// Startseite
| Diarios de Futbol |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Das Stadion von Tuxtla Gutiérrez bebte schon vor dem Anpfiff. 43.596 Zuschauer hatten sich am Sonntagabend eingefunden, um den Auftakt der Gruppenrunde der Amerikaliga zwischen Felinos Chiapas und Real Caracas zu erleben. Sie sollten ein Spiel sehen, das alles bot - außer einem Tor. Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando übernehmen wollte. Die Felinos, angeführt vom unermüdlich gestikulierenden Trainer Felino Felinos, schnurrten los wie eine gut geölte Maschine. Bereits nach drei Minuten prüfte Cesar Ruiz den venezolanischen Keeper Helmut Ackermann mit einem wuchtigen Schuss aus 18 Metern. Das war nur der Auftakt zu einem einseitigen Feuerwerk: 22 Torschüsse der Mexikaner standen am Ende gerade einmal fünf der Gäste gegenüber. Doch das Netz blieb jungfräulich. "Ich habe den Ball schon im Tor gesehen - dreimal!", stöhnte Ruiz nach dem Abpfiff und setzte ein gequältes Lächeln hinterher. Sein Trainer, der das Spiel mit verschränkten Armen und stoischer Ruhe verfolgte, kommentierte trocken: "Wenn man den Pfosten trifft, zählt das leider nicht zum Ballbesitz." Und Ballbesitz hatte sein Team reichlich: 53,9 Prozent, um genau zu sein. Real Caracas hingegen zeigte sich als zähe Truppe, defensiv diszipliniert und mit einer Prise südamerikanischer List. Ihr Trainer, dessen Name die Reporter trotz Nachfragen nicht zu fassen bekamen - man munkelt, er ziehe die Anonymität dem Ruhm vor -, hatte offenbar die Devise ausgegeben: "Macht’s hässlich, aber haltet dicht!" Das taten sie dann auch. Besonders in der ersten Halbzeit entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor. Joschua Henning, der rechte Flügelstürmer der Felinos, verzweifelte gleich mehrfach an Ackermann. In der 9. Minute zirkelte er den Ball an den Innenpfosten, in der 20. rauschte sein Schuss nur Zentimeter am Lattenkreuz vorbei. "Ich hab kurz gedacht, der Schiri pfeift ab und gibt uns einfach ein Tor aus Mitleid", witzelte Henning später. Im Mittelfeld zog der 20-jährige Javier Bermudez die Fäden, während der erst 17-jährige Wesley Sneijder - ja, wirklich, ein Sneijder - mit jugendlicher Unbekümmertheit nach vorn drängte. Sein Distanzschuss in der 15. Minute zwang Ackermann zu einer Glanzparade, die in Caracas wohl noch monatelang als Heldentat gefeiert werden wird. Real Caracas kam erst in der 25. Minute zu seinem ersten nennenswerten Abschluss: Vitor Andrade, flink wie ein Kolibri, prüfte Giacomo Andali im Tor der Felinos. Der Keeper reagierte blitzschnell und fischte den Ball aus dem Winkel - eine der seltenen Gelegenheiten, bei denen die mexikanische Defensive wirklich gefordert war. Das Spiel blieb auch nach der Pause einseitig. Postiga, Boutin und wieder Ruiz hämmerten die Kugel Richtung Tor, doch Ackermann avancierte endgültig zum Mann des Abends. Selbst ein Freistoß in der 89. Minute - kunstvoll getreten von Caio Postiga - fand nicht den Weg ins Glück. "Ich hab kurz überlegt, ob ich mich einfach in den Boden grabe und warte, dass einer durchrutscht", scherzte der Torwart später. Die Statistiken erzählen das gleiche Märchen wie die Zuschauer: 22:5 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, über 50 Prozent Ballbesitz - und trotzdem kein Treffer. Fußball kann grausam sein, und an diesem Abend war er es besonders für die Felinos. Trainer Felino Felinos fasste es nach dem Spiel mit einem trockenen Lächeln zusammen: "Wir haben alles probiert - außer vielleicht, den Ball ins Tor zu tragen." Dann fügte er, halb ernst, halb spöttisch, hinzu: "Aber Real Caracas hat heute gezeigt, dass man auch ohne eigenen Angriff Fußball spielen kann." Und so trennten sich beide Mannschaften 0:0 - ein Ergebnis, das den Spielverlauf Lügen straft, aber auf der Anzeigetafel gnadenlos korrekt blieb. Während die Fans der Felinos mit einem kollektiven Seufzer das Stadion verließen, jubelten die Gäste aus Caracas, als hätten sie gerade das Finale gewonnen. Ein 0:0, das mehr erzählte, als so mancher 5:4-Spektakelabend: von Heldentaten zwischen den Pfosten, verzweifelten Stürmern und einem Trainer, der seine Mannschaft "defensiv" aufstellte - und das vielleicht etwas zu wörtlich nahm. Vielleicht, so raunte ein älterer Fan beim Hinausgehen, sei das ja der Beginn einer neuen Taktik-Ära: "Ballbesitz ist schön, Tore sind überbewertet." Man darf gespannt sein, ob Felino Felinos das auch so sieht - spätestens beim nächsten Spiel wird man es wissen. 30.01.643994 04:34 |
Sprücheklopfer
Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern.
Mario Basler