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Ein kalter Januarabend in Umeå, aber auf dem Rasen des Ersboda-Stadions brannte die Luft: 18.098 Zuschauer sahen am 21. Spieltag der 1. Liga Schweden, wie Ersboda BK den FC Sirius mit einem 6:0 nach Hause schickte - ein Spiel, das eher an ein Trainingsduell erinnerte, bei dem der eine läuft und der andere leidet. Schon nach neun Minuten war klar, dass das hier kein gemütlicher Spaziergang für Sirius werden würde. Adam Hoskins, der Mittelstürmer mit dem Killerinstinkt eines schwedischen Eisbären, versenkte nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Carl Nuno den Ball eiskalt zum 1:0. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Hoskins später. "Wenn man trifft, war’s Taktik. Wenn nicht, war’s Wind." Fünf Minuten später kam Urban Karlson ins Spiel - und zwar im wörtlichen Sinn. Nach einem präzisen Pass seines Namensvetters Paulus Karlson drückte er das Leder zum 2:0 über die Linie. Trainer Piel Juergen klatschte an der Seitenlinie zufrieden in die Hände. "Urban spielt, als hätte er heute Morgen doppelt gefrühstückt", raunte er lachend einem Betreuer zu. Spätestens als Hoskins in der 33. Minute erneut zuschlug - wieder nach Vorarbeit von Dauerläufer Nuno - war Sirius endgültig im Eismeer versunken. 3:0 zur Pause, 10:2 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz für Ersboda: die Zahlen lügen nicht. Sirius wirkte, als hätte man ihnen die Heizung im Bus angelassen - warm, träge, harmlos. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Sirius-Coach (dessen Name der Verband lieber verschweigt) nach dem Spiel mit leicht glasigem Blick. "Hat ja auch geklappt - wir waren oft vorne, nur leider nie mit dem Ball." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Zwar versuchte der junge Georg Hanson für Sirius mit einem Schuss in der 50. Minute so etwas wie ein Lebenszeichen, aber Ersboda antwortete mit einer Lawine von Angriffen. 20 Torschüsse für die Gastgeber, nur zwei für die Gäste - das war Fußball mit ungleichen Waffen. In der 65. Minute belohnte sich Ersboda erneut: Urban Karlson, an diesem Abend unermüdlich, machte nach Vorlage des Innenverteidigers Alfred Abelson seinen Doppelpack perfekt. Der Torjubel? Eine Mischung aus Erleichterung und Übermut. "Ich wusste gar nicht, dass Alfred so präzise flanken kann", grinste Karlson. "Vielleicht sollte er öfter vorne bleiben." Doch Karlson hatte noch nicht genug. In der 74. Minute schnürte er den Hattrick - diesmal nach Vorarbeit des eingewechselten Liam Bjorklund. 5:0, und die Fans sangen bereits Loblieder auf ihre Angriffsreihe. Trainer Juergen hob abwehrend die Hände: "Wir wollten nur Spaß haben - aber irgendwann läuft’s halt." Den Schlusspunkt setzte Gudmund Henriksson in der Nachspielzeit (93.). Ein Schuss aus 18 Metern, trocken, schnörkellos - das 6:0 und der endgültige Knockout für Sirius. Der Torjubel fiel kurz aus; Henriksson rannte einfach zurück in die eigene Hälfte, als wollte er sagen: "Arbeit erledigt." Einziger Wermutstropfen für Ersboda: Rechtsverteidiger Carl Nuno handelte sich in der 86. Minute noch eine Gelbe Karte ein. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich später mit einem Grinsen. "Dass da ein Gegner im Weg stand, war Pech." Statistisch war das Spiel eine Demonstration: 58,9 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 20 Abschlüsse, 51 Prozent Ballbesitz - und sechs Tore. FC Sirius dagegen brachte es auf ganze zwei Schüsse aufs Tor und eine Gelbe Karte. Wenn Fußball ein Boxkampf wäre, hätte der Ringrichter spätestens nach 70 Minuten abgebrochen. Am Ende stand ein Ersboda BK, das lachte, jubelte und Späße machte, während die Gäste leise in die Kabine trotteten. "Wir sind nicht hier, um Mitleid zu haben", sagte Hoskins mit einem Augenzwinkern. "Aber vielleicht schicken wir ihnen nächste Woche ein paar Bälle zum Üben." Trainer Juergen zog sein Fazit mit gewohnt trockenem Humor: "Sechs Tore, keine Verletzten, kein Sturm auf die Kantine nach dem Spiel - das nenn ich erfolgreich. Wenn jetzt noch jemand den Rasen wieder zusammensetzt, kann’s weitergehen." Bleibt die Frage, ob Sirius sich von diesem 0:6-Schock erholt. In Ersboda jedenfalls wird man noch lange von diesem Winterabend erzählen - einem, an dem alles passte: die Pässe, der Einsatz, und sogar das Flutlicht. Und irgendwo in der kalten Nacht von Umeå summte ein Fan leise: "So spielt man Fußball, wenn’s läuft." 19.09.643987 07:22 |
Sprücheklopfer
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