Sverige Fotboll
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Ersboda zerlegt Jönköping - Grenier glänzt, Quaresma tanzt

Es war ein feuchtkalter Abend in Jönköping, doch die 15.102 Zuschauer im Stadion dürften sich noch lange daran erinnern - allerdings aus höchst unterschiedlichen Gründen. Während die Fans von Ersboda BK im Takt des Toreschießens klatschten, suchte das heimische Publikum von Jönköping BK ab der 60. Minute eher nach Ausreden: "Der Rasen war zu glatt", "Der Ball zu rund", "Die Sonne stand tief" - man hörte alles. Am Ende stand es jedenfalls 1:5 (1:2) aus Sicht der Gastgeber, und das sogar schmeichelhaft.

Schon nach zwei Minuten machte Ersboda klar, dass sie keine Lust auf Abtasten hatten. Paulus Ohlson, der rechte Mittelfeldmotor, zog einfach mal ab - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Torschütze nach dem Spiel, "aber wenn der Ball so schön ins Kreuzeck fliegt, beschwert sich keiner." Trainer Piel Juergen grinste daneben wie ein Mann, der genau wusste, dass seine Mannschaft heute im Autopilot-Modus Tore schießen würde.

Jönköping schüttelte sich kurz, übernahm dann tatsächlich das Kommando. 55 Prozent Ballbesitz, viele gefällige Pässe, aber wenig Zählbares. Dann, in der 28. Minute, der einzige Lichtblick des Abends für die Gastgeber: Mattias Bloch schickte Sigurd Bruhn steil auf links, der zog nach innen und wuchtete den Ball zum 1:1 ins Netz. Das Stadion lebte, die Bank sprang, Trainer Daniel Ludwig ballte die Faust. Es war der Moment, in dem man dachte, das Spiel kippt vielleicht.

Tat es aber nicht. Zehn Minuten später schlug Ersboda wieder zu - und wie! Gerard Grenier, der französische Dirigent im Mittelfeld, nahm einen Rückpass von Rudolf Uggla volley und traf so trocken wie ein nordschwedischer Winter. 1:2, Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel kam Jönköping mit Mut, aber ohne Präzision. Drei Schüsse in zehn Minuten, alle irgendwo zwischen Latte und Tribüne. Ersboda dagegen blieb eiskalt. In der 57. Minute wieder Grenier, diesmal nach feinem Doppelpass mit dem jungen Asier Quaresma - 1:3. "Wir haben im Training genau diese Bewegung geübt", sagte Grenier später und zwinkerte, "aber eigentlich nur, um den Trainer zu beeindrucken."

Von da an war alles entschieden. Jönköping verlor die Ordnung, Ersboda spielte sich in einen Rausch. Grenier krönte seinen Abend mit einem Hattrick in der 72. Minute, erneut nach Zuspiel von Quaresma. Der 21-Jährige, der aussieht, als wäre er gerade dem Jugendinternat entlaufen, legte in der Nachspielzeit selbst noch einen drauf: Nach Vorarbeit von Kevin Engel schob er zum 1:5-Endstand ein.

"Das war heute wie ein Tanz - und ich liebe Tanzen", sagte Quaresma lachend, während sein Trainer versuchte, das Mikrofon zu übernehmen. Piel Juergen fasste sich dann kurz: "Wir haben offensiv gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten. Vielleicht sogar zu offensiv - aber wer fünf Tore schießt, darf das sagen."

Auf der anderen Seite stand Daniel Ludwig mit hängenden Schultern: "Wir haben eigentlich gut mitgespielt, aber wir haben das gemacht, was man im Lehrbuch unter ’effizientem Scheitern’ findet." Auf die Frage, ob er Konsequenzen ziehen werde, antwortete er trocken: "Ja, ich werde ab morgen die Schussübungen verdoppeln - und die Latte um zwanzig Zentimeter breiter machen lassen."

Statistisch gesehen war das Ganze fast paradox: Jönköping hatte mehr Ballbesitz, spielte sicherer im Passspiel, aber Ersboda schoss dreimal so oft aufs Tor - 15 zu 5. Taktisch blieb Jönköping brav "balanced", während Ersboda in schönster Offensivmanier agierte, aggressiv, kurzpassorientiert, aber mit einer Kaltschnäuzigkeit, die man sonst nur aus südlicheren Gefilden kennt.

Zwei Gelbe Karten (Meira, Johnsson) rundeten den Jönköpinger Abend ab - eine für Frust, eine für Verzweiflung. Die Fans pfiffen nicht, sie seufzten. Manche applaudierten Grenier, was fair war.

Und so endete dieser 14. Spieltag der 1. Liga Schweden mit einer klaren Botschaft: Ersboda BK ist in dieser Form kaum zu stoppen, Jönköping BK dagegen sollte dringend die Defensive überdenken - und vielleicht auch das Wort "Pressing" in den Trainingsplan aufnehmen.

Oder, wie es der Stadionsprecher beim Abpfiff trocken formulierte: "Das war’s aus Jönköping - Ersboda hat fünf Gründe dagelassen, warum man sie nächste Woche besser nicht unterschätzt."

18.06.643987 16:53
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