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Es war ein Abend, an dem selbst die Möwen über dem Stadion von Ersboda lieber unter die Tribünendächer geflüchtet wären. 17.818 Zuschauer trotzten Wind und Regen, um Zeuge eines Spiels zu werden, das so früh entschieden schien, dass mancher schon in der 20. Minute überlegte, den Glühweinstand zu plündern. Doch der Fußball - dieser alte Trickser - ließ kurz Hoffnung aufkeimen, bevor Ersboda BK endgültig das Kommando übernahm und Jönköping BK mit 3:1 (2:1) nach Hause schickte. Ersboda begann, als hätte Trainer Piel Juergen ihnen das Abendessen nur im Falle eines Sieges versprochen. Keine zwei Minuten waren gespielt, da prüfte Urban Karlson schon das Tornetz - noch nicht erfolgreich, aber ein klarer Weckruf. In der 7. Minute dann die Belohnung: Karlson selbst, unwiderstehlich auf rechts, verwandelte nach feiner Vorarbeit von Gudmund Henriksson zum 1:0. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Karlson später, "der Ball wollte wohl auch mal ins Trockene." Nur vier Minuten später setzte Adam Hoskins noch einen drauf. Sigmund Eriksson hatte sich auf der rechten Seite durchgetankt, flankte punktgenau, und Hoskins nickte zum 2:0 ein - ein Kopfball, der so lehrbuchmäßig war, dass der Physiklehrer von Ersboda ihn vermutlich im Unterricht zeigen wird. Doch Jönköping antwortete prompt. In der 12. Minute passte Valentin Dahlin quer, und Urban Holmqvist - der ältere der beiden Urbans an diesem Abend - schob überlegt ein. 2:1, und plötzlich war wieder Leben im Spiel. "Da dachte ich, jetzt drehen wir das", meinte Holmqvist hinterher, "aber dann fiel uns irgendwie der Stecker raus." Ersboda hatte das Spiel im Griff, auch wenn der Ballbesitz (50,6 zu 49,4 Prozent) fast ausgeglichen blieb. Das war freilich nur eine statistische Täuschung, denn während Ersboda 20 Schüsse aufs Tor brachte, kam Jönköping auf gerade einmal drei - und die meisten davon so harmlos wie ein Nieselregen im April. Nach der Pause schaltete Ersboda keinen Gang zurück. Rene Schüler prüfte den Keeper mehrfach, Fabian Frank scheiterte zweimal knapp, und Urban Karlson wirbelte weiter, als wäre er auf Koffein getränkt. In der 64. Minute wechselte Juergen den jungen Dimas Chalana für Alfred Abelson ein - wohl, um frischen Wind in die Defensive zu bringen. Später durfte sogar der 17-jährige Alrik Anderson zwischen die Pfosten, nachdem Stammkeeper Valter Dahlin ausgewechselt wurde - vermutlich, weil Ersboda-Coach Juergen "ihm mal das Flutlicht zeigen wollte", wie er lachend erklärte. Jönköping hingegen kämpfte mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Dimas Meira kassierte in der 83. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, und kurz darauf verletzte sich Patrik Karlsson am Knöchel. "Da war nichts, nur Pech", brummte er später mit Eispack, während Ersatzmann Fritjof Bengtsson das Feld betrat und prompt in der 88. Minute den zweiten nennenswerten Schuss seines Teams abgab - immerhin aufs Tor. Als die Nachspielzeit bereits lief, setzte Ersboda den Schlusspunkt: Fabian Frank drückte in der 90. Minute den Ball über die Linie, nach einem butterweichen Zuspiel von Henriksson, der damit sein zweites Assist an diesem Abend beisteuerte. 3:1, Deckel drauf. "Wir wollten einfach noch ein bisschen Spaß haben", meinte Frank trocken. Trainer Piel Juergen war anschließend in bester Laune: "Wir haben offensiv gespielt, aggressiv, mit vielen kurzen Pässen - so wie wir das trainieren. Nur das Bier nach dem Spiel darf ruhig mal ein langer Ball sein." Auf der anderen Seite klang Jönköpings Coach - der nach dem Spiel wortkarg blieb - eher resigniert. Ein Betreuer fasste es zusammen: "Wir hatten heute keine Antworten. Nur Fragen. Und Regen." Ersboda BK festigt mit diesem Sieg seinen Platz im oberen Tabellendrittel der 1. Liga Schweden, während Jönköping BK weiter nach Form sucht - oder nach einem Schirm, der hält. Und irgendwo in der Kabine soll Urban Karlson noch gerufen haben: "Nächstes Mal mach ich zwei!" Wenn er so weiterspielt, wird das wohl keine leere Drohung bleiben - höchstens eine feuchtfröhliche. 21.03.643990 12:40 |
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