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Der 15. Spieltag der 1. Liga Jamaica bot an diesem Samstagabend alles - außer Spannung. Vor 40.000 Zuschauern im Clarendon-Stadion demonstrierten die Falmouth Villagers, wie man mit Geduld, Robustheit und einem Hauch Zynismus ein Auswärtsspiel mit 2:0 gewinnt. Clarendon Sporting hingegen bot eine Vorstellung, die den Heimanhängern eher den heißen Pattie im Hals stecken ließ als Jubelstürme. Schon der erste Torschuss der Gäste in der ersten Minute - ein Pfund aus 20 Metern von Aki Lampi - war ein Vorgeschmack auf das Kommende. Torwart Louis Buffett lenkte ihn zwar über die Latte, aber die Richtung war klar: Falmouth wollte früh die Verhältnisse klären. Clarendon dagegen wirkte, als würde man erst nach dem dritten Anpfiff aus der Kabine kommen. In der 22. Minute fiel dann, was sich längst angekündigt hatte: Robert Desjardins, der rechte Flügelblitz der Villagers, nagelte den Ball nach Vorlage von Innenverteidiger Daniel Gaudin trocken ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, dachte, der Ball wird eh geblockt - aber dann war’s halt drin", grinste Desjardins später. Während sein Trainer Hermann Tüllinghoff an der Seitenlinie nur trocken murmelte: "So haben wir’s im Training nicht geübt - aber wer bin ich, mich zu beschweren?" Clarendon versuchte zu reagieren, blieb aber erschreckend harmlos. Ein einziger Torschuss in 90 Minuten - von Linksverteidiger Christian Blanchard in der 17. Minute - beschreibt das Dilemma besser als jedes Taktikboard. Der Ballbesitz war mit 43 Prozent zwar nicht katastrophal, doch was die Hausherren daraus machten, war eine Mischung aus Sicherheitsball und Selbstsabotage. Zu allem Überfluss flog Jake Washington kurz nach der Pause mit Gelb-Rot vom Platz. Erst hatte er in der 20. Minute wegen eines rustikalen Einsteigens die Gelbe gesehen, dann in der 49. Minute für ein taktisches Foul an Desjardins die Ampelkarte. "Ich berühr ihn kaum, ehrlich!", rief Washington noch, während er unter Pfiffen Richtung Kabine trottete. Sein Trainer schwieg - vielleicht eine weise Entscheidung. Ab da kontrollierten die Villagers das Spiel mit der Gelassenheit eines Teams, das wusste, dass Clarendon an diesem Abend kein Tor schießen würde, selbst wenn das Tor doppelt so groß wäre. 15 Torschüsse der Gäste standen einem der Hausherren gegenüber - eine Statistik, die Trainer Tüllinghoff nach der Partie mit einem zufriedenen "Das ist Fleißarbeit, keine Zauberei" kommentierte. Taktisch blieb Falmouth seiner Linie treu: offensiv ausgerichtet, aggressiv im Zweikampf (58 Prozent gewonnene Tacklings) und mit langen Bällen, die Clarendons Hintermannschaft regelmäßig in Verlegenheit brachten. Besonders der 35-jährige Mittelfeldstratege José Fernandes zeigte, dass Erfahrung manchmal einfach mehr wert ist als jugendlicher Eifer. In der Nachspielzeit krönte er sich dann selbst zum Mann des Abends: Nach feiner Vorarbeit von Aaron MacKay schob Fernandes in der 90. Minute überlegt zum 2:0 ein. "Manchmal muss man einfach nur ruhig bleiben, wenn alle anderen schon jubeln wollen", sagte der Routinier mit einem Lächeln, das so breit war wie das Spielfeld. Clarendon kämpfte bis zuletzt - oder zumindest taten sie so. In der 88. Minute zeigte Fernando Bermudo noch einmal Einsatz, allerdings in Form einer Gelben Karte für ein Frustfoul. Es war sinnbildlich für einen Abend, an dem die Gastgeber mehr Karten als Chancen sammelten. Nach dem Schlusspfiff war die Stimmung geteilt: Während die Falmouth-Spieler ausgelassen tanzten, schlichen die Clarendon-Profis mit hängenden Köpfen vom Platz. "Wir haben offensiv gespielt, aber irgendwie ohne Offensive", kommentierte ein sichtlich genervter Mittelfeldmann Jorgen Gulbrandsen. "Vielleicht sollten wir das nächste Mal defensiv auftreten - dann überrascht es wenigstens niemanden." Hermann Tüllinghoff hingegen zeigte sich in bester Laune, als er auf der Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern fragte: "Kann ich das Ergebnis schon an den Verband faxen, oder warten wir auf den Videobeweis?" Ein verdienter Sieg also für die Falmouth Villagers, die mit dieser souveränen Auswärtsleistung weiter Richtung Tabellenoberhaus marschieren. Clarendon Sporting dagegen sollte dringend die Frage beantworten, wie man mit 40.000 Zuschauern im Rücken so wenig Feuer entfachen kann. Vielleicht hilft eine Trainingswoche mit weniger Taktik und mehr Torriecher - oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions seufzte: "Vielleicht hilft ja auch einfach ein Wunder." 30.06.643987 04:35 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
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