Noticiero VeneVision
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Estella Roha und Real Caracas liefern sich ein Vier-Tore-Spektakel mit Pointe

Ein lauer Abend in Caracas, 30.052 Zuschauer, Flutlicht, Trommeln, hupende Motorroller vor dem Stadion - kurz: Fußballromantik venezolanischer Prägung. Und mittendrin zwei Teams, die sich am 9. Spieltag der 1. Liga Venezuela nichts schenkten. Am Ende stand ein 2:2 zwischen Estella Roha und Real Caracas, ein Ergebnis, das beiden Mannschaften irgendwie schmeichelte - und doch gerecht war, weil niemand den Sieg wirklich verdient hatte.

Von Beginn an war Estella Roha das aktivere Team. 15 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz und eine satte Zweikampfquote von 56 Prozent - das liest sich auf dem Papier wie die Statistik eines Siegers. Und tatsächlich: Schon nach wenigen Minuten brannte es lichterloh im Strafraum der Gäste. Damian Ze Castro prüfte den Real-Keeper Helmut Ackermann gleich dreimal in den ersten 20 Minuten, aber der 25-Jährige hatte einen dieser Tage, an denen Torhüter plötzlich Spiderman-Reflexe entwickeln. "Ich weiß selbst nicht, wie ich den noch rausgekratzt habe", grinste Ackermann später, "vielleicht lag’s am neuen Glückstrikot."

Kurz vor der Pause kam dann doch der verdiente Lohn für Estella Roha. In der 45. Minute kombinierte sich das Team mit chirurgischer Präzision über die linke Seite: Jorge Fontàs flankte butterweich, Nuno Marques rauschte heran und köpfte zum 1:0 ein. Die Arena tobte, und Trainer Eiko Henke von Real Caracas sah aus, als würde er innerlich die nächste Trainingseinheit umschreiben.

Nach der Pause versuchte Caracas, Ordnung ins Spiel zu bringen - und fand sie ausgerechnet über die Jugend. In der 62. Minute schickte der 17-jährige Lukasz Piszczek seinen Stürmer Agemar Manuel auf die Reise. Der 21-Jährige blieb eiskalt und schob zum 1:1 ein. Henke sprang an der Seitenlinie auf und schrie etwas, das ungefähr klang wie "Endlich!".

Und weil junges Gemüse manchmal besonders knackig ist, legte Caracas nur sechs Minuten später nach. Wieder war Manuel beteiligt, diesmal als Vorbereiter. Er legte quer auf Rafael Leao, ebenfalls erst 17, der die Kugel humorlos ins lange Eck drosch - 1:2! Die Bank der Gäste jubelte, während Estellas Verteidiger sich gegenseitig fragten, ob jemand vielleicht kurz die Abseitslinie vergessen habe.

Doch Estella Roha wäre nicht Estella Roha, wenn sie sich kampflos ergeben hätten. Kaum drei Minuten später, in der 71. Minute, setzte Jacinto Jorge zu einem seiner typischen Flankenläufe an, bediente Rafael Riedel - und der haute den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes ins Netz, der schon zwei Gelbe Karten in dieser Saison gesammelt hat. 2:2! "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Riedel nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. Hat ja geklappt."

Danach wurde es ruppig. Erst sah Iker Peyroteo (Caracas) Gelb für ein rustikales Einsteigen, dann holte sich innerhalb von drei Minuten gleich zwei Estella-Spieler - Nelio Makukula und Torschütze Riedel - ebenfalls den Karton ab. Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun, und man hatte das Gefühl, dass sich gleich jemand selbst die Pfeife abnehmen könnte.

In den letzten Minuten drängte Estella Roha noch einmal auf den Sieg, Ze Castro schoss in der 79. Minute aus spitzem Winkel, Humberto Semedo prüfte Ackermann erneut, und sogar Rechtsverteidiger Antonio Vidigal versuchte sich aus 25 Metern. Doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein.

"Wir haben heute zwei Punkte verloren, aber wenigstens keine Köpfe", meinte Estella-Trainer - der sich selbst nicht namentlich zitieren lassen wollte, weil "meine Frau sagt, ich soll weniger ins Fernsehen". Eiko Henke dagegen war zufrieden: "Ein Punkt auswärts bei so einem Gegner - das nehme ich mit, bevor die Jungs merken, dass sie erst 17 sind."

So blieb es beim 2:2 - ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird, auch wenn beide Trainer ab morgen behaupten werden, sie hätten alles im Griff gehabt. Fußball ist eben manchmal wie ein venezolanischer Telenovela-Abend: laut, dramatisch, und am Ende gehen alle mit gemischten Gefühlen nach Hause.

Und wer weiß, vielleicht treffen sich Estella Roha und Real Caracas bald wieder - hoffentlich mit weniger Gelben Karten, aber mit genauso viel Herz. Bis dahin darf man sich fragen, was wohl gewesen wäre, wenn Ze Castros erster Schuss in der dritten Minute schon drin gewesen wäre. Aber das ist ja das Schöne am Fußball: Das "Was wäre wenn" ist immer das größte Tor.

09.09.643990 21:58
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Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer
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