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Ein kalter Januarabend in Nauco, Flutlicht, 21.450 frierende, aber glückselige Zuschauer - und ein Heimteam, das sich an diesem 10. Spieltag der 1. Liga Schweden in Torlaune zeigte. Der FC Nauco fegte Ersboda BK mit 4:1 vom Platz und ließ dabei kaum Zweifel, wer Herr im Haus ist. Trainer Mr. Hawk stand nach Abpfiff mit einem breiten Grinsen am Spielfeldrand: "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon friert, dann lauft euch wenigstens warm." Gesagt, getan. Das Spiel begann mit einem Paukenschlag: Schon in der 3. Minute zappelte der Ball im Netz der Gäste. Martin Pfeiffer, der flinke Linksaußen mit Hang zur Dramatik, vollendete nach feinem Zuspiel von Josef Mattson. Der Jubel hallte noch durchs Stadion, als Ersboda BK die Antwort parat hatte. Nur vier Minuten später traf Paulus Karlson aus zentraler Position - vorbereitet von Gudmund Henriksson, der auf der linken Seite einmal kurz den Verteidiger einschläferte. 1:1 - und alles wieder offen. Doch wer dachte, dass die Partie nun ausgeglichen verlaufen würde, hatte die Rechnung ohne Naucos jugendlichen Übermut gemacht. Der erst 17-jährige Vilhelm Paulsson, laut eigener Aussage "noch nicht mal alt genug für den Mannschaftskaffee", brachte sein Team in der 41. Minute wieder in Front. Nach einem klugen Pass von Mattias Nilsson vollendete er eiskalt ins rechte Eck. "Ich hab einfach die Augen zugemacht - und gehofft", grinste der Teenager später. Mit der 2:1-Führung ging es in die Pause - und während sich die Fans mit heißem Kakao und noch heißeren Diskussionen über die Abseitsregel die Zeit vertrieben, zeichnete sich schon ab, dass Ersboda einen langen Abend erleben würde. Nach dem Seitenwechsel blieb FC Nauco das dominierende Team. Ballbesitz leicht über 52 Prozent, 19 Torschüsse zu mageren 3 der Gäste - das war kein Zufall, sondern Ausdruck purer Kontrolle. In der 63. Minute setzte Innenverteidiger Joonas Koppinen ein echtes Zeichen: Nach einer Ecke von Nilsson stieg er höher als alle anderen und köpfte zum 3:1 ein. "Ich bin eigentlich kein Kopfballungeheuer", meinte er hinterher schmunzelnd, "aber heute hab ich wohl vergessen, dass ich das nicht kann." Ersboda BK dagegen verlor zunehmend die Nerven. Herbert Larsson hatte bereits in der 21. Minute Gelb gesehen - und in der 65. Minute folgte die Ampelkarte. "Ein bisschen zu motiviert", fasste Gästecoach Piel Juergen trocken zusammen. "Er wollte den Ball spielen. Leider hatte der Ball zu dem Zeitpunkt schon Feierabend." Mit einem Mann mehr ließ Nauco den Ball laufen wie auf einem Trainingsplatz. "Das war dann fast schon Kunstturnen mit Ball", meinte ein Zuschauer lachend. In der 77. Minute krönte Georg Ohlsson die Vorstellung mit dem 4:1. Wieder war Nilsson der Vorlagengeber - der 19-Jährige hatte an diesem Abend gefühlt mehr zentimetergenaue Zuspiele als ein Lasermessgerät. Danach durfte der Nachwuchs ran: Artur Ohlsson (17) und Vilhelm Eriksson (ebenfalls 17) wurden eingewechselt. "Wenn die so weitermachen, kann ich bald in Rente gehen", witzelte Trainer Hawk. Ersboda versuchte zwar, den Schaden zu begrenzen, doch außer einer Gelben Karte für Asier Quaresma (82.) und einem harmlosen Schuss von Sundström kam nichts Zählbares zustande. Nauco hingegen hätte das Ergebnis noch höher schrauben können, aber man wollte offenbar höflich bleiben. Am Ende stand ein klares 4:1 - und das Gefühl, einer Mannschaft beim Aufblühen zugesehen zu haben. "Das war heute Fußball, nicht Schach", fasste Pfeiffer treffend zusammen. Gästecoach Juergen wirkte derweil ratlos: "Wir haben versucht, offensiv zu bleiben, aber Nauco hat uns ausgekontert, noch bevor wir anfingen zu denken." Sein Team hatte am Ende 48 Prozent Ballbesitz - doch der Ballbesitz war so nutzlos wie ein Regenschirm im Schneesturm. Als die Flutlichter erloschen, blieb ein Bild: junge Wilden in Blau, die sich lachend in den Armen lagen. "Das war erst der Anfang", versprach Nilsson zum Abschied. Und wenn sie weiter so spielen, wird der FC Nauco demnächst nicht nur die 1. Liga Schweden aufmischen - sondern auch die Heizkostenabrechnung ihrer Fans senken. Wer bei solchen Spielen friert, ist selbst schuld. 13.05.643987 06:48 |
Sprücheklopfer
Ich hab früher schon in der Westkurve gestanden und Lothar Matthäus beschmissen.
Mario Basler