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Es war einer dieser Abende, an denen 79.500 Menschen das Stadion nicht einfach nur füllten, sondern zum Brodeln brachten. Achtelfinale der Copa Libertadores, Rückspiel, 18:30 Uhr - und der Fire-House FC empfing die Diablos Guadalajara. Schon die Namen versprachen ein hitziges Duell, und beide Teams hielten Wort. Am Ende leuchtete ein 3:2 (2:1) auf der Anzeigetafel, und man wusste nicht, ob man zuerst applaudieren oder den Puls messen sollte. Die Partie begann, wie sie enden sollte - mit offenem Visier und reichlich Adrenalin. Bereits in der dritten Minute prüfte Gunnar Carlsen die Reflexe von Diablos-Keeper Adil Aydemir. Der Ball klatschte an den Außenpfosten. "Wenn der reingeht, hätten wir früher Feueralarm ausgelöst", witzelte Fire-House-Trainer Dottore Caballero später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Schock oszillierte. Die Mexikaner antworteten mit südamerikanischer Leidenschaft. In der 26. Minute klingelte es: Antonio Pascual zog von rechts nach innen, ließ Bosworth stehen und jagte den Ball trocken ins lange Eck. 0:1 - und plötzlich roch es nach Schwefel im Stadion. "Wir wollten zeigen, dass der Teufel nicht nur tanzen, sondern auch treffen kann", grinste Pascual nach dem Spiel. Doch wer den Fire-House FC kennt, weiß: Sie löschen nicht, sie fachen an. Nur zwei Minuten später der Ausgleich. Julian Arredondo, der bullige Mittelstürmer, drückte eine butterweiche Flanke von Danil Alenitschew über die Linie. Caballero sprang an der Seitenlinie in die Luft, als hätte er selbst den Ball versenkt. Und als Rafael Da Cru in der 37. Minute nach Vorlage von Duarte Gama das 2:1 markierte, bebte das Stadion wie ein Vulkankrater. "Wir hatten das Momentum, aber ich wusste, die Diablos kommen noch mal", sagte Caballero später. Er sollte recht behalten. Nach einer wilden zweiten Halbzeit mit Torschüssen im Minutentakt - 14 für Fire-House, 15 für die Diablos - kam in der 73. Minute der Schock: Vitorino Butragueno, der elegante Linksaußen der Gäste, traf nach feinem Doppelpass mit dem jungen Nuno Olazabal zum 2:2. Kurz darauf musste Olazabal verletzt raus - ein schmerzhafter Moment, der selbst den harten Coach Ralf Mr innehalten ließ. "Er ist jung, aber er spielt mit Herz. Das wird wieder", sagte Mr später und klopfte seinem Stürmer im wahrsten Sinne des Wortes Mut zu. Fire-House reagierte mit Wut im Bauch und purem Willen. Caballero brachte Marcel Girard und Louis Nagel, letzterer ein Innenverteidiger mit dem Selbstverständnis eines Mittelstürmers. Und genau dieser Nagel sollte in der 90. Minute zum Helden werden. Nach einer Ecke von Gunnar Carlsen stieg er höher als alle anderen, wuchtete den Ball per Kopf zum 3:2 ins Netz - und verschwand in einer Lawine aus Mitspielern. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass mich keiner trifft - außer der Ball", lachte Nagel nach dem Spiel. Die Fans sangen, als wäre es schon das Finale. Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 51 Prozent Ballbesitz für Fire-House, 49 für die Diablos, Tackling-Quote fast ausgeglichen. Doch es war das Herzblut, das den Unterschied machte. Zwei Teams, die offensiv dachten, aggressiv arbeiteten und nie nachließen. Selbst in der Nachspielzeit, als Alenitschew noch Gelb sah, flammte das Spiel weiter. "Das war kein Fußballspiel, das war ein Duell der Elemente", meinte ein erschöpfter, aber glücklicher Caballero nach dem Abpfiff. Sein Gegenüber Ralf Mr schüttelte den Kopf und sagte nur trocken: "Wenn du drei Tore kassierst, warst du nicht der Teufel, sondern das Opfer." Der Fire-House FC zieht mit diesem 3:2 ins Viertelfinale der Copa Libertadores ein - angepeitscht von einer Kulisse, die man bis auf den Parkplatz hörte. Und während sich die Flutlichter langsam ausschalteten, lag über dem Stadion ein Gefühl, das selten geworden ist: das ehrliche Brennen für das Spiel. Oder, wie Louis Nagel es zusammenfasste: "Heute war Fußball kein Beruf. Heute war’s ein Inferno - und wir standen mittendrin." 02.11.643987 03:47 |
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Ich habe kein Problem damit, der Arsch zu sein.
Oliver Kahn