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Es war ein Pokalabend, wie ihn selbst die hartgesottensten Fans der Falmouth Villagers nicht so schnell vergessen werden. 72.612 Zuschauer im prall gefüllten Hafenstadion erlebten ein Viertelfinale, das eigentlich keiner Beschreibung bedarf - und trotzdem hier eine bekommt. Nach 125 hart umkämpften Minuten, unzähligen Schüssen, gelben Karten und einem Nervenkrieg vom Punkt stand es fest: Falmouth Villagers 8, Kingston Blues 7 - nach Elfmeterschießen. Von Anfang an war klar: Dieses Spiel würde kein Spaziergang. Zwei Teams, zwei Brüder an der Seitenlinie - Hermann und Kevin Tüllinghoff - und 22 Spieler, die sich gegenseitig nichts schenken wollten. Schon in der zweiten Minute drosch Lewis Corraface von den Blues den Ball Richtung Tor, als wolle er den Abend früh entscheiden. Doch Falmouths Keeper Ernesto Ferrer hatte offenbar beschlossen, dass heute kein Ball an ihm vorbeikommt. Zumindest bis zur 67. Minute. Die erste Hälfte? Ein Abnutzungskampf mit der Ästhetik einer Baustellenampel - ständig auf Gelb. Amaury Sancho (Falmouth) sah in der 14. Minute Gelb für ein Tackling, das mehr nach Rugby aussah, und Kingston-Innenverteidiger René Carter revanchierte sich mit einer eigenen Verwarnung in der 36. Minute. "Da war mehr Farbe im Spiel als in manchem Kunstkurs", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Nach dem Seitenwechsel ging es dann endlich zur Sache. In der 61. Minute fasste sich Falmouths Mario Zaera ein Herz, zog aus 20 Metern ab und traf - natürlich nach Vorarbeit von Felix Bachmann, der zuvor drei Gegner wie Slalomstangen stehen ließ. 1:0, der Jubel in Falmouth war ohrenbetäubend. Doch wer glaubte, Kingston würde sich ergeben, kennt Kevin Tüllinghoff schlecht. Nur sechs Minuten später schlug sein Mittelstürmer Robert Bonald eiskalt zurück. Ein klassischer Stoßstürmertreffer: keine Schönheit, aber effektiv. 1:1 - und das war’s dann fürs reguläre Spiel. 15 Torschüsse Falmouth, 14 für Kingston, 52 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber - Zahlen, die genau das widerspiegeln, was man sah: ein Duell auf Augenhöhe mit leichtem Heimvorteil. In der Verlängerung wurde es wild. Gelbe Karten flogen wie Papierschnipsel: Lucas Duverger (105.) und Jelle Van Buren (112.) bei Falmouth, Dominique Bettencourt (123.) bei Kingston, und selbst der sonst so besonnene Jose Maria Longas kassierte in der 124. Minute eine für übertriebenen Einsatz. "Er hat den Ball getroffen - und alles andere gleich mit", grinste Hermann Tüllinghoff später. Als nach 120 Minuten immer noch kein Sieger feststand, griff das Drehbuch zur letzten Eskalationsstufe: Elfmeterschießen. Und das geriet zu einem Drama in mehreren Akten. Felix Bachmann verschoss gleich den ersten Versuch - "Ich wollte den Torwart verladen, aber ich hab mich selbst verladen", sagte er hinterher mit einem schiefen Lächeln. Doch seine Kollegen hielten dagegen: Gagne, Zaera, Cortes, Gil und Lampi trafen in Serie. Auf der Gegenseite verwandelten Bettencourt, Jordao, Carter und Besson sicher, doch ausgerechnet Kapitän Bonald trat doppelt unglücklich auf - erst in der regulären Zeit mit der vergebenen Großchance zum Sieg, dann im Shootout mit dem entscheidenden Fehlschuss. Als Aki Lampi zum zweiten Mal anlief, war das Stadion ein einziger Atemzug. Der Finne blieb eiskalt, schickte Torhüter Dimas Hermenegildo in die falsche Ecke - und versenkte Falmouth ins Halbfinale. 8:7 nach Elfmeterschießen, ein Ergebnis, das sich liest wie ein Tennissatz, aber in Wahrheit purer Pokalwahnsinn war. "Ich hab selten so viele Brüderflüche in einem Spiel gehört", scherzte ein Reporter, als die Tüllinghoffs sich nach Abpfiff in den Armen lagen - Hermann triumphierend, Kevin konsterniert. Letzterer sagte trocken: "Wenn ich schon gegen jemanden rausfliege, dann wenigstens gegen meinen Bruder. Aber das nächste Mal bring ich die besseren Nerven mit." Und so endete ein Spiel, das alles hatte: Drama, Karten, Pfiffe, Zittern und einen Helden namens Lampi. Die Villagers stehen im Halbfinale, die Blues gehen mit erhobenem Haupt - und vielleicht einem leichten Tinnitus vom Lärm in Falmouth - nach Hause. Oder, wie ein Fan auf dem Weg aus dem Stadion sagte: "Wenn das Viertelfinale schon so läuft, will ich gar nicht wissen, was im Finale passiert." Nun, wir auch nicht - aber wir werden berichten. 04.11.643987 06:03 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer