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Wenn 66.412 Zuschauer in Falmouth auf den Rängen stampfen, wackelt nicht nur das Stadion, sondern offenbar auch der Gegner. Die Villagers besiegten den Whistling FC am 4. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit 3:1 - und das in einer Partie, die von Leidenschaft, langen Bällen und einer gehörigen Portion Selbstironie geprägt war. Trainer Hermann Tüllinghoff hatte seine Elf wie gewohnt offensiv eingestellt - ein System auf Speed, Herz und gelegentliche Hauruck-Pässe. "Wir spielen nicht schön, aber effektiv", grinste er nach Abpfiff, als noch der letzte Rauch der Bengalos über den Rasen zog. Von Beginn an machten die Hausherren klar, wer hier das Kommando führt: Schon in der ersten Minute prüfte der junge Theo Boyle den gegnerischen Keeper Adrian Miguel - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Die Villagers schossen insgesamt 17 Mal aufs Tor, die Gäste gerade mal sechs. Dennoch hatte Whistling FC zunächst mehr Ballbesitz (53 Prozent) - was aber ungefähr so gefährlich war wie ein Regenschirm im Sturm. In der 44. Minute platzte der Knoten: Felix Bachmann setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte butterweich in die Mitte, und Sebastien Gagne drosch den Ball mit der Wucht eines Presslufthammers unter die Latte. 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten", lachte Gagne später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Wenn ich gezielt hätte, wäre er wahrscheinlich drübergegangen." Zur Halbzeit musste Tüllinghoff dann wechseln - Isidoro Cortes kam für den angeschlagenen Jelle Van Buren. "Jelle meinte, er spürt was im Oberschenkel. Ich hab gesagt: Dann spür lieber die Bank", witzelte der Trainer. Nach dem Seitenwechsel wurde es ruppiger. Innenverteidiger Daniel Gaudin sah in der 66. Minute Gelb, nachdem er den heranstürmenden Corey Hannigan - ja, der Namensvetter des späteren Doppeltorschützen Finlay - etwas zu herzlich begrüßte. "Das war pure Bruderliebe", scherzte Finlay später. Zehn Minuten zuvor hatte er selbst die Weichen auf Sieg gestellt. Marcio Morte, der alte Stratege im Mittelfeld, spielte einen Pass durch drei Abwehrbeine hindurch, und Finlay Hannigan verwandelte eiskalt zum 2:0 (63.). "Ich hab einfach gemacht, was Marcio mir immer sagt: Kopf runter und netzen", sagte Hannigan. Morte konterte trocken: "Ich sag das auch beim Training - aber da trifft er selten." Whistling FC versuchte, die Partie mit offensiver Ausrichtung zu drehen, doch so richtig Pfeife war da keine mehr im Orchester. Corey Hannigan sah Gelb (79.), und als Finlay in der 87. Minute erneut nach Morte-Vorlage zum 3:0 einschob, war die Messe gelesen. Das Publikum tobte, Bierbecher flogen, und Tüllinghoff riss die Arme hoch - fast so, als hätte er selbst getroffen. "In dem Moment dachte ich, wir sind durch", gestand er, "aber Whistling FC wollte uns wohl noch mal den Puls fühlen lassen." In der Nachspielzeit (92.) gelang Joshua Winston nach Vorlage von David Grenier noch der Ehrentreffer zum 3:1. Ein schöner Schuss, zu spät, aber immerhin ein Trostpflaster für Trainer Gus Hidding, der sich nach dem Spiel sichtlich um Fassung bemühte: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber leider kein Ballgefühl. Vielleicht trainieren wir nächste Woche mal aufs Tor." Die Villagers hingegen dürfen feiern - mit 3:1, drei Punkten und jeder Menge Selbstvertrauen. Auch wenn Tüllinghoff warnte: "Wir dürfen jetzt nicht abheben. Wir sind keine Samba-Truppe, sondern immer noch die Villagers." Ein junger Fan rief ihm auf dem Weg in die Kabine zu: "Coach, das war Magie!" Tüllinghoff drehte sich um, grinste und sagte: "Nein, das war Training. Und ein bisschen Glück." Fazit: Die Falmouth Villagers haben an diesem Abend bewiesen, dass Willenskraft, Tempo und ein Finlay in Torlaune mehr wert sind als 53 Prozent Ballbesitz. Whistling FC hingegen muss sich fragen, ob gepflegtes Kurzpassspiel ohne Zielwasser wirklich noch zeitgemäß ist. Ein Spiel, das zeigte: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb - aber wer trifft, hat am Ende die besseren Argumente. 22.02.643987 19:14 |
Sprücheklopfer
Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
Rudi Völler