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Ein Abend, wie ihn Drehbuchautoren lieben: 32.193 Zuschauer im sonnendurchfluteten Estadio de la Plana, zwei Mannschaften, die sich nichts schenken, 19 Schüsse der Gäste, 9 der Hausherren - und am Ende steht ein 1:0, das man in Villarreal wohl noch eine Weile feiern wird. Federico Girardi, der Mittelfeld-Maestro mit der Eleganz eines Schachspielers und der Geduld eines Uhrmachers, entschied die Partie in der 80. Minute nach Vorlage des aufgerückten Rechtsverteidigers Vicente Castro. Dabei hatte zu diesem Zeitpunkt kaum jemand mehr an einen Treffer geglaubt. Santa Cruz drückte, kombinierte, schoss - aber eben immer knapp vorbei oder direkt in die Arme von Xabier Barbosa, dem Torhüter des SC Villarreal, der an diesem Abend den Eindruck vermittelte, als könne er selbst einen Flummi fangen, der in einem Raum voller Spiegel springt. "Wir hätten zehn Stunden spielen können, und der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", seufzte Santa-Cruz-Coach Markus Trölsch später. "Vielleicht lag’s am Rasen. Oder am Mondstand. Oder einfach an Barbosa." Schon in den ersten Minuten zeichnete sich die Rollenverteilung ab: Santa Cruz mit offensiver Ausrichtung, Villarreal eher kompakt und auf Konter lauernd. Nach nur drei Minuten prüfte Paul Thygesen den heimischen Keeper mit einem wuchtigen Kopfball, kurz darauf nahm Daniel Arnaud Maß - wieder Barbosa. Die Gäste schossen aus allen Lagen, als gäbe es Bonuspunkte für Zielwasser. Doch der SC Villarreal blieb ruhig, fast stoisch, und suchte sein Glück in langen Pässen auf die schnellen Flügelspieler Otto König und Serafim Papadakis. König, 31 Jahre jung, wirkte in der ersten Hälfte wie ein Mann, der seine zweite Jugend entdeckt hat. In der 2. Minute schon feuerte er den ersten Warnschuss ab, später in Minute 23 und 54 noch zweimal - stets knapp vorbei. "Ich hab gezielt, ehrlich", grinste er nach dem Spiel, "aber der Ball hatte heute eigene Pläne." Mit 0:0 ging es in die Pause - ein Zwischenstand, den Villarreals Trainer Marcus Herrmann wohl liebend gern unterschrieben hätte. "Wir wussten, dass Santa Cruz viel Ballbesitz haben würde, aber das war okay", erklärte er. "Manchmal ist der beste Angriff einfach ein guter Kaffee in der Halbzeit und die Hoffnung auf einen Konter." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Santa Cruz drückte, Villarreal verteidigte. Roberto Bermudez, der rechte Flügelstürmer der Gäste, schien den Ball magisch anzuziehen - allein zwischen Minute 44 und 54 feuerte er viermal aufs Tor. Doch wieder kein Glück, wieder Barbosa. Spätestens da murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne: "Wenn der heute noch einen reinlässt, dann nur, weil er Mitleid hat." Und dann kam die 80. Minute. Ein seltener Angriff der Hausherren, Vicente Castro mit einem beherzten Lauf über die rechte Seite, flache Hereingabe in den Rückraum - und Federico Girardi zieht ab, eiskalt, präzise, unhaltbar. Tor für Villarreal. Das Stadion explodierte. Der sonst so stoische Girardi riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab mich einfach gefreut, dass der Ball endlich mal das tat, was ich wollte", sagte er mit einem Augenzwinkern. Santa Cruz warf in den letzten zehn Minuten alles nach vorn, doch es half nichts. Andreas Norgaard schoss in der 78. noch einmal gefährlich, Oleg Polupanow versuchte es in der 62., aber das Tor blieb wie vernagelt. Am Ende stand ein statistisch fast absurdes Resultat: 19 Schüsse für Santa Cruz, 9 für Villarreal, 50 zu 50 Prozent Ballbesitz - und trotzdem 1:0 für die Gelben. Trainer Herrmann kommentierte das lakonisch: "Statistiken gewinnen keine Spiele. Tore schon." Trölsch dagegen schüttelte nur den Kopf: "Wenn man so oft aufs Tor schießt und trotzdem verliert, muss man sich fragen, ob man vielleicht gegen die Gesetze der Physik spielt." Die Fans von Villarreal sahen das naturgemäß anders. Sie sangen, tanzten, und einer hielt ein Schild hoch, auf dem stand: "Effizienz ist sexy!" - womit er das Motto des Abends wohl perfekt zusammenfasste. Und so bleibt als Fazit eines intensiven Abends: Fußball ist manchmal kein Spiel der Logik, sondern des Moments. Santa Cruz war besser, Villarreal war cleverer - und Girardi hatte diesen einen Moment. Der Rest ist Statistik. Oder wie es Otto König später in der Mixed Zone formulierte, während er noch den Schlamm von den Stutzen klopfte: "Manchmal schießt du 19-mal daneben, manchmal einmal richtig. Heute war’s das Richtige - wenigstens für uns." 06.05.643990 09:16 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic