Sverige Fotboll
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Ersboda zerlegt Solna - Vierfachschlag im kalten März

Es war einer dieser Abende in Solna, an denen man sich fragt, ob der Winter jemals aufhört - und ob AK Solna vielleicht noch irgendwann ein Tor schießt. Vor 12.500 tapferen Zuschauern im heimischen Stadion erlebten die Fans beim 0:4 (0:3) gegen Ersboda BK ein Spiel, das in seiner Einseitigkeit fast schon Kunstcharakter hatte. Während Solna verzweifelt versuchte, den Ball zu behalten (Ballbesitz immerhin 51,7 %), schossen die Gäste 22 Mal auf das Tor. Das Verhältnis: 22 zu 2. Manchmal sagen Zahlen eben mehr als alle Taktiktafeln dieser Welt.

Ersboda-Coach Juergen Piel hatte seine Mannschaft auf "Attacke" eingestellt - und das sah man von der ersten Minute an. "Wir wollten Solna keine Luft zum Atmen lassen", grinste Piel nach dem Spiel, als hätte er gerade einen besonders gelungenen Schachzug gefeiert. Seine Elf presste, kombinierte, schoss aus allen Lagen - und traf. Gleich dreimal innerhalb von fünf Minuten in der ersten Halbzeit.

Den Anfang machte in der 31. Minute Julio Sancho, der nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger Mikael Uggla den Ball trocken ins lange Eck schlenzte. "Ich dachte erst, der Ball wäre zu weit", erzählte Sancho später lachend, "aber dann hat er sich einfach entschieden, reinzugehen." Drei Minuten später war Gerard Grenier zur Stelle, der nach Vorlage von Jack Maxwell per Direktabnahme traf. Und kaum hatten sich die Solna-Spieler sortiert, legte Paulus Ohlson nach (36.) - diesmal nach Flanke von Innenverteidiger Jordi Herreros. Drei Tore in fünf Minuten, und die AK-Verteidigung sah dabei aus, als hätte sie gerade erst erfahren, dass das Spiel begonnen hat.

Ersboda war in Spiellaune, Solna dagegen schien in Schockstarre. Trainer des Heimteams - der an diesem Abend lieber anonym bleiben wollte, aber man sah ihm den inneren Vulkan an - gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir hatten den Plan, ruhig zu bleiben", murmelte er nach dem Spiel mit glasigem Blick, "aber der Plan hat sich dann irgendwie selbstständig gemacht."

In der zweiten Halbzeit versuchte Solna, den Ball wenigstens mal über die Mittellinie zu tragen, und tatsächlich: In der 91. Minute hatte Romain Van Haute eine kleine Chance - einer von nur zwei Torschüssen der Gastgeber. Der Ball ging, wie so vieles an diesem Abend, knapp vorbei. Dazwischen gab es eine Verletzung von Mikael Paulsson (61.), der humpelnd vom Platz musste, und eine Gelbe Karte für Frideborg Carlsson (43.), der sich wohl dachte, ein bisschen Körperkontakt könne nicht schaden.

Ersboda hingegen blieb unbarmherzig. Kevin Engel setzte in der 70. Minute den Schlusspunkt, nach schönem Zuspiel von Maxwell. Es war das 4:0 - und der Moment, in dem die Heimfans begannen, ihre Schals ein wenig tiefer ins Gesicht zu ziehen. "Ich wollte eigentlich gar nicht mehr schießen", sagte Engel später, "aber Jack hat mich so schön angeschaut, da konnte ich nicht nein sagen."

Taktisch war es eine klare Angelegenheit: Während Ersboda mit offensiver Ausrichtung und starkem Pressing auftrat, blieb Solna in seiner "ausgewogenen" Formation gefangen - also genau dort, wo man weder richtig verteidigt noch gefährlich angreift. Man könnte sagen, sie hatten den Ball, aber nicht die Idee.

Torhüter Mattias Lindblom bei Solna verhinderte Schlimmeres, parierte mehrfach stark, und selbst die Gäste zollten ihm Respekt. "Der Keeper war klasse", lobte Piel. "Ohne ihn hätten wir wahrscheinlich sechs oder sieben gemacht."

Die Zuschauer, die trotz eisiger Temperaturen bis zum Schlusspfiff blieben, quittierten die Leistung ihrer Mannschaft mit höflichem Applaus - oder vielleicht war es einfach das Aufwärmen der Hände.

Fazit: Ersboda BK zeigte sich eiskalt, effizient und spielfreudig, während AK Solna an diesem Abend alles vermissen ließ, was man unter Heimstärke versteht. 22 Torschüsse, vier Tore, null Gegentreffer - die Statistik war ebenso deutlich wie das Spiel.

Julio Sancho wurde zum Spieler des Abends gewählt, nicht nur wegen seines Treffers, sondern wegen seiner permanenten Gefahr über links. Neben ihm überzeugten Grenier und Maxwell mit Spielwitz und Übersicht.

Solna dagegen wird sich in den kommenden Tagen fragen müssen, ob 51 Prozent Ballbesitz tatsächlich tröstlich sind, wenn man dafür vier Gegentore kassiert.

Oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions trocken bemerkte: "Wir hatten den Ball - sie hatten Spaß."

Ein Satz, der diesen 33. Spieltag der 1. Liga Schweden wohl besser zusammenfasst als jede Statistik.

26.09.643993 07:35
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Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
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