Diarios de Futbol
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Feuer, Flanken und Finesse - ein 2:2, das keiner so richtig wollte

Wenn 79.500 Menschen im Estadio de Jujuy kollektiv die Luft anhalten, dann weiß man: Hier passiert gerade etwas. Und tatsächlich - am dritten Spieltag der Copa Libertadores lieferten sich Esgrima de Jujuy und die Falmouth Villagers ein 2:2, das so wild war wie ein südamerikanischer Sommerabend: laut, hitzig, unberechenbar.

Schon die ersten Minuten deuteten an, dass die Engländer aus Falmouth nicht gekommen waren, um den Andenstaub zu bewundern. Nach nur zehn Minuten vollendete Stürmer Finlay Hannigan einen blitzschnellen Konter, den der wendige Noah Rose mit einem butterweichen Zuspiel eingeleitet hatte. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - ehrlich gesagt, war’s fast zu einfach", grinste Hannigan später, während Trainer Hermann Tüllinghoff im Hintergrund mahnend die Stirn runzelte.

Doch wer glaubte, Esgrima würde sich einschüchtern lassen, kennt die Jungs von Trainer Andreas Bucksch schlecht. Der Deutsche an der Seitenlinie klatschte so heftig, dass man meinen konnte, er wolle den Ball selbst wieder ins Spiel prügeln. Sein Team reagierte - und wie. In der 24. Minute zirkelte Vincent de Almeida den Ball nach Vorarbeit von Mario Mocana unhaltbar ins lange Eck. 1:1, und das Stadion ein Tollhaus.

"Ich hab ihn kommen sehen, aber plötzlich war der Ball schon hinter mir", jammerte Villagers-Keeper Ernesto Ferrer, der danach noch einige Male sein Tor sauber halten musste. Doch kurz vor der Pause kam es noch dicker für die Gäste: Wieder war es de Almeida, diesmal nach Vorlage von Duarte Viana, der das 2:1 markierte. Ein Doppelschlag für die Geschichtsbücher - und der Beweis, dass Esgrima auch mit englischer Härte umgehen kann.

Zur Halbzeit führte Jujuy mit 2:1, hatte minimal mehr Ballbesitz (50,7 Prozent) und zumindest optisch mehr Kontrolle. Doch die Villagers, deren taktische Marschroute "Offensiv, Konter, lange Bälle, volles Risiko" hieß, gaben sich nicht geschlagen. "Wir spielen Fußball, kein Schach", schnaufte Tüllinghoff später - und genau so agierten seine Männer: wild entschlossen, aber selten geordnet.

Ein Beispiel: In der 58. Minute stürmte Linksverteidiger Jelle Van Buren plötzlich nach vorne, als habe er vergessen, auf welcher Position er spielt. Ein schneller Doppelpass, ein Schuss wie ein Vorschlaghammer - und das Leder zappelte im Netz. 2:2! Es war das Tor, das keiner erwartet hatte, am wenigsten wohl Van Buren selbst. "Ich wollte eigentlich flanken", sagte er lachend nach dem Spiel. Man glaubt es ihm fast.

Im Anschluss wogte die Partie hin und her. Falmouth feuerte insgesamt 15 Torschüsse ab, Esgrima kam auf 9 - ein klares Zeichen dafür, dass die Gäste trotz südamerikanischer Höhenluft mehr Dampf machten. Allerdings sorgte ihre rustikale Spielweise auch für drei Gelbe Karten: Choutos (22.), Velasco (26.) und Veloso (59.) sahen alle Gelb - Letzterer wohl eher, weil der Schiedsrichter Mitleid mit den Schienbeinschonern seines Gegners hatte.

Bucksch reagierte mit frischen Kräften: In der 65. Minute kam der 18-jährige Esteban Beltran für Jose Enrique Galisteo - ein Wechsel, der nicht nur taktisch, sondern auch symbolisch war. "Er hat keine Angst, gar keine", lobte Bucksch den Youngster, der nach Schlusspfiff strahlte, als hätte er gerade die Copa gewonnen.

Die letzten Minuten gehörten dann wieder den Gastgebern. Joao Maniche prüfte in der 91. Minute den Torwart, kurz darauf rettete Hannigan auf der anderen Seite beinahe den Sieg, doch der Ball rauschte knapp vorbei. In der 85. Minute kam es noch zu einer kuriosen Szene: Torwartwechsel bei Jujuy - Caio Silva ersetzte Juanito Arredondo, offenbar wegen einer leichten Blessur. "Ich wollte auch mal den Applaus hören", grinste Arredondo später, halb im Scherz, halb im Ernst.

Am Ende blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte, aber beide akzeptierten. Taktisch war’s ein Duell der Philosophien: Jujuy spielte strukturiert, fast akademisch, während Falmouth mit langen Bällen und purem Willen agierte. Die Statistik sprach eine klare Sprache: 52,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Engländer, aber zu wenig Präzision vor dem Tor.

"Wenn man 15-mal schießt und nur zweimal trifft, ist das wie ein Konzert ohne Zugabe", murrte Tüllinghoff nach dem Abpfiff. Bucksch dagegen nahm’s gelassen: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und gegen Engländer ohne Regenschirm zu bestehen, ist auch was wert."

So endete ein Abend, der alles hatte - Tempo, Drama, Schweiß, Gelb - nur keinen Sieger. Aber immerhin: Wer in Jujuy dabei war, wird sich noch lange an diese 90 Minuten erinnern. Und vielleicht auch an den Moment, als Jelle Van Buren zum unfreiwilligen Künstler wurde.

Denn manchmal, das lehrt uns der Fußball, ist die schönste Flanke eben ein Schuss ins Glück.

14.05.643987 19:28
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