Jamaica News Bulletin
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Falmouth siegt im Bruderduell - Villagers ringen die Blues mit 3:2 nieder

Es war ein Abend, der selbst Shakespeare gefallen hätte: zwei Brüder auf den Trainerbänken, 70.315 Zuschauer im Fieber, fünf Tore, ein verletzter Veteran und ein Teenager, der kurzzeitig die Geschichte umzuschreiben schien. Am 17. Spieltag der 1. Liga Jamaica besiegten die Falmouth Villagers die Kingston Blues mit 3:2 (2:2) - in einem Spiel, das an Dramatik kaum zu überbieten war.

Schon nach fünf Minuten bebte das Stadion: Moritz Brun, der 35-jährige Mittelfeld-Dauerläufer der Villagers, drosch den Ball nach Zuspiel von Robert Desjardins aus gut 20 Metern ins Netz. "Ich hab einfach mal draufgehalten - und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet", grinste Brun später. Zwei Minuten später revanchierte sich Desjardins selbst - diesmal war er der Vollstrecker, bedient von Gerard Eliot. 2:0 nach sieben Minuten. Da rieb sich selbst Trainer Hermann Tüllinghoff die Augen: "Ich dachte kurz, wir hätten ein anderes Team aufgestellt."

Doch die Kingston Blues - trainiert von Hermanns Bruder Kevin - ließen sich nicht demütigen. Der junge Thierry Neville (gerade mal 20) verkürzte in der 34. Minute nach feinem Pass des Routinier Jerome Carey auf 2:1. Carey, bekannt für seine Spielübersicht und seine Liebe zu langen Bällen, zwinkerte danach in Richtung der Tribüne: "Manchmal muss man den Jungen zeigen, wie es geht."

Kurz vor der Pause kam der Auftritt des 17-jährigen Stephane Jean-Pierre. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte zog er aus 18 Metern ab - und traf zum 2:2-Ausgleich. Quinter Boryn, der rechte Verteidiger, hatte den Ball zuvor elegant quergelegt. Trainer Kevin Tüllinghoff riss die Arme hoch, als hätte er die Meisterschaft gewonnen. Auf der anderen Seite schüttelte Bruder Hermann nur den Kopf und murmelte angeblich: "Na gut, wenigstens bleibt’s in der Familie."

Nach dem Seitenwechsel brachte Hermann frische Beine: Lucas Duverger ersetzte Amaury Sancho, und auch der Plan war klar - mehr Tempo über die Außen. Und dieser Plan zündete sofort. In der 50. Minute war es Gerard Eliot, der nach Vorlage von Brun das 3:2 erzielte. Ein Treffer, der das Stadion erneut erzittern ließ. "Ich hab Moritz nur schreien hören: ’Mach was draus!’ - also hab ich’s getan", erzählte Eliot lachend.

Kingston versuchte, das Spiel zu drehen, blieb aber im Abschluss zu harmlos. Nur sieben Torschüsse standen am Ende zu Buche - Falmouth kam auf zwölf. Ballbesitz? 53 zu 47 Prozent für die Villagers. Kein erdrückendes Übergewicht, aber genug Kontrolle, um den Vorsprung über die Zeit zu bringen.

In der 66. Minute wurde es noch einmal hitzig: Thierry Neville, der Torschütze zum 1:2, sah Gelb nach einem übermotivierten Tackling. Drei Minuten später lag Jerome Carey verletzt am Boden - die Blues mussten umstellen. Paulus Bengtsson kam, brachte Ordnung, aber keine Tore. "Jerome ist unser Herz", klagte Kevin Tüllinghoff nach dem Spiel, "und wenn das stolpert, wackelt der ganze Körper."

Die Villagers wechselten clever: Bachmann kam für den ausgepowerten Eliot, später durfte der junge Theo Boyle dem erfahrenen Stephane Prinsloo weichen - und auf der Tribüne wurde schon gemunkelt, dass Hermann Tüllinghoff damit nicht nur Zeit schinden, sondern auch den Bruder ein wenig ärgern wollte.

Die letzten Minuten? Ein einziger Nervenkitzel. In der 93. Minute zog Aaron MacKay noch einmal ab - der Ball rauschte hauchdünn am Pfosten vorbei. Kevin Tüllinghoff warf die Wasserflasche, Hermann klatschte verhalten. "Ich hab kurz überlegt, ob ich ihm eine Nachricht schicke: ’Danke für den Nervenkitzel’", scherzte Hermann später.

Am Ende blieb es beim 3:2 - ein Sieg, der die Villagers im oberen Tabellendrittel hält und die Blues weiter ins Mittelfeld drückt. Beide Teams spielten offensiv, beide setzten auf Konter, beide zeigten starken Einsatz - doch das Quäntchen Kaltschnäuzigkeit lag diesmal bei den Villagers.

"Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Hermann Tüllinghoff in der Pressekonferenz. "Und auf meinen Bruder auch - aber das sag ich ihm lieber nicht direkt." Kevin konterte mit einem Lächeln: "Wir sehen uns im Rückspiel. Vielleicht kocht er mir dann wenigstens einen Kaffee."

Am Ende des Abends blieb das Gefühl, ein besonderes Kapitel Familiengeschichte erlebt zu haben - mit Schweiß, Spott und jeder Menge Spielfreude. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Zuschauer gemurmelt haben: "Wenn alle Brüder so streiten würden, wär Fußball immer so schön."

Ein Spiel, zwei Brüder, fünf Tore - und ein Beweis, dass Blut zwar dicker ist als Wasser, aber nicht dicker als drei Punkte.

23.07.643987 08:10
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Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
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