsrichter, "zu leidenschaftlich" in einen Zweikampf ging. "Ich wollte nur den Ball streicheln", verteidigte sich Alenitschew später in der Mixed Zone - der Schiri habe offenbar eine andere Definition von Zärtlichkeit.

Als die Spieler schließlich Richtung Kabine trotteten, schien niemand so recht zu wissen, ob man sich über das Ergebnis freuen oder ärgern sollte. "Ich fühl mich wie nach einem Achterbahnritt ohne Sicherheitsbügel", meinte Fire-House-Mittelfeldmann Duarte Gama.

Vielleicht war das 4:4 am Ende die gerechteste aller Lösungen - zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten, zwei Trainer, die zwischen Genie und Wahnsinn lavierten, und ein Publikum, das ein Spiel erlebte, das in die Kategorie "Warum wir Fußball lieben" gehört.

Oder, wie ein Fan auf der Tribüne es zusammenfasste, während er in den Nachthimmel grinste: "Wenn das hier 0:0 ausgegangen wäre, hätte ich mein Geld zurückverlangt."

Und genau so sollte Fußball sein: unberechenbar, wild, ein bisschen verrückt - und manchmal eben einfach 4:4.

26.08.643987 22:59
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Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich
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