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Es war einer dieser Abende, an denen man in Falmouth ahnte, dass etwas in der Luft lag. 62.015 Zuschauer drängten sich im Stadion, die Sonne war gerade hinter den Palmen verschwunden, und Trainer Hermann Tüllinghoff grinste schon vor dem Anpfiff verdächtig selbstbewusst. "Wenn wir heute so laufen wie gestern beim Abschlusstraining, dann läuft’s", sagte er - und er sollte recht behalten. Von Beginn an übernahmen die Falmouth Villagers das Kommando, als hätten sie den Platz gemietet und vergessen, die Kingston Junglists darüber zu informieren. Schon in der ersten Minute prüfte Moritz Brun den Junglists-Keeper Erik Günther mit einem Distanzschuss - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Die Villagers schossen insgesamt 17-mal aufs Tor, während Kingston mit mageren drei Versuchen eher den Anschein erweckte, sie hätten sich versehentlich in ein Cricketstadion verirrt. In der 22. Minute platzte der Knoten: Aki Lampi, der bullige Finne im Sturmzentrum, verwertete eine butterweiche Flanke von Aaron MacKay per Kopf ins rechte Eck. 1:0 - und das Stadion vibrierte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass der Ball mich findet", lachte Lampi nach dem Spiel. Er fand ihn. Kurz darauf mussten die Villagers allerdings früh wechseln: Isidoro Cortes, der bereits nach sechs Minuten Gelb gesehen hatte, wurde von Tüllinghoff vorsichtshalber vom Feld genommen. "Ich wollte nicht, dass er noch den Parkplatz trifft, bevor er die Dusche sieht", witzelte der Trainer. Alejandro Gil kam rein und fügte sich nahtlos in das offensive Pressing ein, das die Gäste völlig überforderte. Zur Pause stand es 1:0, doch die Körpersprache der Junglists verriet: Das wird ein langer Abend. Kingston-Coach Andreas Müller versuchte in der Kabine offenbar, an den Stolz seiner Spieler zu appellieren. "Wir wollten mutiger auftreten", sagte er später. "Leider hat das nur der Linienrichter gehört." Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, klingelte es erneut. In der 50. Minute setzte sich Theo Boyle, gerade mal 21 Jahre jung und flink wie ein Kolibri, auf dem linken Flügel durch. Nach einem perfekten Zuspiel von Felix Bachmann schlenzte er den Ball in die lange Ecke - 2:0. Günther streckte sich vergeblich. Boyle rief danach in Richtung Trainerbank: "Ich hab’s dir gesagt, Coach, heute wird’s mein Tag!" Kingston fand darauf keine Antwort. Ihre Taktik blieb "balanced", ihr Spiel hingegen völlig aus der Balance. Statt gefährlicher Angriffe gab es harmlose Versuche von Jermolai Fedotow (52.) und Joel Billet (74.), die Falmouth-Keeper François Lalonde eher als höfliche Grußkarten verstand. Die Villagers spielten weiter mutig nach vorn. In der 69. Minute folgte der endgültige Knockout: Ethan Thuringer, der Routinier im Sturm, traf nach feinem Doppelpass mit Lucas Huxley eiskalt zum 3:0. "Das war wie Training mit Hütchen", grinste Thuringer nach Abpfiff - nicht ohne Stolz. Danach wurde’s hitzig. Joel Billet, Kingstons linker Verteidiger, sah erst Gelb (55.) und später Gelb-Rot (84.), nachdem er Theo Boyle beherzt an der Eckfahne stoppte - allerdings mit beiden Beinen voraus. Müller schüttelte nur den Kopf: "Joel wollte den Ball treffen, hat aber wohl vergessen, dass Boyle kein Ball ist." Die letzten Minuten spielten die Villagers mit sichtbarem Vergnügen herunter - fast schon zu entspannt. Ballbesitz 51,5 Prozent, Zweikampfquote 57 Prozent, Pressing wie aus dem Lehrbuch. Das Publikum feierte jede gelungene Kombination, als ginge es um die Meisterschaft. "Wir waren heute einfach galliger", sagte Trainer Tüllinghoff später. "Und wenn man gallig ist, darf man auch mal schön spielen." Dem war nichts hinzuzufügen - außer vielleicht, dass Kingston nach Abpfiff wohl lieber unauffällig die Insel gewechselt hätte. Fazit: Die Falmouth Villagers liefern einen perfekten Heimabend, dominieren in allen Belangen und schicken die Kingston Junglists mit einem verdienten 3:0 nach Hause. Für Tüllinghoff und seine Mannschaft war es nicht nur ein Sieg, sondern eine Demonstration von Spielfreude - und ein lautes Statement im Titelrennen der 1. Liga Jamaica. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions lachend sagte: "Wenn das so weitergeht, müssen die Villagers bald Eintritt verlangen - auch fürs Training." 07.09.643987 14:39 |
Sprücheklopfer
Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
Fritz Walter Junior