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Wenn 18.895 Zuschauer an einem kühlen Märztag im Idrottsparken auftauchen, dann hoffen sie auf mehr als eine laue Frühjahrsbrise. Und tatsächlich: Der FC Norrköping begann seinen Auftakt in die "1. Liga Schweden" mit einem 3:1 gegen Jönköping BK - ein Ergebnis, das nach nervösem Beginn und spätem Aufdrehen wie ein warmer Rückenwind in die neue Saison wehte. Dabei ging der Abend denkbar ungünstig los. Bereits in der 10. Minute zirkelte Jönköpings Ferdinand Sundström den Ball trocken ins Netz. Norrköpings Keeper Tyler Prentiss sah dem Leder hinterher wie ein Mann, der gerade überlegt, ob er den Regenschirm hätte mitbringen sollen. Assistiert wurde Sundström von seinem Innenverteidiger Hjalmar Berglund - ein Pass, der so präzise war, dass man fast vermuten konnte, er habe das Lineal am Schuh kleben. "Da waren wir noch im Winterschlaf", knurrte Norrköpings Trainer Rico Moschke nach dem Spiel. "Aber zum Glück hat der Pausentee gewirkt - oder vielleicht war’s der Kaffee." Vor der Pause kam seine Mannschaft jedoch langsam in Fahrt. Der ausdauernde Mittelfeldmotor Hugo Bruun traf in der 37. Minute zum Ausgleich. Ein Schuss, der so trocken war, dass kein Rasenhalm mehr feucht blieb. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Bruun später, "und gehofft, dass der Ball keine eigenen Pläne hat." Mit dem 1:1 ging es in die Kabinen - und dort muss Moschke wohl die richtigen Worte gefunden haben. Vielleicht so etwas wie: "Jungs, die Saison hat angefangen, wir dürfen jetzt auch mitspielen." Denn nach Wiederanpfiff übernahm Norrköping das Kommando. Ballbesitz? Fast ausgeglichen (50 zu 50), aber die Hausherren machten mehr daraus. Insgesamt zwölf Torschüsse standen am Ende zu Buche - vier mehr als die Gäste - und vor allem einer, der das Spiel kippte: In der 58. Minute schloss Brede Braaten eine feine Kombination über Raphael Freund ab. Braaten, zuvor schon mit Gelb verwarnt, schien beschlossen zu haben, dass man sich auch mit Toren Respekt verschaffen kann. "Ich wollte zeigen, dass ich nicht nur foulen kann", sagte er mit einem Augenzwinkern. Von da an spielte Norrköping befreit auf. Besonders auffällig: die rechte Seite, über die Freund und Bengtsson immer wieder gefährlich nach vorne kamen. Jönköping antwortete mit halbem Druck - ihr Pressing blieb, wie schon in der Taktikanalyse vorhergesagt, eher theoretischer Natur. Das Team von Trainer Karl-Erik Lund (der nach dem Spiel wortkarg blieb) wirkte, als hätte es vergessen, dass man für Ballgewinne auch mal in die Nähe des Gegners kommen muss. Beim 3:1 in der 78. Minute war dann endgültig die Messe gelesen. Innenverteidiger Fritjof Johnsen, der bis dahin vor allem durch lautstarke Kommandos aufgefallen war, wuchtete den Ball nach einer Braaten-Vorlage per Kopf ins Tor. Der Jubel war groß, und Johnsen brüllte über den Platz: "Jetzt seht ihr mal, was ein Verteidiger so kann!" - was man ihm in diesem Moment gern glauben wollte. Die restlichen Minuten wurden zum Schaulaufen. Moschke wechselte noch den 19-jährigen Antonio Morte ein, der prompt zwei Dribblings hinlegte und anschließend erklärte: "Ich wollte einfach nur zeigen, dass ich keine Angst habe. Und vielleicht auch, dass ich laufen kann." Das Publikum honorierte es mit freundlichem Applaus - der Rest des Spiels verlief ohne Drama, aber mit klarer Handschrift: Norrköping war wach, Jönköping wirkte müde. Ein Blick auf die Statistik bestätigt den Eindruck: Norrköping mit leichtem Vorteil in den Zweikämpfen (51,6 Prozent), ein ausgeglichenes Ballbesitzverhältnis, aber deutlich mehr Zug zum Tor. Jönköping hatte seine Chancen - acht Torschüsse insgesamt, einige davon durch den agilen Sundström - doch am Ende blieb es beim einen Treffer aus der Anfangsphase. "Wir haben den Gegner stark gemacht, dann selbst wieder aufgebaut", bilanzierte Moschke trocken. "Ein bisschen wie Ikea-Möbel - erst alles auseinandernehmen, dann wieder zusammenbauen." Das Publikum verabschiedete sein Team mit stehenden Ovationen, und die Spieler winkten, als ginge es schon um Titel und Pokale. Ein gelungener Start, keine Frage - aber auch ein Hinweis darauf, dass Norrköping in dieser Saison mehr will als Mittelmaß. Oder, wie Torschütze Braaten beim Hinausgehen sagte: "Wenn wir so weitermachen, muss der Rasen bald doppelt so schnell wachsen - wir brauchen mehr Platz für all die Tore." Ein Satz, der nach Saisonstart klingt. Und nach einem Team, das begriffen hat: Frühling ist, wenn der Ball wieder rollt - und man ihn nicht mehr an den Gegner verliert. 11.11.643993 12:28 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
Otto Rehhagel über Querelen in der Führungsetage des FCK