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Was für ein Abend im Duhaney-Stadion von Kingston: 49.875 Zuschauer sahen am Montagabend, wie die Falmouth Villagers dem heimischen Duhaney Park eine Lehrstunde in Sachen Effizienz und Geduld erteilten. 0:2 hieß es am Ende des 25. Spieltags der 1. Liga Jamaica - und ehrlich gesagt: Mit etwas mehr Zielwasser hätte es auch 0:5 ausgehen können. Schon in den ersten Minuten wurde klar, dass Falmouth mit einem Plan angereist war. Trainer Hermann Tüllinghoff, bekannt für seine Mischung aus norddeutscher Nüchternheit und karibischem Temperament, hatte sein Team auf frühes Pressing und schnelles Umschalten eingestellt. Bereits in der dritten Minute zwang Finlay Hannigan den jungen Keeper René Payne zu einer Glanztat - die erste von vielen. Während Duhaney Park noch versuchte, Ordnung zu finden, schossen die Villagers aus allen Lagen: Gagne in der 4. Minute, Hannigan in der 15., Longas in der 28. - es war ein Dauerfeuer auf das Tor der Gastgeber. In der 29. Minute war es dann soweit. Nach einem feinen Doppelpass mit Jose Maria Longas zog der 21-jährige Joel Marshal von links nach innen und platzierte den Ball flach ins rechte Eck. 0:1 - und das völlig verdient. Payne flog, streckte sich, aber am Ende blieb nur der resignierte Blick in den Nachthimmel. "Ich hab ihn kommen sehen, aber nicht kommen gespürt", sagte der Torhüter später mit einem gequälten Lächeln. Trainerin Elisa Fernanda von Duhaney Park versuchte, ihre Jungs wachzurütteln. "Wir wollten offensiv spielen, aber irgendwie haben wir das Tor mit dem Gegner verwechselt", klagte sie nach dem Spiel halb im Scherz, halb im Ernst. Ihre Elf brachte es in 90 Minuten auf ganze zwei Torschüsse - beide von Nicolas Bisson, der allerdings eher aussah, als wolle er den Ball aus dem Stadion schießen, statt ins Netz. Duhaney Park wirkte bemühter als gefährlich. Drei Gelbe Karten (Gady 14., Haddock 21., Schmidt 39.) zeigten, dass sie ihre Verzweiflung wenigstens gleichmäßig über alle Mannschaftsteile verteilten. Kurz vor der Pause wechselte Falmouth den Torhüter: Ernesto Ferrer kam für den erfahrenen François Lalonde - eine Maßnahme, die sich im Nachhinein als fast überflüssig herausstellte, denn Duhaney brachte Ferrer kein einziges Mal ernsthaft in Bedrängnis. In der zweiten Halbzeit schaltete Falmouth kurz einen Gang zurück, nur um dann wieder anzuziehen. In der 62. Minute war es Gerard Eliot, der nach mustergültiger Vorarbeit von Jose Fernandes zum 0:2 traf. Der Ball zischte wie eine Postkarte aus dem Lehrbuch der Präzision ins lange Eck. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Eliot später. "Und siehe da - manchmal klappt das sogar." Fernanda reagierte, brachte den 28-jährigen Jean-Pierre Winston für den verletzten Bradley Letourneur (78.), doch auch das brachte keine Wende. Stattdessen wirbelten die Villagers weiter. Longas, Gagne, Van Achte - sie alle hatten noch Chancen, das Ergebnis auszubauen, doch entweder stand Payne im Weg oder der Ball flog in die benachbarte Zuckerrohrplantage. In der 90. Minute dann ein Schreckmoment für Falmouth: Stürmer Ethan Thuringer blieb nach einem Zweikampf liegen, musste behandelt und schließlich vom Platz geführt werden. "Ein Schlag aufs Schienbein, nichts Dramatisches", beruhigte Trainer Tüllinghoff später. "Aber vielleicht eine gute Gelegenheit, dem Jungen mal eine Pause zu geben - er hat ja nur 21 Mal aufs Tor geschossen, das wird ja auch anstrengend." Die Statistik sprach eine eindeutige Sprache: 21 Schüsse für Falmouth, 2 für Duhaney. 58 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 42 für die Hausherren. Tacklingquote: 58 zu 42 - auch da lag Falmouth vorn. Die Villagers kontrollierten das Spiel, als hätten sie es gemietet. "Das war heute ein Klassenunterschied", gab Duhaneys Trainerin Fernanda zu. "Aber wir haben junge Spieler, die lernen schnell. Hoffentlich schneller als Falmouths Schüsse fliegen." Und so endete ein Abend, der den Villagers drei Punkte und Duhaney Park eine Menge Nachdenkstoff brachte. Auf den Tribünen summte das Publikum noch lange nach Abpfiff, einige pfiffen, andere klatschten höflich - und einer rief: "Vielleicht nächstes Jahr!" Vielleicht. Aber an diesem Montagabend tanzte nur einer: Falmouth. Und Duhaney Park stand daneben und zählte mit. 04.11.643987 08:58 |
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