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FC Wil schießt sich warm - Willisau stemmt sich vergeblich

5000 Zuschauer kamen am Dienstagabend in das kleine Stadion von Willisau, um zu sehen, ob der FC Wil im Liga-Pokal der 2. Liga Schweiz nur schön spielt oder diesmal auch trifft. Die Antwort fiel eindeutig aus: 0:2 aus Sicht des FC Willisau - und das war noch das Beste, was man über diesen Abend aus heimischer Sicht sagen konnte.

Von Beginn an rollte die Offensivmaschine der Gäste aus Wil, als hätten sie sich vorgenommen, jeden Ball aufs Tor zu schießen, der ihnen zuflog. 24 Torschüsse, davon zwei drin, der Rest: Lehrmaterial für Schussstatistiker. Schon in den ersten zehn Minuten prüften Didier Reich und Luca Martel mehrfach den Willisauer Keeper Martin Van Moer, der nach dem dritten Ballkontakt in einer Minute grinsend zu seinem Innenverteidiger Seitz rief: "Wenn das so weitergeht, bestellen wir uns bald einen zweiten Torwart!"

In der 33. Minute war es dann soweit: Didier Reich, der rechte Flügelblitz aus Wil, bekam einen Pass von Juergen La Barre, zog nach innen und vollendete eiskalt zum 0:1. Van Moer streckte sich vergeblich, und der Ball landete dort, wo er am liebsten liegt - im Netz. "Ich hab einfach geschossen, weil ich keine Lust mehr auf Statistiken ohne Tore hatte", sagte Reich später mit einem breiten Grinsen.

Bis zur Pause änderte sich wenig am Bild: Willisau versuchte, mit viel Ballbesitz (am Ende sogar leicht vorne mit 50,8 Prozent) Ruhe ins Spiel zu bringen, doch jeder zweite Pass schien eher ein SOS-Signal als ein Aufbauversuch zu sein. Trainer Jens Bauer von Wil stand an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und nickte zufrieden. "Wir haben sie laufen lassen - so viel Ballbesitz darf man dem Gegner geben, wenn er nichts damit anfängt", meinte er nach dem Spiel trocken.

Willisau-Coach - der Name ging im Protokoll unter, vielleicht wollte er auch lieber anonym bleiben - wirkte dagegen zunehmend fassungslos. Nach einem Fehlpass in der 55. Minute brüllte er: "Kurzpassspiel, Leute! Kurz - das sind unter fünf Metern!" Die Mannschaft nahm es sich zu Herzen, allerdings nur für etwa zwei Minuten.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Wil drückte, Willisau verteidigte, und Van Moer hielt, was zu halten war - bis auf das, was nicht zu halten war. In der 60. Minute dann Schreckmoment für Wil: Der junge Frederic Saint-Pierre verletzte sich am Sprunggelenk und musste vom Feld. Für ihn kam Alfonso Gonzalo, der sich sofort ins Angriffsspiel einfügte, als wäre nichts gewesen.

Zwischendurch gab es auch die eine oder andere Szene, die an eine Theatervorstellung erinnerte: Paul Wilke sah in der 62. Minute Gelb, nachdem er Didier Reich sanft, aber bestimmt vom Ball getrennt hatte - "Ball gespielt", gestikulierte er, "Ball gespielt!" Der Schiedsrichter antwortete mit einem stummen, aber deutlichen Karton. Später traf es auch Christian Seitz in der 83. Minute, diesmal nach einer Grätsche, die man freundlich als "ambitioniert" bezeichnen konnte.

Kurz darauf war dann endgültig Schluss mit der Spannung: In der 84. Minute zog Linus Miller nach Vorlage von Ignacio Bermudo ab - 0:2. Ein Schuss, ein Jubel, ein Spiel entschieden. "Das war ein bisschen wie ein Montagmorgenkaffee - nötig und belebend", sagte Miller nach dem Spiel augenzwinkernd.

Willisau versuchte es noch einmal mit Eri Bellegarde, der in der 73. Minute tatsächlich einen Schuss aufs Tor brachte - der zweite und letzte des Heimteams an diesem Abend. "Ich wollte wenigstens etwas für die Statistik tun", scherzte er später.

Am Ende blieb es beim 0:2, einem Ergebnis, das die Kräfteverhältnisse durchaus treffend widerspiegelt. Wil hatte alles im Griff, ohne übermäßig emotional zu werden. 24 zu 2 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das sind Zahlen, die man nicht schönreden kann, wenn man auf der falschen Seite steht.

Trainer Bauer fasste es nüchtern zusammen: "Wir hätten auch 4:0 gewinnen können, aber dann hätten wir uns zu früh satt gefühlt." Und Van Moer, der tapfere Torhüter aus Willisau, meinte trocken: "Ich hab heute mehr Bälle gesehen als meine Familie in den letzten drei Wochen."

Ein bitterer Abend also für Willisau, aber einer, der zumindest gezeigt hat, dass man auch mit 0:2 verlieren und trotzdem Applaus bekommen kann - für Kampf, Wille und Humor. Vielleicht ist das ja die wahre Kunst im Fußball: verlieren, ohne die Haltung zu verlieren.

Und wer weiß - vielleicht schießt Willisau beim nächsten Spiel ja auch mal öfter aufs Tor. Zwei Mal wäre jedenfalls ein Anfang gewesen.

06.06.643987 23:05
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