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Wenn ein Spiel mit einem frühen Schock beginnt und mit einem Fußballfest endet, dann war vermutlich Ersboda BK beteiligt. Vor 18.032 Zuschauern im heimischen Stadion fegte die Mannschaft von Trainer Piel Juergen den Malmö IF mit 6:2 (2:2) vom Platz - ein Ergebnis, das wohl noch länger durch die schwedischen Fußballkneipen hallen wird. Dabei fing alles denkbar schlecht an. Kaum hatte der Schiedsrichter die Pfeife zum Anstoß gesetzt, stand es schon 0:1. Malmö-Stürmer Greger Nelsen nutzte in der zweiten Minute eine schläfrige Ersboda-Abwehr, die offenbar gedanklich noch beim Aufwärmen war. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen - war er aber leider nicht", murmelte Innenverteidiger Jordi Herreros nach dem Spiel kleinlaut. Doch Ersboda wäre nicht Ersboda, wenn sie sich von einem frühen Rückschlag irritieren ließen. In der 14. Minute schlug der rechte Mittelfeldmotor Paulus Ohlson zurück. Nach feinem Zuspiel von Gerard Grenier wuchtete er den Ball ins Netz, als wolle er den Rückstand aus der Welt schießen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Ohlson später. "Manchmal hilft reine Gewalt - und diesmal hat sie’s getan." Die Partie nahm Fahrt auf, und Urban Karlson - der Mann für die spektakulären Momente - brachte Ersboda in der 40. Minute erstmals in Führung. Sein Sturmpartner Ohlson hatte sich zuvor auf der rechten Seite durchgetankt, und Karlson vollendete trocken. Doch Malmö zeigte Moral: Noch vor der Pause traf Joao de Freitas zum 2:2 (44.), nach starker Vorarbeit von Bastiaan Dag. So ging’s mit offenem Visier in die Kabinen - und mit leicht hochgezogenen Augenbrauen beim Heimpublikum. "Ich hab den Jungs gesagt: Jetzt hört bitte auf, Geschenke zu verteilen", erzählte Ersboda-Coach Piel Juergen später mit einem süffisanten Lächeln. Offenbar hat’s gewirkt. Denn was in Hälfte zwei folgte, war ein Offensiv-Orkan in Blau-Gelb. Asier Quaresma eröffnete das Schützenfest nach Wiederbeginn (54.), als er einen Abpraller humorlos unter die Latte drosch. Dann kam die große Show von Karlson, Hoskins und Sundström - eine Dreierkombination, die Malmö schlicht überforderte. Hoskins erhöhte in der 74. Minute auf 4:2, eingeleitet von Karlson, der an diesem Abend wohl das beste Spiel seiner Karriere machte. Als dann der junge Henrik Sundström eingewechselt wurde, schien Malmö bereits in den Seilen zu hängen. Aber der 24-Jährige hatte noch Lust auf Drama: Erst traf er in der 80. Minute, wieder nach Vorlage von Grenier - und in der Nachspielzeit legte er den Ball zum 6:2-Endstand erneut ins Netz. Grenier lieferte dabei zum dritten Mal den entscheidenden Pass. "Gerard war heute unser heimlicher Regisseur", lobte Trainer Juergen. "Er verteilt die Bälle, als hätte er sie im Abo." Während Ersboda feierte, wirkte Malmö-Coach Christoph Kleinschmidt ratlos. "Wir waren 45 Minuten gut im Spiel", sagte er, "aber dann hat uns Ersboda einfach aufgefressen." Seine Mannschaft brachte es auf sieben Torschüsse - Ersboda dagegen auf stolze 17. Auch im Ballbesitz hatten die Hausherren leicht die Nase vorn (52,6 %). Malmö versuchte es in der Schlussphase mit gleich drei frischen Kräften - Johansson, Pettersson und Bloch kamen in der 60. Minute -, doch der Effekt blieb aus. "Da war einfach kein Aufbäumen mehr", sagte Kapitän Rikard Johansson, der kurz vor Schluss noch Gelb sah, "wir waren platt." Ersbodas Fans dagegen feierten jeden Ballkontakt mit Sprechchören, und selbst Torwart Valter Dahlin wurde in der 88. Minute von der Kurve besungen, als er einen harmlosen Schuss sicher fing. "So eine Stimmung erlebt man nicht jeden Tag", meinte er. Am Ende blieb das Gefühl, einem Statement-Spiel beigewohnt zu haben. Ein Team, das nach Rückstand aufsteht, im zweiten Durchgang explodiert und seinen Gegner mit Tempo, Präzision und einer Prise gnadenlosem Humor zerlegt - das ist der Stoff, aus dem Meisterträume sind. Oder, wie es Urban Karlson mit einem breiten Grinsen formulierte: "Sechs Tore? Klingt nach Tennis. Aber ich nehm’s." Wenn Ersboda diese Form hält, wird’s in Schweden bald schwer, sie zu stoppen. Und Malmö? Die fahren mit schmerzhaften Erinnerungen heim - und der Erkenntnis, dass man gegen einen solchen Sturm besser den Regenschirm dabeihaben sollte. 27.08.643987 09:33 |
Sprücheklopfer
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