Jamaica News Bulletin
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Falmouth Villagers siegen knapp - Kingston TG verzweifelt am eigenen Mut

Es war einer dieser Abende, an denen 57.359 Zuschauer im Nationalstadion von Kingston dachten, sie bekämen ein Fußballfeuerwerk zu sehen - und bekamen stattdessen eine Lehrstunde in Geduld, Effizienz und, nun ja, gepflegtem Ärgernis. Kingston TG verlor am 29. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit 0:1 gegen die Falmouth Villagers, und das auf eine Art, die Trainer Zion Marley nach Abpfiff seufzen ließ: "Wir wollten offensiv spielen. Hat ja auch ganz gut geklappt - bis zum Strafraum."

Dabei hatte Marley seine Jungs mutig eingestellt: offensiv ausgerichtet, ausgewogen im Passspiel, kein Pressing. Der Plan: das Spiel kontrollieren, Falmouth laufen lassen, dann zuschlagen. Der Haken: Falmouth ließ sich nicht laufen. Trainer Hermann Tüllinghoff hatte seine Villagers auf Konter und Intensität getrimmt - aggressiv, laufstark, mit langen Pässen und der Lizenz zum Draufhalten. 14 Torschüsse später stand ein mageres, aber verdientes 0:1 auf der Anzeigetafel.

Die erste Halbzeit? Ein Musterbeispiel für vertane Chancen - allerdings nur auf einer Seite. Falmouths Mittelfeldmotor Lucas Huxley prüfte in der 15. Minute Kingston-Keeper Marcio Figo erstmals, kurz darauf drosch Stephane Prinsloo den Ball ans Außennetz, und Sebastien Gagne verfehlte das Ziel gleich doppelt (24. und 28. Minute). Kingston hingegen wirkte wie ein Trabi im Formel-1-Feld: bemüht, aber nie wirklich gefährlich. Nur der junge Sebastien Huxley, 19 Jahre jung und mit dem Mut der Ahnungslosen, zwang Gästetorwart François Lalonde in der 44. Minute zu einer Parade, die das Publikum wenigstens einmal aufspringen ließ.

In der Pause sollen sich laut einem Stadionmikro zwei Fans gestritten haben, ob Kingston überhaupt schon im gegnerischen Strafraum war. "Na klar, beim Einlaufen!", witzelte einer - und leider hatte er wohl recht.

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, kam das, was sich schon angedeutet hatte: In der 54. Minute kombinierte Falmouth über Lucas Huxley, der mit einem butterweichen Pass Sebastien Gagne freispielte. Gagne nahm den Ball mit der Brust, zog ab - und ließ Figo im Tor keine Chance. 1:0 für Falmouth, und es roch nach Vorentscheidung.

"Das war wie im Training", grinste Gagne später in die Mikrofone. "Nur dass im Training keiner so laut schreit, wenn man trifft." Trainer Tüllinghoff ergänzte trocken: "Wir hätten das 2:0 machen müssen, aber ich nehme auch so drei Punkte. Effizienz ist schließlich auch eine Kunstform."

Kingston reagierte mit Wechseln. In der 49. Minute kam der 18-jährige Javi Garcez für den überforderten Sefa Oktay, später Olivier Buffet für Carsten Jakob. Doch die frischen Beine halfen wenig - Falmouth blieb gefährlich, Kingston blieb ratlos. Eric Graves versuchte es in der 58. Minute aus spitzem Winkel, doch Lalonde stand sicher.

Die Statistik sprach da längst Bände: 14 zu 2 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz für die Gäste, eine Zweikampfquote von 56,5 Prozent. Nur in Sachen Gelbe Karten konnte Kingston mithalten - Olivier Buffet sah in der 87. Minute den Karton, vermutlich aus purer Frustration.

Falmouth spielte das Ergebnis routiniert herunter, brachte in der 75. Minute Routinier Ethan Thuringer und kurz vor Schluss den erfahrenen Jasper Van Achte. Kingston rannte weiter an, allerdings eher wie eine Windböe gegen eine Betonwand.

Nach dem Schlusspfiff zeigte sich Zion Marley bemüht, das Positive zu finden: "Wir haben viel gelernt. Vor allem, dass Ballbesitz ohne Zielrichtung auch kein Konzept ist." Sein Gegenüber Tüllinghoff hielt sich das Lachen kaum zurück: "Ich liebe so Spiele. Wenn du merkst, dass der Gegner sich fragt, warum er eigentlich so viel läuft."

In den Katakomben hörte man später einen Kingston-Spieler murmeln: "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal einfach auch schießen." Ein Satz, der sich als treffende Zusammenfassung des Abends eignet.

Die Falmouth Villagers festigen mit dem Sieg ihren Platz im oberen Tabellendrittel, während Kingston TG weiter im Niemandsland der Liga festhängt - irgendwo zwischen Selbstüberschätzung und Pech.

Oder, wie ein altgedienter Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn Fußball Kunst ist, dann war das heute moderne Kunst. Ich hab’s nicht verstanden, aber irgendwie war’s interessant."

So endete ein Abend, der weniger von Toren als von verpassten Chancen lebte - und von der Erkenntnis, dass man Spiele auch mit einem einzigen sauberen Schuss gewinnen kann. Falmouth tat’s, Kingston träumt weiter.

20.12.643987 17:58
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