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Es war ein Abend, an dem 27.388 Zuschauer im Feldkirchener Stadion erst seufzten, dann schimpften und schließlich jubelten, als hätte jemand das Flutlicht direkt in ihre Herzen gedreht. Der SC Feldkirchen besiegte den SC Ried mit 2:1 (0:1) - und das nach einer ersten Halbzeit, die man höflich als "ausbaufähig" bezeichnen konnte. Schon in der 5. Minute der Schock: Rieds Routinier Tomasz Witt stand nach einem feinen Pass von Sven Lauer plötzlich frei und schob den Ball mit der Ruhe eines Mannes, der schon viele Tore gesehen hat, an Torhüter Michele Grimaldi vorbei. 0:1 - und auf der Heimtribüne herrschte minutenlang betretenes Schweigen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Feldkirchens Innenverteidiger Günter Göbel später und grinste gequält. In den folgenden 40 Minuten passierte viel - nur eben nichts Zählbares für die Heimelf. Feldkirchen hatte mehr Ballbesitz (50,1 %), mehr Abschlüsse (17:9) und vermutlich auch mehr verzweifelte Blicke Richtung Himmel. Ronald Hein prüfte Rieds Keeper Marc Lemke mehrfach, Simon Linke rauschte mit einem Kopfball knapp vorbei, und Trainer Pfeiffer (der im Stadion noch als "der Mann mit dem nervösen Kaugummi" bekannt ist) rief irgendwann Richtung Seitenlinie: "Wenn ihr so weiterspielt, spielt ihr bald Volleyball!" In der Pause zogen dunkle Wolken über das Feld - nicht meteorologisch, sondern emotional. Doch die zweite Hälfte zeigte ein anderes Gesicht der Feldkirchener. Antonio de Gogorza kurbelte das Spiel an, Alfie Graysmark wirbelte über links, und plötzlich roch es nach Ausgleich. In der 69. Minute war es dann so weit: Graysmark flankte butterweich in den Strafraum, und Simon Linke setzte den Ball per Direktabnahme unter die Latte. 1:1 - das Stadion explodierte. "Ich hab nur gedacht: endlich!", sagte Linke später lachend. "Der Ball hat mich fast selbst überrascht, so gut kam die Flanke." Aber Feldkirchen wollte mehr. Die Hausherren drückten, als ginge es um Leben und Tabellenplatz - und sie wurden belohnt. In der 84. Minute legte erneut Graysmark klug quer auf den lauernden Andrej Knezevic, der den Ball mit der Innenseite ins lange Eck schob. 2:1. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Ersatzbank verwandelte sich in ein Springbrunnen-Ensemble. "Das war Emotion pur", meinte Trainer Pfeiffer nach dem Spiel. "Ich hab in 20 Jahren Fußball selten so eine Willensleistung gesehen - und das sage ich nicht nur, weil ich diese Burschen jeden Tag sehe." Rieds Trainer hingegen wirkte nachdenklich. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit kontrolliert, aber dann den Zugriff verloren", erklärte er sachlich. "Feldkirchen hat mit Herz gespielt, wir mit Kopf - und manchmal gewinnt eben das Herz." In den Schlussminuten wurde es noch einmal hitzig: Rieds junge Hoffnung Luka Kramer sah Gelb (79.), ebenso Anthony Nelis in der Nachspielzeit. Dazwischen flog Rieds Patrik Lohmann mehrfach gefährlich in den Strafraum, scheiterte aber an Grimaldi, der nun endgültig Wachsamkeit neu definierte. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich die Feldkirchener in den Armen, während die Rieder Spieler ratlos den Rasen musterten. "Das war kein schönes Spiel", meinte ein Zuschauer auf der Tribüne mit halb leerem Bierbecher, "aber es war unser Spiel." Statistisch gesehen war das Duell nahezu ausgeglichen - der Unterschied lag in der Entschlossenheit. Feldkirchen nutzte seine Chancen spät, aber eiskalt. Ried dagegen blieb nach dem frühen Führungstreffer zu passiv, zu brav, zu "balanced", wie es die Taktiktafel wohl ausdrücken würde. Und so endete ein packender Fußballabend mit einem lehrreichen Fazit: Wer nach 45 Minuten glaubt, das Spiel sei gelaufen, hat noch nie den SC Feldkirchen gesehen. Vielleicht brachte es Siegtorschütze Knezevic am besten auf den Punkt: "Wir waren in der ersten Halbzeit wie ein Diesel. Aber wehe, wenn der mal warm ist." Und tatsächlich: Als die Flutlichter ausgingen, war es nicht nur der Strom, der erlosch - es war auch die Hoffnung der Rieder, an diesem Abend Punkte mitzunehmen. 23.02.643994 16:25 |
Sprücheklopfer
Unsere Chancen stehen 70:50.
Torsten Legat